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Zoff mit einer Prostituierten

André T. soll eine käufliche Dame bestellt und später vor die Tür gesetzt haben – auf Socken. Das hat jetzt ein Nachspiel.

© dpa

Von Sebastian Martin

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Es ist der Tiefpunkt einer persönlichen Talfahrt. André T. spricht von jahrelangen Depressionen, zunehmender Alkoholsucht, beruflichen Misserfolgen, einer gescheiterten Beziehung, und, und, und. Die schwierige Lebenssituation müsse man aber berücksichtigen, um die Tat einordnen zu können, sagt der groß gewachsene Mann.

Der 37-Jährige sitzt auf der Anklagebank im Dippoldiswalder Amtsgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Unterschlagung vor. Im November 2013 soll der Kesselsdorfer eine Prostituierte zu sich nach Hause bestellt und diese später wenig charmant aus der Wohnung geschmissen haben. „Er wollte mich schlagen“, wird das Opfer später aussagen. In Socken, Jeans und Top sei sie in den Hausflur geflüchtet. Alle anderen Sachen musste sie in der Wohnung zurücklassen. 2 000 Euro hätten sich in der Tasche befunden, dazu ihr tschechischer Ausweis und mehrere Rechnungen. Selbst als die Polizei anrückte, weigerte sich André T., die Tür zu öffnen. „Ich gebe Euch die Sachen nicht, die müsst ihr suchen“, soll er durch die verschlossene Wohnungstür gerufen haben.

Zu diesem Zeitpunkt war der arbeitslose Kfz-Gutachter längst mal wieder betrunken. Bereits am Morgen soll er zwei, drei Bier geschluckt haben. Es folgte ein Streit mit dem Vater und weiterer Alkohol. Am Nachmittag klingelte dann die bestellte Prostituierte bei ihm. „Die war launisch, meckerte an der Wohnung herum“, sagt er vor Gericht. Deshalb habe er sie nach fünf Minuten rausgeschmissen – ohne, dass es zu sexuellen Handlungen gekommen sei. Dass sie noch Sachen in der Wohnung hatte und diese zurückhaben wollte, sei ihm nicht bewusst gewesen, beziehungsweise habe er es nicht mitbekommen. Wie so einiges anscheinend nicht. Denn auch das Klopfen und Klingeln der herbeigerufenen Polizei will er nicht gehört haben. „Ich habe Musik gehört“, sagt der Angeklagte.

Die Beamten verschaffen sich an jenem Novembertag 2013 schließlich selbst Zutritt und gehen wenig zimperlich mit André T. um. Nachdem sie die Tür vom Schlüsseldienst haben öffnen lassen, reißen sie ihn zu Boden und durchsuchen die Wohnung. Zwischen Bücherseiten, in CD-Hüllen und unter der Matratze finden sie das Geld – insgesamt aber nur 1 130 Euro. Vom vermeintlichen Rest fehlt bis heute jede Spur. Richterin Daniela Sonntag betont in ihrem Urteil, dass es nicht sicher sei, wie viel Geld die Prostituierte dabeihatte. Sie sieht es aber als erwiesen an, dass sich André T. der Unterschlagung schuldig gemacht hat, und verurteilt ihn zu 80 Tagessätzen à zehn Euro. Ihm zugutekommt das Geständnis, der alkoholisierte Zustand sowie der Wille, sein Leben zu verändern. Denn nachdem es jahrelang bergab ging, hat André T. nach der Tat sein Leben umkrempelt und inzwischen eine Entziehungskur gemacht.

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