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Zittau tanzt durchs Rathaus

Ball. Die erste Zittauer Ballnacht war ein Erfolg: 250 Gäste tanzten im Rathaus durch die Nacht. Im nächsten Jahr gibt es eine Neuauflage des Balls.

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Von Thomas Christmann

Ein volles Haus, was will man mehr“, sagt sich Rainer Hampel. „Es scheint so, dass die Bürger regelrecht darauf gewartet haben“, gibt er sich erstaunt. Da liegt hinter dem Rektor bereits das Vergnügen, mit der Frau des Zittauer Oberbürgermeister getanzt zu haben: „Eigentlich bin ich ja ein Tanzmuffel, aber zu so einem Anlass muss man einfach tanzen.“ Hampel musste an diesem Abend „fremdgehen“: Seine Frau kuriert eine Verletzung aus und konnte das Tanzbein nicht schwingen.

Bedürfnis nach Bällen besteht

Zusammen mit dem Rektor wiegten sich Sonnabendnacht im Zittauer Rathaus 250 Gäste im Walzertakt oder zu schnelleren Rhythmen. Zum ersten Mal hatten sich die Stadt Zittau und die beiden Hochschulen der Stadt zusammengefunden. Der Bürgersaal war zu einer großen Tanzfläche umgestaltet worden. Die Klangfarben-Big-Band spielte auf. Im Freundschaftssaal wiederum bot das Theater ein Programm. Damit die rechte Ballatmosphäre entstehen konnte, gab es auch in den Gängen das entsprechende Ambiente mit Cocktail-Bar und Ball-Beleuchtung.

Über die Initiative für diese Ballnacht freute sich auch Zittaus Theaterintendant Roland May. Der hat als Veranstalter zwiespältige Erfahrungen mit Bällen gemacht und mittlerweile den Theaterball abgeschafft. „Damals gaben wir den Anschub, aber ein Ball gehört nicht zum Theater.“ Zumal das Rathaus aus seiner Sicht viel besser dafür geeignet sei. Völlig unabhängig von seinen eigenen Tanzkünsten. Die wollte er nicht unter Beweis stellen, da konnte sich seine Marketingleiterin Maja Niedernolte noch so sehr in der Überredungskunst üben. „Wenn es ein bisschen poppiger zugehen würde, wäre ein offener Tanz drin, aber so bin ich doch eher ein Tanzmuffel“, gestand der Theatermann ein. Auch Matthias Kramer vom Internationalen Hochschulinstitut hielt sich ein wenig zurück: „Ich trete schon so genug Leuten auf die Füße, da brauche ich das nicht noch beim Tanzen zu tun.“

Gleichwohl waren das Einzelfälle an diesem Abend, der nicht zuletzt auch auf einen Trend zu reagieren versuchte. Denn die Tanzschule in Zittau beispielsweise kann sich vor Interessenten kaum retten. Auch Wiepke Steudtner, Frau für die Kultur im Zittauer Rathaus, war das aufgefallen, sodass sie sich gern in die Organisation des Abends gestürzt hatte. Mit Erfolg, glaubt sie: „Die Stimmung der Ballgäste zeigt, dass das Interesse da ist. Toll ist es auch, dass so viele junge Leute hierher finden.“

OB will Neuauflage

Einige sahen das anders. Zum Beispiel Matthias Kramer, Professor am Internationalen Hochschulinstitut. „Vielleicht schreckt der Begriff Stadtball sie einfach ab“, machte er sich so seine Gedanken und glaubte doch fest daran, dass damit eine neue Hochschultradition begründet wird. „Mit dem Ball kann man Leben in die Stadt bringen, und die Hochschule profitiert davon.“ Das empfand Zittaus Oberbürgermeister Arnd Voigt genauso. Den ganzen Abend über war er mit seiner Frau auf der Tanzfläche zu finden, schwelgte in Erinnerungen an seine Jugend, als er seine Frau beim Tanzen im Volkshaus kennenlernte. Und selbst, wenn in nicht allzu ferner Zeit auch wieder Bälle in dem Zittauer Kronensaal stattfinden könnten, hält Voigt am Rathaus als Ort für diesen Ball fest: „Der Rathausball soll etwas Einmaliges und Besonderes im Jahr bleiben“.S.20/Auf ein Wort