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Zoff um Windrad-Giganten

Investoren möchten die Baeyerhöhe mit Windrädern zustellen. Die Gemeinde will dagegen vorgehen. Doch eine Bürgerinitiative ist skeptisch.

© hübschmann

Von Dieter hanke

Günther Meier muss ein zischendes Geräusch ertragen. Tag und Nacht. Sitzt der Schmiedewalder am Frühstückstisch in seinem Haus, pfeifen die Flügel von Windrädern. Fünf Anlagen sind an die 700 Meter entfernt. In seinen Garten möchte der 59-Jährige am liebsten mit Ohrstöpseln gehen. „Das monotone Geräusch geht auf die Nerven“, sagt er. Nachts hält er die Fenster geschlossen, doch der Lärm ist dennoch im Schlafzimmer zu hören. „Unsere Lebensqualität leidet sehr darunter“, bemerkt Meier, der Schadensgutachter bei einer Versicherung ist. Wie dem Schmiedewalder geht es auch Einwohnern von Seeligstadt, Lampersdorf und Lotzen in der Gemeinde Klipphausen, denn diese Orte befinden sich auch unweit der Windräder.

Garten
Der Garten ruft
Der Garten ruft

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Die fünf Windkraftanlagen – 1997 bzw. 2003/04 errichtet – stehen an der Baeyerhöhe, mit 322 Metern die höchste Erhebung im Landkreis Meißen. Dort pfeift es kräftig. Windkraft-Investoren würden deshalb am liebsten die ganze Baeyerhöhe mit Mega-Windrädern zustellen – mit Anlagen, die leistungsfähiger sind und so auch bedeutend höher als die jetzigen mit 100 Metern. Da wäre trotz sinkender Vergütung für die Einspeisung ins Stromnetz immer noch eine Super- Rendite zu erzielen.

Aufgeschreckt wurde Günther Meier vor Monaten, als Windrad-Projektplaner über die Fluren der Baeyerhöhe zogen, um hier Grundstückseigentümern Land abzuluchsen. „Mit lukrativen Angeboten. Es gibt auch schon Vorverträge“, sagt der Schmiedewalder. Windkraftbetreiber hätten bereits auf Monitoren Geländemodelle mit neuen Windrädern vorgestellt.

Als jetzt die Gemeinde Klipphausen in ihrem Entwurf des Flächennutzungsplanes hier ein Areal von insgesamt 120 Hektar als Sonderbaufläche Windenergie auswies, wurde Meier hellwach. „Hier bahnt sich was an“, sagt er. Er habe das ungute Gefühl, dass die Gemeinde mit Investoren gemeinsame Sache macht. Die bestehenden Windkraftanlagen würden eine Fläche von etwa 40 Hektar einnehmen. „Bei den geplanten 120 Hektar könnten dort möglicherweise fünf bis zehn Mega-Windräder entstehen. Das wäre eine Verschandelung der linkselbischen Täler, von den enormen Belastungen für die Einwohner in den angrenzenden Orten ganz zu schweigen“, sagt Meier. Gemeinsam mit Anwohnern aus Lotzen und Schmiedewalde ist er dabei, eine Bürgerinitiative zu bilden. Meier: „Wir müssen handeln, bevor es zu spät ist. Der Dorffrieden ist in Gefahr.“

Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann (parteilos) sieht das anders. „Wir sind für alternative Energien, auch für Windkraftanlagen, wollen da aber Auswüchse an der Baeyerhöhe verhindern“, sagt er auf SZ-Nachfrage. In Klipphausen sei dieses Areal die einzige vom Regionalverband Oberes Elbtal-Osterzgebirge ausgewiesene Windvorrangfläche. „Dabei wollen wir aber selbst entscheiden, was dort wird und uns nicht von Planern, Investoren und Betreibern überrumpeln lassen“, so der Bürgermeister. Deshalb habe der Gemeinderat im November 2013 einen sogenannten Windkraft-Bebauungsplan für die Baeyerhöhe beschlossen. Dieser erstrecke sich auf Flurstücke in den Gemarkungen Seeligstadt, Schmiedewalde und Lampersdorf und umfasse insgesamt 200 Hektar, also ein größerer Einzugsbereich als die Sonderbaufläche Windenergie im Entwurf des Flächennutzungsplanes. „Damit wollen wir gewährleisten, dass auch Randgebiete mit geprüft werden“, bemerkt der Bürgermeister. Mit dem Bebauungsplan wolle die Kommune erst einmal Klarheit bekommen, ob in diesen Bereichen überhaupt neue Windräder möglich seien. Wenn Ja gehe es unter anderem um Standorte, Anzahl und Höhe der Anlagen sowie auch um Abstände zu den Ortschaften. Außerdem gebe es da auch die Chance, dass das jetzt am nächsten zu Schmiedewalde zu stehende Windrad keinen Bestandsschutz erhält.

Das Planungsbüro Schubert aus Radeberg hat den Entwurf des Flächennutzungsplanes erarbeitet und ist jetzt auch dabei, den Windkraft-Bebauungsplan aufzustellen. „Das wird aber noch eine Weile dauern. Die Kartierung zu Vogelzug, zu Rastplätzen und Quartieren für Brutvögel in diesen Bereichen liegt noch nicht vor“, sagt Sabine Schreiber vom Planungsbüro.

Über das Wind-Vorranggebiet Baeyerhöhe bestimmt auch der Regionale Planungsverband Oberes Elbtal-Osterzgebirge mit. Doch erst im II. Quartal 2016 soll der Entwurf des aktualisierten Regionalplanes, der auch die Windkraft-Vorrangflächen mit einschließt, zur öffentlichen Anhörung kommen, wie auf SZ-Nachfrage Heidemarie Russig, Leiterin der Verbandsgeschäftsstelle, informierte.

Für Günther Meier ist das kein Grund, in Sachen Windkraft Baeyerhöhe abzuwarten. Auch nach einem Gespräch mit dem Bürgermeister bleibt er skeptisch. „Ich traue dem Ganzen nicht. Als ich 2001 mein Haus in Schmiedewalde baute, gab es dort nur ein Windrad. Der Triebischtaler Bürgermeister sagte mir damals, es kommen keine weiteren mehr hinzu. Ein paar Jahre später waren es fünf“, so Meier.