merken
PLUS

Zittauer Köchin wird 100 Jahre alt

Charlotte Seifert kam in den 1950er Jahren nach Görlitz und arbeitete in der „Drehscheibe“. Nun hatte sie ihr großes Jubiläum.

Von Ingo Kramer

Die Gastronomie war Charlotte Seifert schon in die Wiege gelegt. „Mein Vater war Kellner, die Mutter Köchin“, erzählt die gebürtige Zittauerin. Sie selbst ging mit 18 Jahren bei einer Gastwirtschaft im damaligen Lauban (heute Luban/Polen) in Stellung: „Da habe ich kochen gelernt.“ Und auch, als sie dank eines beruflichen Wechsels ihres Mannes in den 1950er Jahren nach Görlitz kam, blieb sie der Branche treu und fing in der „Drehscheibe“ am Brautwiesenplatz am Ausschank an. „Buffetöse“ nannte sich dort ihre Berufsbezeichnung. Bis zur Rente 1974 blieb sie in der „Drehscheibe“. Gewohnt hat sie rund 50 Jahre lang in der Maxim-Gorki-Straße.

Anzeige
Wie leben Familien in Sachsen?
Wie leben Familien in Sachsen?

Die große Umfrage zur Familienzufriedenheit geht in eine neue Runde. Jede Antwort zählt!

Nun konnte Charlotte Seifert im ASB-Alten- und Pflegeheim am Grenzweg in Rauschwalde ihren 100. Geburtstag begehen. Dass sie einmal so alt wird, hätte sie nicht gedacht. „Meine Eltern sind beide mit etwas über 70 Jahren gestorben“, erinnert sie sich. Auch ihr einziger Bruder Otto erreichte ein ähnliches Alter und starb 1989. Nur eine Tante von Charlotte Seifert ist zumindest 90 Jahre alt geworden.

Heute gehört die Jubilarin zu den ältesten Görlitzern. Derzeit leben in der Stadt weitere 21 Menschen, die ihren 100. Geburtstag schon gefeiert haben. Charlotte Seifert geht es noch ganz gut, sie hat keine schweren Krankheiten, kann selbstständig essen und trinken und mit Hilfe ihres Rollators im Gang hin- und herlaufen. Nur das Hören bereitet ihr große Probleme und manchmal auch die Erinnerung. Das aber nimmt einer 100-Jährigen niemand übel.

Gestern zum Geburtstag hat ihr der Bewohnerchor ein Ständchen gesungen. Sie durfte sich ein Lied aussuchen und entschied sich für „Wenn alle Brünnlein fließen.“ Am Nachmittag kam dann die Familie zu Besuch, allen voran Enkeltochter Andrea Rolof (45), die ihre Oma sieben Jahre lang bei sich zu Hause in Rauschwalde gepflegt hat, bevor sie sie schließlich im Februar 2011 ins Heim geben musste. Die beiden Töchter von Charlotte Seifert können die Pflege nicht übernehmen: Die eine ist schon 1991 gestorben, die andere ist selbst schon 80 Jahre alt und lebt in Bremen. Und Charlotte Seiferts Ehemann Heinz, mit dem sie 42 Jahre verheiratet war, ist bereits 1980 gestorben. Stattdessen gehören heute zwei Enkel und fünf Urenkel zur Familie.

Doch auch im ASB-Heim geht es der Jubilarin gut: „Das Essen schmeckt immer“, sagt sie. Zum Glück kann sie noch alles essen und trinken, gern auch Kaffee. Manchmal spielt sie mit den anderen Mensch-ärgere-dich-nicht oder lässt sich von der Enkelin im Rollstuhl raus in die Sonne fahren. Warum sie so alt geworden ist, weiß sie nicht so recht. Geraucht hat sie nie, getrunken nur zu Feiern. Vielleicht lag es an der einfachen Ernährung: „Morgens habe ich immer gerne Mehlsuppe gegessen.“