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Zitterpartie für die Oberschule

Für die Gründung einer privaten Schule wird es in Seifhennersdorf jetzt eng. Und auch die zehnte Klasse steht auf der Kippe.

Von Frank Seibel

Die Monate vor der Landtagswahl sind eine Zeit der guten Nachrichten. Oberschulen mit nur einer Klasse pro Jahrgang soll es bald geben, auch kleine Grundschulen auf dem Lande, bei denen zwei Jahrgänge zusammengefasst werden können.

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Doch in Seifhennersdorf klingt das, was in der Landeshauptstadt stolz verkündet wurde, nur schwach und löst keine Euphorie aus. „Das gilt überall, nur nicht in Seifhennersdorf“, sagt die schon ziemlich resignierte Bürgermeisterin Karin Berndt (UBS). Ein Sieg der „Schulrebellen“, die seit fast zwei Jahren mit einer nicht genehmigten fünften und nun sechsten Schulklasse für den Erhalt ihrer Oberschule kämpfen, sei das nicht. Nur politisch ist Karin Berndt ein bisschen stolz. Denn ohne den Ärger, den die Seifhennersdorfer machen, wäre das Thema „kleine Schulen“ im Wahlkampf wohl nicht so weit hochgerutscht auf der Agenda. Aber an bereits beschlossenen Schließungsplänen ändert der Kurswechsel der Staatsregierung nichts.

Für Seifhennersdorf bedeutet das, dass im kommenden Schuljahr die Lichter sogar ganz ausgehen könnten. Die „illegale“ sechste Klasse hält sich zwar noch wacker. Doch die ehrenamtlichen Lehrer haben schon vor Monaten signalisiert, dass es fachlich immer schwieriger wird und die Belastung groß ist. Werden sie sich noch eine Klassenstufe sieben zutrauen?

Die betroffenen Eltern haben ihren Protest seit Ende 2013 in eine neue Richtung gelenkt. Sie treten nicht mehr als „Schulrebellen“ auf, haben auch ihren Facebook-Auftritt unter diesem Namen gelöscht. Stattdessen wollen sie Schulgründer sein und haben den Verein „Freie Obere Schule Seifhennersdorf“ gegründet. Doch auch hier ist fraglich, ob das eine Erfolgsgeschichte werden kann. Am 23. Mai war eine letzte Frist abgelaufen. Bis dahin sollten alle Unterlagen vorliegen, die man zur Gründung einer privaten Schule braucht.

Das ist eine Menge: ein genaues Bildungskonzept, das sich vom Standard der staatlichen Schulen abhebt, verschiedene Prüfungen für Haupt- und Realschüler, ausreichend Lehrer, Mietverträge für Unterrichtsräume, auch für eine Sporthalle. Immer wieder ging es hin und her zwischen den Schulbehörden und den Mitgliedern des Vereins – die Eltern müssen in diesem Fall viel mehr Hausaufgaben erledigen als ihre Kinder. Vorstandsmitglied Andrea Urban sagte kurz vor Ablauf der Frist: Es fehlt nur noch ein Baustein. Allerdings will sie nicht sagen, welcher. „Das Geld ist es nicht“, teilt sie mit. Der Plan der Schulgründer war es, über eine auf solche Initiativen spezialisierte Bank einen Kredit zu bekommen, der alle Kosten für die ersten vier Jahre deckt. Erst danach bezahlt der Staat weitgehend die Lehrergehälter.

Das Kultusministerium konnte Ende Mai noch nicht einmal bestätigen, dass Unterlagen eingereicht wurden. Die Zeit für einen Start nach den Sommerferien wird nun extrem knapp. Drei Monate brauchen die Behörden, um alle Unterlagen zu überprüfen. Schließlich darf eine Schule kein Luftschloss sein – da verweist der Staat auf die Fürsorgepflicht gegenüber den schulpflichtigen Kindern. Wenn der Schulverein also nicht heute oder morgen die letzten fehlenden Unterlagen einreicht, wird es extrem schwierig, nach den Sommerferien zu starten. Dann wäre es denkbar, die neue Schule bis zum Beginn des Schuljahres 2015/16 zu gründen.

Komplett leeren könnte sich der Schulkomplex an der Gärtnerstraße, wenn auch keine zehnte Klasse mehr zustande kommt. Das ist möglich, denn zur Sommerpause gehen sieben Hauptschüler nach der neunten Klasse ab. Dann blieben nur neun Schüler für die zehnte Klasse übrig. „Das ist auch für die Schüler belastend, denn sie wollen Kontakt zu anderen Schülern haben“, sagt Schulleiterin Rita Schmidt. Die Bildungsagentur will nun entscheiden, ob es noch sinnvoll ist, diese Klasse zu erhalten. Möglicherweise wird die offizielle, die staatliche Oberschule mit den Sommerferien geschlossen.