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Zittauer Zeitarbeit

Die Uhreninsel gibt es nicht erst seit 1990. Doch vor 25 Jahren hat sich hier Entscheidendes verändert.

© Rafael Sampedro

Es gibt wohl kaum einen echten Zittauer, der mit dem Begriff „Uhreninsel“ nichts anzufangen weiß. Dazu tragen sowohl die besondere Lage des Gebäudes am Rande des historischen Stadtkerns als auch dessen langjährige Handels- und Handwerkstraditionen bei. Wenngleich diese mitunter wechselten, sodass das Haus seinen bekannten Namen eigentlich erst seit 1978 verdient. In diesem Jahr hatte der VEB Dienstleistungsbetrieb (DLB) Zittau hier mit dem Aufbau einer Uhrenwerkstatt begonnen.

Gunnar Maßlich, der heutige Inhaber und damit Hausherr im wahrsten Sinne des Wortes, erinnert sich. „Es war 1984, kurz vor dem Ende meines Studiums im Fach Maschinenbau. Die Abschlussarbeiten standen unmittelbar bevor. Da wurde ich mit gerade mal 26 Jahren hier als Bereichsleiter eingesetzt. Das war natürlich eine Umstellung von der großen Mechanik auf die kleine Präzisionstechnik.“

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Und außerdem war er nun Chef von teilweise über 20 Mitarbeitern. Allein 15 von ihnen waren ausgebildete Uhrmacher. Die reparierten Tausende Uhren der Kunden aus einem riesigen Einzugsgebiet mit verzweigtem Netz von Annahmestellen. Über Mangel an Arbeit konnte man sich nicht beklagen. Doch schließlich warfen auch hier die kommenden Ereignisse ihre Schatten voraus.

So begannen Gunnar Maßlich und Werkstattleiter Hartmut Jung im Juni 1990 auf eigenes Risiko, und mit Kenntnis und stillschweigender Duldung weniger Vertreter der Betriebsleitung, in den Räumen „Westware“ im Wert von mehreren Tausend D-Mark einzulagern. Schließlich wollten sie pünktlich zur Währungsunion mit deren Verkauf beginnen können. Doch da hatte die Treuhandgesellschaft schon das weitere Schicksal des Dienstleistungsbetriebes besiegelt. So erhielten alle Mitarbeiter bereits zum 5. Juli ihre Kündigung.

In dieser Situation wagten Gunnar Maßlich und Hartmut Jung den sprichwörtlichen Sprung ins kalte Wasser. „Um die Werkstatt zu retten, kauften wir sie als Teil der Abwicklungsmasse des Gesamtbetriebs von der Treuhand“, berichtet er. „Mit dem 1. August 1990 meldeten wir das Gewerbe an.“ In den bisherigen, nun privat gemieteten Räumen hatte ab sofort die „Uhren und Schmuck Zittau GmbH“ ihren Sitz. Ganz problemlos war das nicht, da die Betriebsleitung hier den Bereich Foto unterbringen wollte, der später nur wenige Schritte weiter zu Folprecht kam. Damit waren aber die Verhandlungen über den Kaufpreis für die Werkstatteinrichtung noch immer nicht abgeschlossen. Bereits im Juni hatte der DLB einen Schätzer geschickt, der den Auftrag hatte, förmlich jedes kleinste Teilchen und jeden Bleistift zu erfassen. Erst am 7. August einigten sich die Parteien auf einen fünfstelligen Kaufpreis. 1992 gelang es dann schließlich, auch das Gebäude selbst zu kaufen. Das bot zwar Sicherheit für das Geschäft, war aber andererseits auch mit neuen Belastungen verbunden. Der Zahn der Zeit hatte in den vergangenen Jahrhunderten doch deutliche Spuren hinterlassen. Die konnten trotz großzügiger Förderzusagen durch Stadt und Denkmalschutz bisher noch nicht im Zuge einer umfassenden Rekonstruktion beseitigt werden.

Nach dem altersbedingten Ausscheiden seines Partners Hartmut Jung im Jahre 2009 führen Gunnar Maßlich und seine Ehefrau Gabriela die Firma als Einzelunternehmen weiter. Unterstützt werden sie dabei durch die gelernte Graveurin Ulrike Klugner. Auch der Senior legt bei komplizierten Reparaturen, besonders an historischen Uhren, gern noch mit Hand an.„Inzwischen haben die aber stark abgenommen“, räumt der 58-jährige Geschäftsinhaber ein. „Das beschränkt sich nun mehr auf den Wechsel von Batterien, Gläsern, Armbändern oder kompletter Uhrwerksbaugruppen.“ Größeren Raum nimmt nun der reine Verkauf ein. Das betrifft neben Uhren aller Art und Größe zunehmend Pokale, Geschenkartikel, Gravuren sowie den Schmuck. Hier sei der Wandel des Geschmacks im Laufe der vergangenen 25 Jahre für ihn besonders sichtbar geworden, sagt Gunnar Maßlich.

Natürlich sei die Lage so abseits vom Zentrum nicht gerade förderlich für das Geschäft. Die nun schon länger andauernden Bauarbeiten tun ein Übriges, um die teilweise Isolation noch zu verstärken. Trotzdem denkt das Ehepaar Maßlich auch nach 25 Jahren mit Höhen und Tiefen längst nicht ans Aufgeben. Das Ziel lautet: wenigstens bis zur Rente und möglichst noch ein paar Jahre länger.

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