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Zschaitzer wollen keinen Funkturm

Die Telekom will in Lüttewitz einen Mobilfunkmast bauen. Der Standort ist nahe einem Wohngebiet. Anwohner haben daher Angst vor der Strahlung.

Kommt er oder kommt er nicht? Die Zschaitzer sind gegen den geplanten Standort eines Funkmastes der Telekom. Er sei zu nah am Wohngebiet.
Kommt er oder kommt er nicht? Die Zschaitzer sind gegen den geplanten Standort eines Funkmastes der Telekom. Er sei zu nah am Wohngebiet. © Daniel Schäfer

Zschaitz-Ottewig. So voll war der Gasthof „Zur Post“ in Zschaitz zur Gemeinderatssitzung selten. Knapp 30 Bürger der Gemeinde kamen am Montagabend, um über den geplanten Bau des Mobilfunkturms im Zschaitzer Ortsteil Lüttewitz zu beraten.

Eingeladen hatte dazu der Bürgermeister Immo Barkawitz (parteilos) in der vergangenen Sitzung, nachdem es dort bereits unter den Ratsmitgliedern zu einer Debatte kam (DA berichtete). Die Versammlung Anfang Februar sollte nun vor allem den Bürgern die Möglichkeit geben, ihre Meinung zu äußern. Denn der Mast soll nur wenige hundert Meter vom bebauten Wohngebiet entfernt an der Kreuzung Kirschallee mit einem unbefestigten Weg bei den sieben Linden entstehen.

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Bürger wollen Versammlung

Einen entsprechenden Bauantrag hatte die Gemeindeverwaltung von der Deutschen Funkturm GmbH aus Leipzig erhalten. Die Tochtergesellschaft der Telekom will in naher Zukunft einen Stahlgittermast bauen, um entsprechende Systemtechnik dort anzubringen. 

Laut Telekom sei geplant, am Standort in Lüttewitz die GSM-Technologie − Edge- oder 2G-Empfang genannt − und das LTE-Netz − auch als 4G-Empfang bekannt − aufzubauen. Der Mast soll vor allem den Empfang in Lüttewitz (bei Zschaitz), Zschaitz, Goselitz, Ottewig, Auterwitz und Glaucha für Telekom-Kunden sichern.

Dagegen richtet sich nun Widerstand aus der Bevölkerung. Die anwesenden Bürger bei der Gemeinderatssitzung forderten fast einstimmig die Ablehnung des Mastes am genannten Standort. Es sei durch das nahegelegene Wohngebiet nicht zu verantworten, hieß es. 

„Wir haben dort oben ein Flächennaturdenkmal, die sieben Linden und nun soll dort ein solches Objekt hin?“, fragte sich ein Anwohner und kann nicht verstehen, weshalb die Bauherren so ein „hässliches Objekt“ in die Natur stellen müssen. Der Staat solle lieber das Glasfasernetz weiter ausbauen und jeder könne dann sein Internet zu Hause nutzen. 

„Wir müssen uns fragen, ob Mobilfunk an jeder Milchkanne überhaupt notwendig ist“, sagte er. „Einzelne Bereiche in der Gemeinde mit Netz zusätzlich zu dem häuslichen Internet reichen doch.“

Ein Bürger aus Lüttewitz lehnt einen Mobilfunkmast in der Nähe kategorisch ab. „Die Strahlung ist einfach viel zu hoch. Es gibt ausreichend Studien, die das belegen“, erklärte er. „Wenn so ein Mast schon sein muss, dann an anderer Stelle.“ Es gebe in der Umgebung ausreichend Alternativen.

„Wir müssen uns bewusst sein, dass wir mit dem Bau und den Strahlen unsere Kinder langfristig schädigen könnten“, wirft eine Anwohnerin ein. Nicht zuletzt kritisierten die Anwesenden die Arbeit des Staates, vor allem in Hinblick auf die Anhörung der Kommunen. 

„Der Staat hebelt uns aus, auch an dieser Stelle wieder. Die Kommune wird gehört, aber letztendlich werden wir dennoch übergangen und der Mast wird gebaut“, meint ein Gast. „Am Ende haben wir am wenigsten Mitspracherecht.“

Nach knapp einer Stunde Diskussion einigte sich der Gemeinderat einstimmig auf eine Ablehnung des Bauantrags aus Leipzig. Der Bürgermeister begründete das so: „Grundsätzlich wollen wir den Ausbau von Mobilfunk, aber der Standort ist eben nicht optimal. Er liegt zu nah am Wohngebiet.“ 

Er wolle nun gemeinsam mit der Verwaltung den Antrag mit einer ausführlichen Begründung ablehnen und diesen auch dem Landratsamt Mittelsachsen zukommen lassen, das letztendlich über den Bauantrag als obere Aufsichtsbehörde entscheiden muss.

Zudem baten die Bürger und der Gemeinderat Immo Barkawitz, um eine Anwohnerversammlung gemeinsam mit Vertretern des Landratsamtes sowie der Telekom, die das Vorhaben nochmals erläutern sollen, um Fragen nach dem Standort zu beantworten.

Strahlung als Gefahr?

Die Telekom war für eine Antwort zur Entscheidung des Gemeinderats am Dienstag nicht zu erreichen. Jedoch teilte der Sprecher des Unternehmens Georg von Wagner auf Anfrage unserer Zeitung bereits im Januar mit: „Der Mobilfunk ist inzwischen eine sehr gut untersuchte Technik. Davon zeugen mehrere tausend Forschungsarbeiten. Die entscheidenden Antworten zu gesundheitlichen Fragen geben jedoch nicht wir als Netzbetreiber, sondern unabhängige Institutionen.“

Das Unternehmen stütze sich auf das Urteil anerkannter Expertengremien wie die Weltgesundheitsorganisation oder die internationale Strahlenschutzkommission. „Diese hat erneut die Gültigkeit der geltenden Grenzwerte für den Mobilfunk bestätigt. Bei der Festlegung der Grenzwerte wurde ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor berücksichtigt. Dadurch wird die sichere Nutzung des Mobilfunks für alle - auch für Kinder, ältere Menschen oder Kranke – gewährleistet“, erklärt Sprecher Georg von Wagner.

In Deutschland sind die Grenzwerte für den Mobilfunk in der 26. Bundesimmissionsschutzverordnung festgelegt. Ein Genehmigungsverfahren bei der Bundesnetzagentur stellt die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben für jeden Mobilfunksender sicher.

Auch für den geplanten Standort in Zschaitz-Ottewig wird eine solche Genehmigung durch die Telekom bei der Bundesnetzagentur beantragt. In dieser sogenannten Standortbescheinigung werden Sicherheitsabstände ausgewiesen. Außerhalb dieses Radius ist die Unterschreitung des maximalen Grenzwertes der Mobilfunkstrahlung garantiert. 

Erst nach Erhalt dieser Genehmigung kann der Standort in Betrieb genommen werden. „Durch die Einhaltung der vorgeschriebenen Sicherheitsabstände ist die Sicherheit aller Anwohner gewährleistet, davon sind wir überzeugt“, so der Pressesprecher der Telekom.

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Bürgermeister Immo Barkawitz will nun mit den einzelnen Vertretern Kontakt aufnehmen und andere Standorte vorschlagen. Wie das Vorhaben nun weitergeht, wird der Rat und die Anwohner in den kommenden Wochen beobachten.

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