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Zittau hat jetzt einen Plan für seine Sportstätten

Die Stadt will eine Turnhalle bauen. Eine vierte soll noch dazu kommen. Die soll aber aus einem anderen Topf bezahlt werden.

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Von Thomas Mielke

Zittau ist eine Sportstadt. Das belegen Zahlen: Über 50 Prozent der Einwohner treiben Sport. Rund 20 Prozent sind in einem der über 100 Sport- und Freizeitvereine organisiert. Abgesehen davon sporteln Hunderte Studenten in der Freizeit, die Schüler im Unterricht und Menschen aus den Nachbargemeinden in Zittau. Sie alle nutzen über 80 Sportanlagen von Vereinen, öffentlichen Trägern oder Firmen. Und sind erfolgreich: Unter anderem in den Disziplinen Faustball und Badminton sowie bei den Senioren in der Leichtathletik. Im Wasserspringen, im Kegeln, im Badminton und im Gewichtheben holen Zittauer regelmäßig Goldmedaillen.

Doch die Stadt verändert sich. So schrumpft zum Beispiel die Einwohner- und damit die Schülerzahl. Schulen sind geschlossen worden oder umgezogen. Aus diesen und anderen Gründen hat die Verwaltung in den letzten Jahren den Sportbereich unter die Lupe nehmen lassen und daraus ein Konzept für die Zukunft entwickelt. In der vorletzten Sitzung hat der Stadtrat die Handlungsrichtlinie für die Verwaltung beschlossen.

Diese Turnhallen

sollen neu gebaut werden

Durch die Untersuchungen ist klar geworden, dass Zittau zu wenig Platz in Turnhallen hat. Deshalb sollen in den nächsten Jahren vier neue gebaut werden. Als erstes ist eine Zwei-Felder-Halle für die Schüler und die Vereine im Niederland an der Grundschule auf dem Hirschfelder Nordpol geplant. Eine noch größere soll in Zittau-Süd für das Schliebenschulzentrum errichtet werden. Auch für die Weinau-Schule ist eine vorgesehen. Wann die Hallen gebaut werden, steht noch in den Sternen. Die vierte Halle soll der Landkreis, der keine eigene Halle für seine Gymnasiasten hat, beisteuern. Der Bau wird seit Jahren immer wieder verschoben. Ursprünglich sollte die Halle mal auf dem ehemaligen Brauereigelände an der Bahnhofsstraße errichtet werden. Das ist inzwischen verkauft. Wenn es nach der Stadt geht, dann soll der Kreis die Hauptturnhalle sanieren und erweitern.

Nach dem Bau der Turnhallen müssten viele Schüler nicht mehr durch die halbe Stadt zum Sportunterricht wandern. Zumindest würden sich die Wegezeiten deutlich verkürzen (siehe Infokasten).

Um die Turnhallen sollen Schul- und Sportparks entstehen

Die Auswahl für die Orte zum Bau von Turnhallen basiert auf verschiedenen Überlegungen. So sollen sie zum Beispiel nahe an Schulen stehen, damit die städtische Pflichtaufgabe „Sportunterricht“ gewährleistet werden kann. Zudem sind Schulen oft an zentralen Punkten gelegen und damit gut erreichbar. Am liebsten würde die Stadt Schul- und Sportzentren, genannt „Sportparks“, entwickeln, die viele Leute anziehen. Wenn dann noch andere Angebote wie zum Beispiel Gemeinschaftshäuser, Volkshochschulen, Büchereien, Musikräume und Werkstätten in der Nähe liegen, wären die von der Stadt angestrebten „Zentren des gesellschaftlichen Lebens“ geschaffen.

Diese Turnhallen

sollen abgerissen werden

Trotz des Platzmangels sollen auch vier kleine Turnhallen abgerissen werden. Sie liegen an geschlossenen Schulen oder sehr dezentral. Ihre Sanierung wäre aus Sicht der Stadt nicht zu rechtfertigen. Als erste soll die Halle an der nach Olbersdorf umgezogenen Fröbel-Schule, der ehemaligen 9. POS, in Zittau-Nord geschliffen werden. Die Vereine sind bereits ausgezogen, die Medien getrennt. Sobald die Drei-Felder-Halle im Schliebenschulzentrum steht, kommen die kleinen Hallen der ehemaligen Busch-Grundschule an der Südstraße und – wenn die Burgteichschule in die sanierte Mittelschule an der Schliebenstraße gezogen ist – die an dieser Bildungseinrichtung in West auf den Prüfstand. Die Verwaltung wollte sie eigentlich ohne Wenn und Aber abreißen lassen. Der Stadtrat dagegen setzte durch, dass zuvor Investoren oder Vereinen die Übernahme angeboten werden muss. Als vorerst letzter Kandidat steht die Sporthalle an der Kantstraße zum Abriss. Solange die Schliebenhalle aber nicht steht, wird sie in Schuss gehalten.

Diese Sportstätten

müssen saniert werden

Bei den Sportanlagen gibt es einen Investitionsstau. Im Konzept steht, dass fast alle Hallen und Freianlagen sanierungsbedürftig sind. Nicht dazu gehören auf alle Fälle die erst 2005 eingeweihte Sporthalle des Landkreises am Ottokarplatz sowie die Anlagen in der Weinau, auf dem Kummersberg und im Westpark. Für die anderen gibt es keinen Investplan oder gar eine Prioritätenliste. Das soll die Verwaltung ändern. Dazu kommt, dass etwa zwei Drittel der Sporthallen den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Die Altbauten sind zum Beispiel zum Teil zu klein. Außerdem verursachen viele von ihnen hohe Betriebskosten, die sich negativ auf den Stadt-Haushalt auswirken. Eine erste, größere Sanierung hat die Stadt indes schon angeschoben: Der Platz, die Lauf- und Sprunganlagen des Sport- und Freizeitzentrums (SFZ) Süd sollen in diesem, spätestens im nächsten Jahr saniert werden.

Freiluftanlagen

gibt es in ausreichender Zahl

Der Bedarf an Sportplätzen und Freizeitanlagen ist weitestgehend gedeckt. Zwar liegen sie nicht immer dort, wo sie die Sportler gern hätten, aber rein flächenmäßig gesehen sind es sogar zu viele. Auch dabei gilt genau wie bei den Sporthallen: Die Qualität muss verbessert werden. Auch die Zahl der Groß- und Kleinfeldanlagen wird als ausreichend eingeschätzt. Nur ein paar multifunktional zu nutzende Kleinspielfelder mit Kunststoffbelag wünscht sich die Stadt noch. Dann können die Sportler auch unabhängig von aufgeweichten Plätzen trainieren.

Darüber hinaus soll die Verwaltung das Angebot des Deutschen Fußballbundes, für Kinder und Jugendliche Bolzplätze zu schaffen beziehungsweise den Bau finanziell zu unterstützen, für alle Stadt- und Ortsteile prüfen und gegebenenfalls nutzen.

Das war vorgesehen

und ist schon passiert

Während die Arbeiten für die Ermittlung des Sportstättenbedarfs und die Erstellung des Konzepts seit 2009 liefen, stand die Entwicklung in Zittau natürlich nicht still. In der Zwischenzeit wurden schon einige definierte Ziele abgearbeitet. So ist in der Zwischenzeit das Stadtbad für zehn Millionen Euro saniert und auf den neuesten Stand gebracht worden. Auch die Hirschfelder Schwimmhalle wurde für über eine Million Euro auf Vordermann gebracht und kann von den Schwimmern schon seit knapp einem Jahr wieder genutzt werden. Erst im Herbst wurde das Weinau-Stadion nach mehr als zweijähriger Sanierung wieder an die Sportler übergeben. Vier Millionen Euro flossen in die Anlagen in und um das Stadion, das im Sommer Hauptwettkampfstätte der Leichtathletik-Europameisterschaft der Senioren sein wird.

Das hat sich die Stadt

noch vorgenommen

Die Stadt will Trendsport-Angebote für Senioren entwickeln, um sich als Aktivregion zu präsentieren. Dabei sollen die Umlandgemeinden einbezogen werden. Auch sind neue Skaterstrecken vorgesehen und die Erweiterung sowie die Erneuerung des Radwegenetzes geplant. Dazu gehört zum Beispiel, dass der Fahrradweg von Hirschfelde ins Stadtgebiet und bis zur Hochschule geführt wird. Zudem soll ein Student in einer Praktikumsarbeit ermitteln, wie die Stadt ihre Hallen noch besser auslasten kann und welche Vereine in diesem Zusammenhang fusionieren könnten. Die Stadt will dabei natürlich nicht gegen ihre Vereine arbeiten. Im Gegenteil: Ihre Förderung ist ebenfalls im Konzept verankert.