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Zittauer Wappen vereint böhmischen Löwen und schlesischen Adler

Serie. Wappen und Siegel sind hoheitliche Zeichen für die Städte undGemeinden. Aber wassagen sie aus? Heute: Das Zittauer Prunkwappen.

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Von Heinz Morche

Über eine Amtskette verfügt der Oberbürgermeister als höchster Repräsentant der Stadt nicht, dafür aber über ein „Prunkwappen“. Das prangt nicht nur auf Briefbögen, sondern auch auf zwei Fahnen in den Farben der Stadt, rot und weiß. Die große, die nur zu besonderen Anlässen „hervorgeholt“ wird, befindet sich an ihrem „Ehrenplatz“ im Bürgersaal des Rathauses, eine zweite, in Mini-Ausführung, am Arbeitsplatz des Stadt-Chefs.

Das heutige Stadtwappen entstand nach 1890 im Zusammenhang mit der vom Deutschen Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm ausgelösten Reform, wonach alle Städte ihre Wappen überarbeiten mussten. Das „einfache“ Zittauer Vier-Feld-Wappen hat im Herzschild ein silbernes „Z“ auf rotem Grund, im ersten und vierten Feld den gekrönten silbernen böhmischen Löwen auf ebenfalls rotem Grund und im zweiten und dritten Feld, diagonal zum Löwen, den schwarzen schlesischen Adler auf goldenem Grund.

Das Besondere des Prunkwappens aber besteht im „Adlerflug und Helm“ über dem Wappen und den das Wappen umgebenden Schmuckelementen. Seine Nutzung oder Veröffentlichung bedarf jedoch eines gesonderten Ratsbeschlusses. Wie Manfred Durand, Zittauer Heimatforscher, versichert, wird das hiesige Stadtwappen von Kennern und auswärtigen Gästen außerordentlich geschätzt, weil seine historische Entwicklung eng mit der Geschichte der Stadt verbunden ist. Zur Gründungszeit der Stadt gab es weder ein offizielles Siegel noch ein einheitliches Wappen. Das erste Siegel mit dem Namen unserer Stadt entstand erst 1310 durch Heinrich von Leipa, als die Stadt sich allerdings noch als „Sittavia“ bezeichnete. Erst im Laufe der Jahrhunderte wurden die Siegel zu einem Wappen zusammengefasst, die sich in ihrer Form und Gestaltung mehrfach änderten.

Besonders schön und interessant war vor allem das Zittauer „Barockwappen“, das bis 1894 Gültigkeit hatte und neben Schmuckelementen bereits alle drei Wappenbilder enthielt. Das erste Wappenbild ist ein „Z“, das man urkundlich nicht nachweisen kann. Vermutlich gab sich dieses die Stadt selbst, oder es wurde von Ottokar verliehen. Man nimmt an, dass dieses „Z“ aus dem tschechischen Wort „zito“ (Getreide) herrührt. Denn im 13. Jahrhundert war die Stadt Zittau mit fruchtbarem Getreide umgeben, und das nach der Stadtgründung von 1255 entstandene Wappen zeigt 15 Jahre danach ein Wappen mit einer Getreidegarbe über dem Helm und Schild. Ein konkreter Nachweis zum „Z“ für Zittau gelingt erst ab 1433 mit dem Siegel des Bischofs von Gardar, der während des Hussitenkrieges als Prager Domherr nach Zittau floh und hier 1476 starb. Der böhmische Löwe mit der Krone widerspiegelt die 500-jährige Zugehörigkeit der Stadt zum Königreich Böhmen, das zwecks besserer Unterscheidung zu anderen seinen Löwen zweischwänzig gestaltete. Da dieser aber schon in Schwaben, Württemberg, Mailand und in der Lombardei als Wappentier existierte, wurde der böhmische Löwe zweifarbig dargestellt, während heute der böhmische bzw. tschechische Löwe nur noch einfarbig weiß ist.

Das dritte Wappenbild ist der schlesische Adler, erkennbar an der durchgehenden Brustspange. Er wurde der Stadt 1338 vom schlesischen Herzog Heinrich von Jauer verliehen, der von 1319 bis 1346 die Lehnsherrschaft über Zittau als „Heiratsgut“ von König Johann besaß. Der schlesische Adler war ein „Geschenk“ und Ausdruck des Dankes an die Zittauer, die am Feldzug des Herzogs und an der Zerstörung der Raubburg „Tollenstein“ teilgenommen hatten.