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Zittau bekommt Münchner Arbeitsplätze

Die Textilfirma Ploucquet bündelt ab 1. Januar alle Kräfte an der Neiße. Hugo Boss muss nun in der Weinau bestellen.

Von Thomas Mielke

München hat das Nachsehen gegenüber Zittau: Der Textilhersteller Ploucquet stärkt den Produktionsstandort im Industriegebiet Weinau und bündelt dort ab Januar alle Kräfte. Neben dem bisherigen Geschäftsbereich Technische Textilien wird künftig auch der gesamte Geschäftsbereich Modische Textilien in Zittau arbeiten. Bisher waren die Bereiche Einkauf, Vertrieb sowie Design und Entwicklung für die Bekleidung am Münchner Hauptquartier der Mutterfirma Sympatex Holding GmbH angesiedelt. Von dort aus wurde der Bereich auch gesteuert und geleitet. Hergestellt wird die Bekleidung allerdings bereits seit Jahren in den Werkhallen an der Neiße. „Durch die unternehmerische Entscheidung, den Standort Zittau zu stärken, sichern wir uns mittel- und auch langfristig die internationale Konkurrenzfähigkeit und somit den wirtschaftlichen Erfolg in einem umkämpften Markt“, sagte Michael Kamm, Geschäftsführer der Ploucquet GmbH.

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Die Sympatex Holding GmbH stärkt mit dieser Zusammenlegung laut Pressesprecherin Sonja Zajontz bewusst die traditionsreiche, ostdeutsche Textilregion. „Das zeigt, dass die Gesellschafter Vertrauen in den Standort Zittau haben“, sagte Betriebsleiter Matthias Maier der SZ. Insgesamt werden ab 1. Januar rund 150 Mitarbeiter für Ploucquet in der Weinau tätig sein. Davon übernehmen neun die Aufgaben aus München. Laut Maier wechseln fünf Leute aus der bayrischen Landeshauptstadt offiziell nach Zittau. Da es sich aber um Vertriebsmitarbeiter handelt, werden sie kaum vor Ort sein. Vier Innendienstler sind neu eingestellt worden.

Ploucquet hatte im Jahr 2000 die insolvente Textil- und Garnveredlung übernommen, die den Produktionskomplex in der Weinau für über 40 Millionen Euro errichtet hatte. Die Firma startete mit 50 Beschäftigten. Bis 2009 waren es bereits 130. Nach der Krise 2010 wuchs die Belegschaft auf nun 150. Diese Zahl soll gehalten werden.

„Die Zukunft sind die technischen Textilien“, sagt Maier. Dieser Bereich ist in den letzten Jahren jeweils im zweistelligen Prozentbereich gewachsen. Maier geht davon aus, dass es auch 2014 so sein wird. Dagegen wird der Mode-Sektor langfristig wohl kleiner. Zwar gibt es keinen Grund für Angst vor der asiatischen Konkurrenz, weil die Herstellung der Ploucquet-Produkte viel zu komplex für Billiganbieter ist. Aber: „Wir müssen immer schneller rennen und neue Produkte entwickeln“, sagt Maier.Damit der Vorsprung nicht kleiner wird.

Mit der Verschiebung innerhalb der Bereiche wird der Umsatz von 20 Millionen Euro im Jahr leicht sinken. „Aber der Ertrag wird nicht schlechter“, sagte Maier. Das hängt mit größeren finanziellen Durchlaufposten in der Kleidungssparte zusammen.

Ploucquet stellt für namhafte Anbieter wie Hugo Boss und Bugatti Innen-, Taschenfutter und Hosenbünde her. Im technischen Bereich produziert die Firma unter anderem Filz-Bremsbeläge für Trockner, Trägergewebe für Pflaster und Antirutsch-Stoff für Ladeflächen. Die Firma war 1806 in Baden-Württemberg gegründet worden. Der Stammsitz ist bereits zugunsten von Zittau dichtgemacht worden. Auf ein Wort