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Zittau

Großteil der Zittauer Geschäfte bleibt zu

Drogerien und Lebensmittelläden dürfen ab Donnerstag weiter öffnen. Viele Kunden haben vorsichtshalber mehr eingekauft als sonst. Für sie gibt's nun Beschränkungen.

Ute Heidmann von der Büroklammer in der Frauenstraße. Das Geschäft gehört zu denen, die ab Donnerstag schließen müssen - vorerst bis zum 20. April.
Ute Heidmann von der Büroklammer in der Frauenstraße. Das Geschäft gehört zu denen, die ab Donnerstag schließen müssen - vorerst bis zum 20. April. © Matthias Weber/photoweber.de

Noch herrscht relativ normaler Betrieb in der Zittauer Innenstadt. Die Freisitze der Cafés sind gut belegt, Kunden bummeln durch die Geschäfte. Von einer Corona-Krise ist wenig zu spüren. Doch das wird sich schnell ändern. Ab Donnerstag bleibt der Großteil der Geschäfte in Zittau geschlossen. Der Freistaat hat am Mittwoch eine entsprechende Allgemeinverfügung beschlossen, um das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus zu reduzieren. Diese gilt zunächst bis zum 20. April.

Nur einzelne Handelsbereiche sind von der Schließung ausgenommen, dazu gehören zum Beispiel der Lebensmittelhandel, Apotheken, Drogerien, Poststellen, der Zeitungsverkauf und Friseure.

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Dienstagmittag war noch einiges los in der Zittauer Innenstadt - wie hier in der Frauenstraße.
Dienstagmittag war noch einiges los in der Zittauer Innenstadt - wie hier in der Frauenstraße. © Matthias Weber/photoweber.de

Darf man öffnen oder nicht?

Unter den Zittauer Händlern und Gewerbetreibenden herrscht dennoch Verunsicherung. Sind wir auch von der Schließung betroffen, fragt sich der eine oder andere. So wie Uhrmachermeister Udo Krostack, der sich unsicher ist, ob er wegen der Reparaturen als Dienstleister gilt, die ebenfalls weiter arbeiten dürfen. Er will sein Geschäft auf der Reichenberger Straße aber vorsichtshalber schließen. Auch im Laden nebenan, dem Zittauer Weltladen, gibt es Zweifel. Denn ein Teil des Angebotes sind Lebensmittel. Gilt man nun als Lebensmittelhändler? Anett Seeliger hat sich vorsorglich bei anderen Weltläden informiert, aber wirklich Klarheit herrscht danach nicht. Mancher öffnet weiterhin, andere schließen. Der Zittauer Weltladen wird ebenfalls zumachen, entschied Frau Seeliger.

Bei anderen Geschäften stellt sich die Frage nicht. "Wir gehören zu den Lebensmittelgeschäften", sagt Philipp-Christopher Paul vom gleichnamigen Reformhaus in der Zittauer Frauenstraße. Diese Info hat er von der eigenen Genossenschaft bekommen. Das Reformhaus kann also weiter öffnen. Für den Modeladen gegenüber gilt das nicht. Er muss ab Donnerstag schließen, da Bekleidungsgeschäfte laut der Einstufung von Bund und Land nicht zu den lebensnotwendigen Bereichen gehören. Die Inhaberin macht sich deshalb Sorgen. Sie hofft, dass die Handelspartner die Lieferungen zurückstellen. Denn ohne Umsätze kann sie die Waren auch nicht bezahlen. Die verordnete Schließzeit sei extrem kritisch. "Gut schlafen kann ich nicht mehr", meint die Modehändlerin. 

Im Buchladen auf dem Markt ist die Lieferung der Osterware bereits da - und nun fällt das Ostergeschäft ins Wasser. Auch hier schließen sich die Türen am Donnerstag - vorerst bis zum 20. April. Vor Ort sein werde man dennoch, sagt Inhaberin Bärbel Thomas. Denn es gebe noch andere Aufgaben zu erledigen. Und der Online-Shop müsse ebenfalls weiter betreut werden.

Nicht nur bei den Handwaschmitteln waren einige Sorten ausverkauft. Auch bei Toilettenpapier, Küchenrollen und Taschentüchern sind die Regale in den beiden Zittauer Drogeriemärkten leer.
Nicht nur bei den Handwaschmitteln waren einige Sorten ausverkauft. Auch bei Toilettenpapier, Küchenrollen und Taschentüchern sind die Regale in den beiden Zittauer Drogeriemärkten leer. © Matthias Weber/photoweber.de

Auch in den beiden Zittauer Drogerien sind die Mitarbeiter in den nächsten Tagen vor Ort, denn sie gehören zu den Geschäften, die weiter öffnen dürfen. Und das sogar länger - wie der Freistaat verfügt hat. Von dieser Möglichkeit will der dm-Markt vorerst keinen Gebrauch machen, wie die stellvertretende Filialleiterin Monique Brückner erklärt.

Obwohl die Kunden weiter in dem Drogeriemarkt einkaufen können, gab es in den vergangenen Tagen "Hamsterkäufe". Deutlich zu erkennen an den leeren Regalen beim Toilettenpapier, Küchenrollen und Taschentüchern oder Handseifen. In der Vorwoche hätten sich auch tschechische und polnische Kunden noch mal gut mit diesen Produkten eingedeckt, sagt Frau Brückner. Sie können aufgrund der Grenzschließungen am vorigen Wochenende momentan nicht mehr hier einkaufen. Umsatzeinbrüche verzeichnet dm deshalb aber nicht. Denn die deutschen Kunden kaufen jetzt mehr als sonst - und sorgen so für einen gewissen Ausgleich.

Gelieferte Ware war ganz schnell weg

Wenn denn die gewünschte Ware vorrätig ist. Die am Dienstag gelieferten Packungen Toilettenpapier und Küchenrollen seien ratzfatz weg gewesen, berichtet Frau Brückner, fügt aber hinzu, dass nicht so viel geliefert wurde wie normal. Auch deshalb, weil gerade in allen Drogerie- und Supermärkten großer Bedarf an diesen Produkten herrsche. 

Bei Rossmann in Zittau hat man inzwischen auf die "Hamsterkäufe" reagiert und die Verkauf auf zwei Packungen Toilettenpapier beschränkt. "Es gab Kunden, die wollten mehr haben. Wir haben sie dann aber auf die Beschränkung hingewiesen", berichtet eine Mitarbeiterin.

Das Regal, in dem das Toilettenpapier liegt, ist trotzdem leer. Die nächsten Lieferungen erwartet der Zittauer Drogeriemarkt am Mittwoch und Donnerstag. Mit Ausfällen oder Verspätungen der Lieferungen rechnet man in der Filiale nicht. Auch beim Konkurrenten dm geht man davon aus, dass die nächste Lieferung regulär am Freitag kommt.

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Verkaufsbeschränkungen wie bei Rossmann gibt es bei dm noch nicht - zumindest was das Toilettenpapier betrifft. Die Kunden werden zwar angehalten, darauf zu achten, nur haushaltsübliche Mengen zu kaufen. Aber man werde keinem Packungen wieder wegnehmen, meint die stellvertretende Filialleiterin. Einzig bei den Desinfektionsmitteln sei die Abgabe auf zwei Stück pro Kunde beschränkt.

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