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Zittau ist raus - und macht trotzdem weiter

Kulturhauptstadt Europas wird 2025 eine andere. Dennoch herrscht Aufbruchsstimmung im Dreiländereck. Und so geht es jetzt weiter:

Traurige Gesichter im Zittauer Bürgersaal, als klar ist: Zittau ist nicht mehr im Kulturhauptstadt-Rennen.
Traurige Gesichter im Zittauer Bürgersaal, als klar ist: Zittau ist nicht mehr im Kulturhauptstadt-Rennen. ©  Rafael Sampedro

Ungläubige Gesichter, Enttäuschung und auch ein paar Tränen: Dass Zittau mit dem Dreiländereck nicht unter den fünf Kulturhaupstadt-Bewerbern auf der Shortlist ist, das hatten bis zum Donnerstagnachmittag wohl die wenigsten erwartet.

Es ist kurz nach 14 Uhr, als Sylvia Amann, die Leiterin der Kulturhauptstadt-Jury, auf der Pressekonferenz in Berlin den fünften und letzten Umschlag öffnet - und wieder den Namen einer anderen Stadt vorliest. Es ist der Moment, in dem feststeht: Zittau ist raus. Im Bürgersaal des Rathauses, in dem über 100 Einwohner die Live-Übertragung der Pressekonferenz verfolgen, herrscht in dieser Sekunde ungläubiges Schweigen. 

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"Das kann doch nicht möglich sein!" Birgit Kaiser ist die erste, die die Schockstarre durchbricht. Die langjährige Chefin der Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft macht aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl, als sie sagt, was alle denken: "Das ist wirklich bitter." Anja Nixdorf-Munkwitz, die Geschäftführerin der Stiftung Kraftwerk Hirschfelde, ist richtig zornig: "Es ist eine verfehlte Chance, die einzige Stadt, die sich getraut hat, ihre Bürger zu fragen, nicht in die zweite Runde zu schicken", sagt sie. Selbst Zittaus AfD-Jörg Domsgen, bekennender Gegner der Zittauer Kulturhauptstadt-Bewerbung, will sich in diesem Moment nicht freuen: "Es hat ja einen eindeutigen Bürgerentscheid gegeben, und es hat bis hierher wirklich sehr viel gute Arbeit in der Bewerbung gesteckt. Das muss man auch anerkennen", sagt er.

Betroffenheit herrscht in diesem Moment auch bei den Mitgliedern des Kulturkonvents, der gerade zu einer Sitzung in Görlitz zusammensitzt und die Entscheidung am Fernseher verfolgt. „Die Jury hat sich für die urbanen Zentren entschieden, das ist traurig“, sagt Landrat Bernd Lange (CDU). Und kritisiert, dass nicht eine der ausgewählten Städte eine Grenze hat. „Das ärgert mich“, sagt er. 

Enttäuschung weicht der Aufbruchstimmung

Doch schnell weicht die Enttäuschung des ersten Moments der großartigen Aufbruchstimmung, die in den letzten Monaten von Zittau aus in die Region getragen worden ist. "Wir werden jetzt zwar nicht Kulturhauptstadt", sagt Jürgen Wegerich vom Freundeskreis, "aber wir sind und bleiben die Kultur-Herz-Stadt." Jetzt erst recht!

Auch Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) sagt: "Wir lassen den Kopf nicht hängen". Er schreibt aus Berlin: „Die Entscheidung schmerzt, aber wir sind auch sehr stolz, haben wir doch eine neue Qualität von Unterstützung und bei sehr vielen Menschen, Organisationen und Kommunen regelrechte Begeisterung dafür erlebt, so etwas Großes gemeinsam zu stemmen. Dafür sind wir sehr dankbar." Gleich nach der Pressekonferenz schickt das Zittau-Team eine Videobotschaft: Aus der Kulturhauptstadt wird die KulturHERZstadt. 

Viel Kraft hatte die Zittauer Bewerbung  durch ein großes bürgerschaftliches Engagement gewonnen, das die Bewerbungsphase begleitet hatte. „Wir hoffen sehr, dass auch ohne den Wettbewerb möglichst viel von dieser Kraft erhalten bleibt", sagt  Thomas Zenker. Auch deshalb sei das Vorhaben  jeden Aufwand wert gewesen.

Und so geht es jetzt weiter

Der ganze Aufwand war auch nicht umsonst: An den Inhalten und Strategien der Zittauer Bewerbung soll weiter festgehalten werden. Die gemeinsame Kulturraumkonferenz der gesamten Euroregion wird im Februar planmäßig in Liberec (Reichenberg) stattfinden, teilt die Stadtverwaltung mit. Das Projekt „Grenzland - Transition Europe“, ein Ausstellungskonzept vom Niveau einer Landesausstellung, das die Geschichte der Region aus vier Perspektiven gleichzeitig erzählt, werde genauso Ziel bleiben wie die Idee  einer Brücke am Dreiländerpunkt als Ort für kulturelle Großveranstaltungen. 

Und auch an der geplanten Entwicklung der Infrastruktur wird weiter gearbeitet. Schon von Beginn der Bewerbungsphase an hatte Thomas Zenker stets betont, dass die Vorhaben und Projekte, angefangen vom Straßen- und Radwegebau, über Sanierungsprojekte bis hin zum Ausbau des ÖPNV ohnehin angegangen werden müssen. Auch Landrat Bernd Lange bekräftigt das: „Zittau ist und bleibt der Mittelpunkt Europas", sagt er. "Wir wollen die bereits gestarteten Projekte weiterhin mit ganzer Kraft voranbringen und die besondere Rolle der Stadt im Dreiländereck in den Fokus der Öffentlichkeit rücken." 

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