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Zittauer Praktiker ist dicht

Am Mittwoch ist das Licht im Baumarkt ausgegangen. Den Mitarbeitern droht nun die Arbeitslosigkeit.

© SZ Thomas Knorr

Von Mario Heinke

Am Mittwoch um elf Uhr ist der letzte Vorhang gefallen. Der Praktiker Baumarkt im Pethauer Gewerbegebiet ist endgültig für den Kundenverkehr geschlossen worden. Es war ein Ende mit Ansage: Nach dem Insolvenzantrag im Juli war am 1. Oktober das Insolvenzverfahren für die Baumarktketten Praktiker und Max Bahr eröffnet worden.

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Noch am Dienstag konnte sich der Zittauer Baumarkt vor Kunden kaum retten. Der Parkplatz vor dem Markt war voll belegt. Die Schnäppchenjäger waren in ihrem Element und schlugen noch einmal zu. Im Innern herrschte eine Atmosphäre wie auf einem Basar – es gab nur noch Restbestände auf verstreut abgestellten Paletten und gähnend leere Regale. Dazwischen die Angestellten in ihren gelben Praktiker-Poloshirts. Es wurde geschrieben, gezählt und verhandelt. Alles muss raus, brüllten bunte Schilder in großen Lettern an jeder Wand. Das ist zum großen Teil auch gelungen. Die kalte Leere wirkte gespenstisch. Mit Rabatten bis zu 80 Prozent und mehr sollen die letzten Posten verramscht, verschenkt oder entsorgt worden sein. Kritiker nennen das Geldverbrennung. Verantwortlich für die Abverkaufs-Werbestrategie ist aber nicht die Praktikerkette selbst, sondern die Beratungsfirma Gordon Brothers, die von Insolvenzverwalter Christopher Seagon engagiert wurde, um die Rabattschlacht zu organisieren – für teures Geld, so erfuhr es die SZ auch mit Blick auf andere Praktiker-Märkte.

Bis zum Beginn des Räumungsverkaufs Mitte August und auch darüber hinaus hatten einige Mitarbeiter des Zittauer Praktiker-Baumarktes noch die Hoffnung, dass es am Standort Zittau irgendwie weitergeht. Auch Marktleiter Gerd Noatsch war sich damals noch ziemlich sicher, dass sich ein Investor für den Zittauer Markt findet. Diese Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Am Dienstag erklärte Noatsch, dass er nach wie vor keinerlei Informationen habe, ob und wie es weitergeht.

Zwischen 45 und 50 Mitarbeiter sind beim Zittauer Praktiker beschäftigt gewesen, ein Teil von ihnen als geringfügig Beschäftigte. Die gegründete Auffanggesellschaft für die Mitarbeiter überbrückt jetzt maximal sechs Monate, je nach Länge der Betriebszugehörigkeit. Danach droht den Kollegen die Arbeitslosigkeit. Noatsch ist 20 Jahre dabei, für ihn sind die sechs Monate drin. Die meisten Kollegen werden eher gehen müssen.

Sollte wider Erwarten doch noch ein Investor auf den Plan treten, müsste das schnell geschehen. Die gesetzliche Frist zur Übernahme des Personals liegt bei einem Betriebsübergang bei 100 Tagen. Anschließend ist ein Investor nicht mehr verpflichtet, das Personal zu übernehmen. Das Ende scheint endgültig. Auskünfte zu einzelnen Standorten können derzeit nicht gegeben werden, da der Investorenprozess noch nicht beendet sei, lässt der Insolvenzverwalter Christopher Seagon erklären.

Für Zittauer Hobbygärtner und Heimwerker bleibt nun noch toom im Humboldt-Center als einziger Baumarkt in der Stadt. Zu Obi, Hornbach, Baufuchs und Co. dies- und jenseits der Grenze gelangt man nur noch mit dem Auto. Die Stadt Zittau verliert mit dem Praktiker-Baumarkt einen großen Anbieter.