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Zittau

Zittaus großer Fernsehauftritt

Warum Rentnerin Brigitte Kluttig am Freitag zeitig aufsteht, Zittaus OB cool tut und ZDF-Moderator Mitri Sirin viel Kräutertee braucht - ein Blick hinter die Moma-Kulissen.

ZDF-Morgenmagazinmoderator Mitri Sirin meldete sich am Freitag live vom Zittauer Marktplatz. Immer gut im Bild: das Kulturhaupstadt-Herz.
ZDF-Morgenmagazinmoderator Mitri Sirin meldete sich am Freitag live vom Zittauer Marktplatz. Immer gut im Bild: das Kulturhaupstadt-Herz. © Foto: Matthias Weber

Brigitte Kluttig ist am Freitagmorgen schon kurz nach halb sechs in der Maske. Maskenbildner Michael - beim Fernsehen reden sich alle nur mit Vornamen an - hat seine Puder und Pinsel im Besprechungszimmer des Oberbürgermeisters ausgebreitet. "Großartig, dieses Rathaus", schwärmt er. Michael ist einer von über 40 Mitarbeitern, die für die Live-Übertragung des ZDF-Morgenmagazins nach Zittau gekommen sind, und verantwortlich dafür, dass alle, die dann gleich vor der Kamera stehen werden, richtig gut aussehen.

Brigitte Kluttig schmunzelt. Die frühere Lehrerin und Schulleiterin ist jetzt 71 und wirkt kein bisschen aufgeregt. Auch nicht, als ihr Jan, der Redaktionsassistent, das Mikrofon übers Ohr klemmt und den Sender unter ihrer Jacke versteckt. "Noch fünf Minuten", sagt Jan und zupft ihr noch mal die Haare zurecht. Es ist Brigitte Kluttigs erster großer Fernsehauftritt - und das gleich vor einem Millionenpublikum. Immerhin vier Millionen Fernsehzuschauer hat das Morgenmagazin von ARD und ZDF im Durchschnitt. 

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Seit früh um vier sind der Redaktionsassistent und seine Kollegen schon da, um vor dem Rathaus und im Innenhof die Technik aufzubauen: Kameras, Kabel, Bild- und Tontechnik, zwei große Fernsehbildschirme am Rathaustor, einer am Übertragungswagen - bei einer Livesendung darf schließlich nichts schiefgehen.

Moderator Mitri Sirin bespricht mit den Kollegen noch mal schnell, wo er stehen muss. Weil die Wetteraussichten nicht gut sind, hat sich das Team für die Regenvariante entschieden - also nicht mehr mitten auf dem Markt, sondern direkt vor dem Rathaus mit der Rückzugsmöglichkeit in den Innenhof. Gleich geht es los. Die ersten Neugierigen sind auch schon da. Mitglieder vom Freundeskreis der Kulturhauptstadtbewerbung rücken das große Kulturherz ins Bild. Kurz vor sechs macht Kaffee-Kalle seinen kleinen Laden auf - drei Stunden eher als sonst. Aber das Fernseh-Spektakel, sagt Kalle Steege, das kann er sich doch nicht entgehen lassen. Und die Frühaufsteher auf dem Marktplatz nehmen seinen frisch Gebrühten gerne an.

Punkt sechs Uhr: "Guten Morgen aus Zittau", meldet sich Mitri Sirin. Brigitte Kluttig ist seine erste Gesprächspartnerin. Sie erzählt, wie das hier zu DDR-Zeiten war, dass damals die Grenze zu Polen dicht war und man wegen der strengen Grenzkontrollen auch keine Lust auf Tschechien hatte. Und wie sie sich heute freut, dass das jetzt alles so locker ist. Das größte Glück sei es doch, dass die Menschen im Dreiländereck, die sich hier jahrhundertelang die Köpfe eingeschlagen haben, jetzt so offen und friedlich miteinander umgehen, sagt sie. Ein tolles Schlusswort. Mitri Sirin gibt zurück ins Studio.

Jetzt hat er erstmal ein paar Minuten Zeit für einen Kräutertee. Im Morgenmagazin laufen die Nachrichten, Wetter, Sport und was sonst noch los ist in der Welt. Aber gleich wird Zittau wieder auf Sendung sein. Schlag auf Schlag geht das. Ein Live-Interview folgt dem nächsten. Jiri Zahradnik, der Ingenieur aus Tschechien wird erklären, wie die Unternehmen hier über die Grenzen zusammenarbeiten, Ute Wunderlich, die Geschäftsführerin des Schulverbunds Schkola, wie Kinder hier gemeinsam grenzenlos lernen, der Zittauer Unternehmer Lars Höger, dass er in der Grenzlage der Stadt eindeutig mehr Chancen als Risiken sieht. Wer sehen will, wie Europa funktioniert, müsse nur herkommen, sagt er.

Mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der kurz nach acht auf Sendung ist, wird Mitri Sirin auch über die Probleme sprechen, über die Grenzkriminalität, die niedrigen Löhne und die hohe Zustimmung in der Region zur AfD, die Kretschmer bei der letzten Bundestagswahl eine herbe Niederlage eingebracht hatte. Er hat Lehren daraus gezogen, sagt Kretschmer. Man muss die Sorgen der Leute ernst nehmen und vernünftig miteinander reden. An diesem Morgen in Zittau kündigt er an, dass mehr Polizisten in die Region kommen werden, und dass er sich dafür einsetzen will, die Maßnahmen für den Strukturwandel in der Region in beschleunigten Planungsverfahren umsetzen zu können. Die B178 müsse ja endlich mal fertig werden.

Als Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) dran ist, kommt der angekündigte Regen. "Wir machen trotzdem draußen weiter", entscheidet die Redaktion. Maskenbildner Michael kommt aus dem Rathaus und pudert Mitri Sirin das Gesicht noch mal wetterfest, Redaktionsassistent Jan brieft den OB: "Den Regen werden die Fernsehzuschauer gar nicht sehen. Sie müssen jetzt einfach cool tun."

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Ganz locker und entspannt wird das Gespräch im Fernsehen rüberkommen. Auch die Zuschauer, die sich während der Sendung immer zahlreicher auf dem Marktplatz einfinden, wirken gut gelaunt. Dass Mitri Sirin an diesem Morgen in Zittau sehr viel Kräutertee trinkt, um sich irgendwie aufzuwärmen, das sieht am Ende keiner.

Das sind die Bilder von Zittaus großem Fernsehauftritt

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