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Zittaus bekannteste Sackgasse kommt ins Fernsehen

Kabel 1 dreht einen Beitrag vom Schildbürgerstreich an der Oderwitzer Straße und fährt ins Nirgendwo.

Von Holger Gutte

Kurz nach acht Uhr an der B 96 in Zittau. Vorsichtig und neugierig fahren an der Oderwitzer Straße die Autofahrer vorbei. Zwei Stative für Kameras stehen hinter einem Baum in Richtung Ortsausgang. Die meisten vermuten wohl eine Geschwindigkeitskontrolle. Doch die Geräte sind nur abgestellt. Wenige Minuten später dreht hier ein Kamerateam von Kabel 1 für das Magazin Focus TV.

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© SZ Thomas Knorr

Hauptdarsteller ist SZ-Fotograf Thomas Knorr. Sein Foto in der Zittauer Lokalausgabe am 4. November vom Schildbürgerstreich an der Oderwitzer Straße sorgte auch in anderen Medien für Schlagzeilen. Die Oderwitzer Straße endet nach knapp 70 Metern im Nirgendwo. Und das schon seit Anfang der 1990er Jahre. Keiner braucht sie. Kaum einer glaubt daran, dass sie mal bis nach Mittelherwigsdorf führt. Trotzdem ist sie jetzt markiert worden.

Hendrik Rack schüttelt sofort den Kopf, als er in der Online-Ausgabe der SZ am Computer das Foto in der Zittauer Lokalausgabe sieht. Der Redakteur von Focus TV in München sucht genau solche Aufreger für seine Sendung. „Die unsinnigsten Verkehrswege Deutschlands“ zeigt er hier den Fernsehzuschauern auf Kabel 1. Die Oderwitzer Straße passt da genau rein.

Für SZ-Fotograf Thomas Knorr eine ungewohnte Rolle. Diesmal steht er auf der anderen Seite der Kamera. „Hallo Herr Knorr. Guten Morgen. Ist ja schon ganz schön frisch in Zittau“, begrüßt ihn „Kabel 1“-Reporterin Kathy Weber. Immer und immer wieder wird die Einstellung wiederholt, laufen die beiden von der Hörnitzer auf die Oderwitzer Straße zu.

„Ich würde sagen, eher ein Witz als die Oderwitzer Straße ist das hier“, sagt sie. Und der SZ-Fotograf erzählt ihr vor der Kamera die Geschichte, wie es zu dem Foto kam. Die Neugier der vorbeifahrenden Autofahrer nimmt immer mehr zu. Das Kamerateam fällt auf. Symbolisch stellt die Reporterin den „Stein des Anstoßes“, der in der Sendung an die Sündenböcke ihrer Beiträge übergeben wird, an die Straße. Diesmal gibt es nämlich keinen. „Alle Beteiligten schieben sich ja die Schuld gegenseitig zu“, sagt Hendrik Rack. 9.45 Uhr ist Thomas Knorr erlöst. Die Aufnahmen mit ihm sind im Kasten. Nicht aber für den Beitrag.

Das Fernsehteam macht sich auf zur Bautzner Straße in Zittau. Kathy Weber soll als Fahrschülerin von hier aus zur Oderwitzer Straße fahren. Dafür haben sich die Fernsehleute an die Fahrschule Baudisch gewandt. Ronald Baudisch macht das Spiel mit. Bis 11.15 Uhr wird ein Skoda seiner Fahrschule für die Dreharbeiten ausgerüstet. Links und rechts auf dem Armaturenbrett sind Kameras installiert. Versteckt werden beim Fahrlehrer und seiner vermeintlichen Schülerin Mikrofone angebracht. Dann geht es los. Vornweg der Audi des Fernsehteams. Kameramann Ondrey Ritter steht in Socken auf dem Beifahrersitz und filmt aus dem Dachfenster die Fahrt vom Zittauer Stadtzentrum bis zum Ortsausgang an die Oderwitzer Straße.

Kathy Weber fährt die Straße rein. Nach 70 Metern steht sie vor einem unüberwindbaren Erdwall. Was nun? Die gesamte Straße ist mit einer Sperrlinie versehen. Leuchtend hell strahlt die frische Farbe. Die 33-Jährige legt den Rückwärtsgang ein, rangiert, und fährt über die Sperrlinie zurück. „In so einem Fall darf sie das“, sagt der Fahrlehrer.

11.45 Uhr ist der Beitrag im Kasten. Fünf Stunden braucht Hendrik Rack, bis all die Szenen zusammengeschnitten sind. Zehn bis zwölf Minuten Filmlänge sind für die Oderwitzer Straße eingeplant. Sie ist einer von drei Beiträgen in der Sendung über die „Unsinnigsten Verkehrswege Deutschlands“. Für das Berliner Fernsehteam geht es sofort weiter nach Dresden. Hier gibt es im Stadtzentrum seit 27 Jahren eine Ampel, die immer rot leuchtet. Und das kostet die Stadt auch noch 5 500 Euro im Jahr. Auch diesen Tipp hat der Redakteur von Focus TV K1 das Magazin aus der SZ entnommen. Ein Beitrag wird noch in Hönow bei Hoppegarten gedreht. Dort stehen 14 Parkzonenschilder, die keiner braucht.

Der Beitrag mit der Oderwitzer Straße wird vermutlich in der übernächsten Sendung des Magazins von Kabel 1 am 10. Dezember, um 22.15 Uhr, ausgestrahlt.