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Kirschau: Vom Kinderzimmer in die Charts

Mit dem Remix eines Klassikers macht ein 18-Jähriger die Musikindustrie auf sich aufmerksam. Seinen Erfolg nimmt er erstaunlich gelassen.

Mit etwas Technik und viel Kreativität macht Nick Ambrosius alias Zombic Musik im Haus seiner Eltern in Kirschau. Die interessiert sogar die große Musikindustrie.
Mit etwas Technik und viel Kreativität macht Nick Ambrosius alias Zombic Musik im Haus seiner Eltern in Kirschau. Die interessiert sogar die große Musikindustrie. © Steffen Unger

Kirschau. Was man liest: Über eine Million monatliche Hörer beim Streaming-Dienst Spotify; die meisten davon aus Metropolen wie Hamburg, Paris, Stuttgart, Berlin. Was man hört: prägnante Bässe, eingängigen Gesang, manchmal auch sanften Rap. Wer das macht? Nick Ambrosius, fast 19 Jahre alt, der mit seinen Eltern in Kirschau wohnt.

In Fußball-Trikot und Tennissocken öffnet er die Tür, bittet ins Obergeschoss, nimmt entspannt  auf dem schweren Bürostuhl gegenüber der Couch Platz und sagt: "Ich mache Slap House, das ist im Grunde das, was momentan die ganze Zeit im Radio gespielt wird". Auf dem Tisch vor dem jungen DJ liegen Flyer; das Licht an der Wand wechselt in den Farben des Regenbogens. Der Schreibtisch im Hintergrund besteht aus Technik: Ein Computer samt Monitor, ein Mischpult, Mikro, Mini-Keyboard, eine kleine Lichtanlage. Um erfolgreich zu sein, braucht es heute nicht mehr viel - ein bisschen Equipment und einiges an Leidenschaft.

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Nick Ambrosius, der als Lebensmittelchemiker in der Firma Oppacher Mineralquellen arbeitet, steht kurz vor einem Vertragsabschluss mit dem großen Label Contor Records. Dort stehen auch einschlägige Größen wie Scooter, Gestört aber Geil oder  Lexi & K-Paul unter Vertrag. Nick Ambrosius, in der Szene besser bekannt unter seinem Künstlernamen Zombic, bleibt erstmal unaufgeregt: "Der Song ist grad noch in der Produktion. Kann auch sein, dass er total floppt", sagt er.

Eigentlich hätte Zombic grad allen Grund für Höhenflüge: Kürzlich brachte er mit einem befreundeten Musiker aus Köln einen Remix des Dauerbrenners "Zombie" heraus. Er wurde damit auf Hitradio RTL und auf Radio Energy gespielt, landete auf Platz 42 der deutschen Charts. "Im Radio gespielt zu werden", sagt Zombic selbst, "das ist schon ziemlich geil." Und bedauert im nächsten Atemzug, sich noch nicht selbst gehört zu haben.

Platz 42 der deutschen Charts

Aber Höhenflüge, nein, die gönnt er sich nicht. Stattdessen beginnt er zu erzählen, wie er zur Musik kam: "Wie alle in meinem Alter habe ich zuerst bei der Musikschule Fröhlich Akkordeon spielen gelernt. Den Ausschlag gab aber mein Onkel. Der hat mir, als ich 13 Jahre alt war, ein Musikprogramm auf mein Handy geladen." Ganz simpel seien die Beats damals gewesen, aber gefallen habe es ihm trotzdem, erzählt er weiter.

So angestachelt trug Nick Zeitungen aus, ging in den Ferien arbeiten und sparte: auf einen Rechner mit entsprechender Leistung, auf die professionelle Version seines ersten Musikprogramms, auf zusätzliche Computer-Programme, die es brauchte, um seinen Ansprüchen zu genügen. Etwa 1.000 Euro investierte er, nochmal so viel für das Mischpult. Seine Errungenschaften passen auf zwei Quadratmeter. Umgehen konnte er damit vorerst nicht.

"Ich habe mir das alles Stück für Stück selbst beigebracht", erzählt er und hantiert sogleich blind mit Maus und Tastatur, öffnet Programm-Fenster, spielt Töne, nennt sie Kicks, Claps und Drops. Aber das sei nicht der Anfang seiner Musik, erklärt er: "Alles beginnt mit einer Idee. Manchmal dauert es nur Stunden, manchmal aber auch Wochen, bis daraus ein Song wird." Hin und wieder, erzählt er weiter, könne er sich dabei schon in den Tiefen der Klangwelten verlieren. Wie als Beweis beginnt er, auf seinem Computer zu spielen - aus einem Ton zehn verschiedene zu zaubern - und sagt: "Es wird niemals den letzten Ton geben."

Keine Zeit für andere Hobbys

So ein bisschen träumen, das erlaubt Nick Ambroius sich dann manchmal doch: Auf Festivals auflegen, mit bekannten Musikern in professionellen Studios Musik aufnehmen - all das seien schon große Ziele, die man sich setze, wenn man beginne, sich in der Musikindustrie zu bewegen. Orientierung findet er dabei an Größen seines Genres. Sie verzeichnen je etwa vier Millionen Nutzer im Monat. Zum Vergleich: Ed Sheeran, der meist gehörte Sänger weltweit, kommt auf eine Reichweite von 64 Millionen Menschen im Monat.

Solche Vergleiche will Nick Ambrosius aber gar nicht ziehen. Klar, sagt er, wäre es schön, irgendwann von der Musik leben zu können. Was ihn aber treibt, ist sein Publikum: "Schon damals, als ich nur hundert Hörer hatte, habe ich gedacht: Krass! Es hören Leute meine Musik, also weiter, weiter", erinnert er sich. Der Erfolg hat ihn dann doch ein wenig überrollt: "Meine Freundin kann das besser beschreiben, als ich. Aber damals, als ich mit dem Zombie-Remix plötzlich von 200.000 auf eine Million Hörer hochgeschnellt bin, da habe ich nur völlig erstarrt auf mein Handy geschaut. Innerlich hätte ich in diesem Moment ausflippen können."

Für seine Freundin, erzählt er, hätte er neben Arbeit und Musik noch genug Zeit. Seine Eltern ertrügen die Lautstärke im Haus stoisch. Das Fußballspielen gab er auf. Andere Hobbys habe er nicht mehr. Gut möglich, dass es in Zukunft im Hause Ambrosius noch etwas ruhiger zugeht. Denn Nick und ein befreundeter Unternehmer haben Pläne: "Wir wollen an bekannten Orten in der Oberlausitz Musik aufnehmen, die Videos im Internet streamen und damit nicht nur meine Musik, sondern auch meine Heimat bekannter machen", sagt Zombic.

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