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Zittauer Inselleben

Die Uhreninsel hat ihren Namen vom ansässigen Geschäft. Doch hier wurden seit mindestens 1886 noch viele andere Dinge verkauft.

Von Rolf Hill

Es hat schon etwas Geheimnisvolles, dieses markante Gebäude an der Baderstraße 19, den Zittauern seit eh und je besser als die „Uhreninsel“ bekannt. Seit wann es sich hier, am unmittelbaren Südrand der historischen Innenstadt, befindet, ist nicht bekannt. „Die älteste bekannte Erwähnung ist eine Skizze aus dem Jahre 1632. Damals war das Grundstück aber bereits bebaut“, bestätigt Gunnar Maßlich, der heutige Besitzer. Gemeinsam mit seiner Ehefrau betreibt er das seit 1990 im Erdgeschoss ansässige Uhren- und Schmuckgeschäft, dem das sonderbare Haus letztlich seinen Namen verdankt. Es müsse wohl in seiner Jahrhunderte währenden Geschichte tatsächlich mehrfach eine Insel im wahrsten Sinne des Wortes gewesen sein, berichtet Gunnar Maßlich. Ihm sei bekannt, dass die Mandau vor ihrer Regulierung im Jahre 1897 auf Betreiben Richards von Schlieben regelmäßig Hochwasser führte, in dessen Folge die Breite Straße unter Wasser stand. Die habe man da mitunter sogar mit dem Boot befahren können.

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Erneut tut sich dann eine erhebliche historische Lücke auf. Das stellte auch der damalige Zittauer Student Norman Woorth fest, der sich 2001 anlässlich einer Belegarbeit mit dem Gebäude befasste. Die nächsten ihm zur Verfügung stehenden Quellen stammten nämlich erst aus dem Jahre 1863. Diese weisen einen Lehrer Carl Heinrich Fabian als damaligen Besitzer aus. Seine heutige Form erhielt es wohl gar erst um 1894. Allerdings ist davon auszugehen, dass die altehrwürdigen Mauern seit mindestens 100 Jahren Handwerk, Handel und Gewerbe beherbergen. Und das bis zum heutigen Tag. Dabei wechselten die Gewerke wohl ebenso oft wie die jeweiligen Besitzer. Obwohl der Zahn der Zeit schon gewaltige Spuren hinterließ, kann man noch heute Zeugen dieser Vergangenheit an der Fassade finden. Entsprechend der jeweiligen Nutzung erfolgten dann folgerichtig auch An- und Umbauten. So wechselten sich immer wieder Gewerberäume mit Verkaufs- und Wohnräumen ab, wobei das dann mitunter auch umgekehrt passierte. Es würde hier zu weit führen, auf alle Einzelheiten einzugehen. Deshalb nur ein kleiner Ausschnitt aus der Palette.

Seit 1886 betrieb hier Theodor Jährich einen Handel mit Glas- und Porzellanwaren. Dieser wurde dann auf Lampen, Keramik, Steingut und Ähnliches erweitert. Bis Ende des 19. Jahrhunderts betrieb seine Frau Auguste Luise das Geschäft fort – erweitert um diverse Luxusartikel. In einigen Aufzeichnungen ist sogar von einer Musikautomaten- und Pianofortehandlung die Rede. 1902 taucht erstmals in einem Werbeblatt der Name Carl Beer als Besitzer des Glaswarenladens auf. 1910 wurde das Grundstück an den Barbier Hugo Emil Stephan veräußert. Auch dieser ließ in den folgenden Jahren mehrere Um- und Ausbauten ausführen. So entstanden zum Beispiel mehrere kleine Ladenräume zur Vermietung. Sie wurden als Kolonialwarengeschäft und Schuhwarenhaus mit Reparaturwerkstatt genutzt. 1924 taucht als Besitzer ein Arthur Küchenmeister auf. In dessen Eigentum sollte das Gebäude schließlich bis Kriegsende verbleiben. Er selbst betrieb an der Bahnhofstraße einen Konservenhandel und hatte die Gewerberäume seines Hauses an die Stoffhändler Röthig & Folprecht vermietet.

Die nächsten nachweislichen Unterlagen fand Norman Woorth erst aus dem Jahre 1963. Damals wurden auf der „Insel“ Rundfunk- und Fernsehgeräte instand gesetzt. 1978 erfolgte dann durch den damaligen VEB Dienstleistungsbetrieb Zittau der Ausbau einer Uhrenwerkstatt, deren Leitung der gerade mal 26 Jahre alte Gunnar Maßlich im Jahre 1984 übernahm. Und er blieb sowohl diesem Gebäude als auch dem Handwerk selbst treu. Nach der Wende, genauer gesagt 1990, wollte das DLB die Räume selbst nutzen und die Uhrenreparatur abwickeln. Trotzdem konnten Gunnar Maßlich und sein Werkstattmeister gegen den Widerstand der Betriebsleitung ihre Pläne durchsetzen. So erfolgte nach mancherlei Querelen die Gründung der Uhren und Schmuck Zittau GmbH.