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Zu Pfingsten „nur deutsch tanzen“

Mit dem Blick auf die „Wehrhaftmachung des Volkes“ war das Ziel der nationalsozialistischen Erziehung, „kerngesunde Körper heranzuzüchten“. Dem diente auch die Gleichschaltung der verschiedenen Sportorganisationen, die im Frühjahr 1935 im wesentlichen abgeschlossen wurde.

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Von Rudolf Hajny

Mit dem Blick auf die „Wehrhaftmachung des Volkes“ war das Ziel der nationalsozialistischen Erziehung, „kerngesunde Körper heranzuzüchten“. Dem diente auch die Gleichschaltung der verschiedenen Sportorganisationen, die im Frühjahr 1935 im wesentlichen abgeschlossen wurde. Vertreter aller Sportarten und sporttreibenden Vereine waren nach Pirna in den Schwarzen Adler beordert worden, wo sie alle in den „Reichsbund für Leibesübungen“, dem Dachverband aller Sportverbände, eingegliedert wurden. Den Sportfunktionären wurde die Aufgabe gestellt, „jeden Volksgenossen an die Leibesübungen heranzuführen, um ein gesundes Geschlecht zu erhalten.“ In der neuen einheitlichen Sportorganisation sollte, so der Anzeiger, „der SA-Geist mit strengster Disziplin“ herrschen.

Zu Ostern und Pfingsten schreckte man nicht einmal davor zurück, die Veranstaltungen an den Festtagen zu reglementieren. Die gleichgeschaltete „Wirtschaftsgruppe des Gaststätten- und Beherbergungsgewerbes“ verbot zu den Feiertagen alle öffentlichen „Tanzlustbarkeiten“, bei denen nicht „ausschließlich deutsche Volkstänze getanzt“ wurden. Als solche galten nach einer Entscheidung des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda, Goebbels, Walzer und Lauftänze wie Polka, Rheinländer und Mazurka.

Darüber hinaus hatte der „Reichsbischof“ die Pfarrer angewiesen, am ersten Osterfeiertag in den Gottesdiensten „des Geburtstages des Führers zu gedenken“ . Alle kirchlichen Gebäude waren zu beflaggen, und auch am 1. Mai hatten die Kirchgemeinden „den Wünschen der nationalsozialistischen Formationen nach Einordnung des Gottesdienstes in den Tagesablauf nachzukommen“.

Die Wirtschaftspolitik des NS-Regimes war von Anfang an darauf gerichtet, sich vom Ausland autark, unabhängig, zu machen. Die Bauern wurden deshalb in eine „Erzeugungsschlacht“ nach der anderen geführt, um die „Nahrungsfreiheit zu erringen“. Den Winter über war in den Dörfern ein „Aufklärungsfeldzug“ geführt worden, und nun gelte es , so der Anzeiger, zu handeln und mehr Öl- und Faserpflanzen anzubauen und die Zahl der Schafe beträchtlich zu erhöhen. Die Ortsbauernführer hatten dafür zu sorgen, dass in jedem Dorf Tafeln angebracht wurden, „die fortlaufend mit anschaulichen Bildberichten die Erzeugungsschlacht vor Augen führen“ sollten. Unter der Parole „Durch die Dorfgemeinschaft zur Volksgemeinschaft“ wurde die ideologische Arbeit vorangetrieben. „Dorfabende“ sollten alle Einwohner „zu heiteren und ernsten Stunden vereinigen“ und „das angestammte Brauchtum pflegen“. Auch sei es an der Zeit, meinte der Pirnaer Anzeiger, an die Einführung einer einheitlichen Tracht der sächsischen Bäuerinnen zu denken. Äußerst widersprüchlich wirkte sich das Erbhofgesetz aus. 1935 zählte man in Sachsen über 35.000 Erbhofbauern. Ihnen waren Erbteilung und Verkauf des Hofes verboten. Erlaubt war nur die Aufnahme von Personalkrediten, nicht aber die Belastung der Wirtschaft für die Modernisierung. Das schwächte auf lange Sicht die Wirtschaftlichkeit der Bauernhöfe.