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Zootiere auch weiter ohne Publikum

Die Enttäuschung in Weißwasser und Hoyerswerda ist groß – und ebenso die Freude über viele Unterstützer.

Die Weißhandgibbons im Tierpark Weißwasser sind lustige Gesellen und turnen den Besuchern gerne etwas vor.
Die Weißhandgibbons im Tierpark Weißwasser sind lustige Gesellen und turnen den Besuchern gerne etwas vor. © Foto: Constanze Knappe

Weißwasser/Hoyerswerda. Es sah fast so aus, als dürften die Tierparks wieder öffnen. Wie die Zoos in Weißwasser und Hoyerswerda setzten sie bundesweit große Hoffnungen auf die erste Lockerung der Corona-Schutz-Maßnahmen. Gebäude wie Amphibienhäuser oder Aquarien könnten ja für Besucher gesperrt bleiben. Darüber hinaus würden Zoos und Tierparks aber vor allem eins bieten: Platz zum Spazierengehen an der frischen Luft.

Doch die Hoffnungen auf die Wiederöffnung haben sich nicht erfüllt. Entsprechend groß ist die Enttäuschung. Auch bei Gert Emmrich, dem Leiter des Tierparks in Weißwasser. Er ist seit 2001 zugleich Präsident der Deutschen Tierpark-Gesellschaft (DTG), muss als solcher das große Ganze im Blick behalten. Und so ist er selber hin- und hergerissen zwischen einerseits der Einsicht, wegen Corona die Zoos weiter geschlossen zu halten, und andererseits den aus wirtschaftlichen Zwängen heraus lauter werdenden Rufen nach Wiederöffnung.

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Die aber würde viele zusätzliche Hygienemaßnahmen bedeuten. In Weißwasser oder Hoyerswerda könnten Besucher ja gelenkt werden, nicht aber in großen Einrichtungen in Leipzig, Dresden oder anderswo. Nach den Ausgangsbeschränkungen vergangener Wochen wäre der zu erwartende Ansturm nicht beherrschbar und schon gar nicht mit den vorgeschriebenen Abstandsregeln zu steuern. Weiteres Problem: die sanitären Einrichtungen. „Dass die Menschen nur einzeln eintreten und draußen vor den Toiletten den nötigen Abstand zu anderen wahren, ist nicht umsetzbar“, sagt Gert Emmrich. Hinzu käme, dass Zoogaststätten geschlossen bleiben, aber selbst an Kiosken der Sicherheitsabstand nicht zu gewährleisten sei. „Die Gefahr besteht, dass alles, was in den vergangenen 14 Tagen an Sicherheit erreicht wurde, auf einen Schlag dahin wäre“, so der DTG-Präsident.

In Deutschland gibt es mehr als 300 zoologische Einrichtungen. Etwa ein Drittel ist in der DTG organisiert, darunter die fünf Tierparks der Oberlausitz: Bischofswerda, Görlitz, Hoyerswerda, Weißwasser und Zittau. Aber egal, ob großer Flächenzoo oder kleiner Tierpark, ob große Artenvielfalt oder heimische Tierwelt: geschlossen sind sie alle. Und das seit über drei Wochen. „Für viele Betriebe ist nicht nur die Dauer der Schließung ein Problem, sondern auch der Zeitpunkt“, sagt Gert Emmrich. Gerade erst war der Winter vorbei, die Zeit, in der privatwirtschaftliche Einrichtungen meist ganz zu sind. Alle Tiergärten, Zoos und Wildparks haben sich auf die neue Saison vorbereitet, um die finanziellen Reserven aufzufüllen. Wegen Corona wird daraus nichts. Ohne Einnahmen sind dennoch die vollen Ausgaben zu stemmen. Viele Betreiber, so weiß der DTG-Präsident, hoffen auf Hilfe aus Berlin oder ihren Landeshauptstädten. Aber Fehlanzeige. „Ein Programm für Zoos und Tierparks gibt es bisher nicht“, sagt er. Im Netz macht die Runde, dass Tierparks womöglich Zootiere notschlachten, um andere Tiere zu füttern.

In Weißwasser ist das kein Thema. Dafür eine große Bereitschaft, den Tierpark zu unterstützen. „Sehr positiv überrascht“ ist Gert Emmrich über die Reaktionen auf den Spendenaufruf des Fördervereins. Beiträge zwischen 10 und 500 Euro gingen ein.

Überraschung aus dem Dinoland

Und dann kam noch eine riesengroße Überraschung aus dem Saurierpark Kleinwelka: Der Freizeitpark in Trägerschaft der Beteiligungs- und Betriebsgesellschaft Bautzen mbH ist selber durch die Corona-Krise betroffen. „Wir möchten jedoch in dieser schweren, außergewöhnlichen Zeit diejenigen ein wenig unterstützen, die es in unserer Branche mit am meisten brauchen, die Zoos und Tierparks. Sie brauchen dringendst Gelder vor allem für Futter, Tierarzt und Personalkosten“, sagt BBB-Geschäftsführer Volker Bartko. Der Saurierpark spendet den fünf Oberlausitzer Tierparks jeweils 5.000 Euro. „Unsere Saurier sind genauso einsam wie die Zootiere, aber sie fressen ja nichts und da möchten wir gern Tiere füttern helfen, die es wirklich dringend brauchen“, fügt Volker Bartko mit einem Schmunzeln hinzu. Man hoffe sehr, „dass sich die Situation zeitnah entspannt und wir alle unsere Pforten bald wieder für Besucher öffnen können.“

Bis dahin lassen die Tierparks die Öffentlichkeit dennoch am Geschehen teilhaben. Bei Facebook konnte man die Uhu-Küken in Weißwasser kennenlernen. Wie im Zoo Hoyerswerda freut man sich auch in Weißwasser über muntere Känguru-Babys.Spenden: Tierpark Weißwasser: Förderverein Tierpark Weißwasser e. V., Spendenkonto bei der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien IBAN: DE14 8505 0100 0070 0566 50, BIC: WELADED1GRL, Verwendungszweck: Hilfe für den Tierpark. [email protected] oder Tel. 03576 208366 // Zoo Hoyerswerda: Online-Spenden über die Webseite (www.kulturzoo-hy.de). Infos unter Tel. 03571 20937700 oder unter [email protected]

Das Känguru-Baby in Hoyerswerda beobachtet das Geschehen aufmerksam. Auch in Weißwasser hat sich in den Beuteln was getan.
Das Känguru-Baby in Hoyerswerda beobachtet das Geschehen aufmerksam. Auch in Weißwasser hat sich in den Beuteln was getan. © Foto: Zoo Hoyerswerda

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