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Pirna

„Zu den Etablierten gehören wir noch lange nicht“

Die Linke will lauter und frecher werden. Kreischef Lutz Richter sorgt sich sonst um ein gutes Ergebnis zur Landtagswahl.

Lutz Richter ist Linken-Kreisvorsitzender und erneut in den Kreistag gewählt worden. Er will Marx’ Erkenntnisse ins Jetzt übersetzen.
Lutz Richter ist Linken-Kreisvorsitzender und erneut in den Kreistag gewählt worden. Er will Marx’ Erkenntnisse ins Jetzt übersetzen. © Daniel Schäfer

Das Ausmaß der Niederlage zu den Kommunalwahlen hat die Linke offenbar überrascht. Zur Kreistagswahl hat die Partei einen Stimmenanteil von 5,1 Prozent und damit vier Sitze verloren. Die Aufarbeitung des Ergebnisses ist aber schwierig.

Herr Richter, sind Ihnen die Protestwähler abhandengekommen?

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Die Wahl war für uns eine bittere Niederlage. Wir haben sicherlich auch Protestwähler verloren. Bei den absoluten Zahlen stehen wir im Vergleich zu 2014 nicht schlecht da. Nur von der gestiegenen Wahlbeteiligung konnten wir nicht profitieren.

Kann das daran liegen, dass die Linke in einen Topf mit den sogenannten etablierten Parteien geworfen wird? Amüsiert Sie das oder ärgert es Sie?

Woran das festgemacht wird, erschließt sich mir nicht. Ich glaube, dass bei dieser Wahl manche dachten, dass sie die CDU viel mehr ärgern können, wenn sie AfD wählen als die Linke. Dabei unterscheiden wir uns viel deutlicher von der CDU als die. Das betrifft sowohl sozialpolitische Fragen als auch Innenpolitik und Wirtschaft. Die Linke ist ganz klar gegen eine Privatisierung der öffentlichen Daseinsvorsorge wie etwa Krankenhäuser.

Haben Sie die Ursachen der Wahlergebnisse schon aufgearbeitet?

Wir sind noch dabei. An Wahlkampfständen haben wir gemerkt, dass das Thema Zuwanderung über die Jahre immer noch trägt und die Menschen drüber reden. Auch da, wo so gut wie keine Zuwanderer leben. Allerdings gibt es auch kein einheitliches Bild. In Heidenau konnten wir zur Kreistagswahl zulegen. Im Wahlkreis 4 haben wir dagegen massiv verloren, weil dort Bürgermeister Hans-Peter Retzler nicht mehr für uns angetreten ist. Wenn bekannte Persönlichkeiten fehlen, merkt man das sofort. In Freital lag zur Stadtratswahl Peter Heinzmann vor Jörg Mumme. Bei der gleichzeitig stattfindenden Kreistagswahl war es umgekehrt. Das ist schon merkwürdig.

Was müsste die Linke bis zur Landtagswahl am 1. September anders machen, um stärker zu punkten?

Die Leute wünschen sich, dass wir lauter und frecher sind. Allein mit Sacharbeit ist es nicht getan. Das war für uns in Hohnstein eine traurige Erfahrung. Dort waren wir besonders präsent mit Infoständen und bekannten Gesichtern und haben uns ja auch in der Debatte um die Burg und den ländlichen Raum mit Anträgen im Kreistag stark für Hohnstein engagiert. Am Ende haben wir in dem Wahlkreis sogar ein Mandat verloren. Andere machen gar nichts oder lavieren und gewinnen.

Welche Themen wollen Sie nun im neuen Kreistag als Erstes angehen?

Uns fehlen zwar nun ein paar Leute, die sich aber hoffentlich weiter, nur anders einbringen. Dass es keine feste Koalition, sondern wechselnde Mehrheiten im Kreistag gibt, macht auch für uns etwas möglich. Das haben wir ja zuletzt bei unserem Antrag zu den Musikschulen gesehen. Ein ganz wichtiges Thema werden für uns weiter die Kosten für Unterkunft von Hartz IV-Empfängern sein. Bei der Höhe muss der Landkreis endlich nachbessern. Das jetzige System ist ja inzwischen höchstrichterlich abgeschmettert worden.

Es fragte: Gunnar Klehm.

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