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Zittauer Theater bekommt doch einen Intendanten

Das Ensemble soll schon 2013 um drei Schauspieler verkleinert werden. Die vorgezogene Einsparung sorgt für Verärgerung.

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Von Jan Lange

Die Rahmenbedingungen für das Gerhart-Hauptmann-Theater mit seinen beiden Standorten Görlitz und Zittau werden sich schon ab der nächsten Spielzeit deutlich ändern. So sehen es jedenfalls die Pläne von Theatergeschäftsführer Caspar Sawade vor. Dieser will vor allem in Zittau mit dem Sparen anfangen. Aber auch der Görlitzer Standort bleibt nicht verschont. So sollen als Teil des Sparkonzeptes Mitarbeiter von Görlitz nach Zittau umgesetzt werden. Wie viele und welche, ist noch unklar.

Schon im nächsten Jahr soll die Zahl der Schauspieler in Zittau reduziert werden. Die Entscheidung, wann das Sparkonzept umgesetzt wird, liege laut Sawade in der alleinigen Verantwortung der Theaterleitung. Er selbst will die Sparvorgaben bereits nächstes Jahr in wesentlichen Teilen umsetzen. Zeit bleibt dafür eigentlich bis 2016.

Für das Zittauer Theater bedeutet dies vor allem, dass das Ensemble künftig neun statt zwölf Schauspieler umfasst und nur sechs eigene Inszenierungen auf die Bühne gebracht werden. Die Verwirklichung des Sparkonzeptes wird dadurch erleichtert, dass dem bisherigen Intendanten Carsten Knödler einige Schauspieler nach Chemnitz folgen. Nicht alle freiwerdenden Stellen sollen neu besetzt werden.

Geld sparen will Sawade auch dadurch, dass an der Spitze des Zittauer Theaters künftig nur noch ein Schauspieldirektor statt eines Schauspielintendanten stehen soll. Das bringt Jürgen Kloß auf die Palme. Der ehemalige Zittauer Oberbürgermeister, der im Aufsichtsrat des Theaters sitzt, will das nicht akzeptieren. Er befürchtet, dass damit ein weiterer Schritt zum Abbau des Zittauer Ensembles vollzogen wird. Mit einem offenen Brief hatte er sich an seinen Parteifreund Landrat Bernd Lange gewandt. Dieser hat inzwischen Kloß zugesichert, dass es in Zittau auch künftig einen Schauspielintendanten geben wird.

Damit dürften die Befürchtungen der Mitglieder des Theaterfördervereins vom Tisch sein, dass der neue Zittauer Schauspielchef gegenüber seinem Vorgänger Kompetenzen verliere. So könne der neue Mann beispielsweise nicht mehr an den Aufsichtsratssitzungen teilnehmen, hatte Jürgen Kloß argumentiert. Dem hatte allerdings bereits Michael Wieler, Görlitzer Bürgermeister und Vorsitzender des Aufsichtsrates widersprochen.

Auch wäre es missverständlich gewesen, die Stelle eines Schauspielintendanten auszuschreiben, erklärte Wieler. Denn der neue Theaterchef in Zittau übernehme nur die Aufgaben eines Direktors. Carsten Knödler habe laut Wieler keinen Intendantenvertrag, sondern nur einen Direktorenvertrag.

Die Begründung des Aufsichtsratschefs findet Knödler komisch. „Warum soll ein Zustand, der vorher Jahre gegolten hat, plötzlich in einer Ausschreibung nicht mehr tauglich sein“, stellt der Zittauer Intendant Wielers Aussagen infrage. Knödler habe immer betont, dass das Aufgabenfeld und der Aufgabenumfang des Zittauer Schauspielchefs weit über den eines Spartenleiters hinaus geht.

Gerade für die Partner in Tschechien und Polen ist ein Intendant ein ganz anderer Gesprächspartner als ein Direktor, findet Knödel. Und die trinationale Zusammenarbeit werde für den künftigen Zittauer Theaterleiter eine wichtige Aufgabe sein. „Wenn es für Zittau so wichtig ist, dann kann der neue Leiter den Titel eines Schauspielintendanten tragen. Ich finde das schnuppe“, meint Michael Wieler. Rechtlich sei dies möglich, erklärt Caspar Sawade. Die genauen Aufgaben wie auch die Bezahlung des künftigen Zittauer Theaterleiters werden laut Sawade erst in den Bewerbungsgesprächen endgültig geklärt.