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„Zu unattraktiv für junge Lehrer“

Sachsen kann zum Schulhalbjahr 70 neue Lehrerstellen nicht besetzen, weil es dafür nicht genügend Bewerber gibt. Der Landeselternrat ist entsetzt.

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© Symbolbild: dpa

Dresden. Sachsen kann zum Schulhalbjahr 70 neue Lehrerstellen nicht besetzen, weil es dafür nicht genügend Bewerber gibt. Diese Information der Sächsischen Bildungsagentur, über die die SZ berichtet hat, hat vielfach für Entsetzen gesorgt. Sachsen müsse dringend für Lehrer attraktiv gemacht werden, fordert der Landesschülerrat. Der vom Kultusministerium verbreitete Slogan „Lehrer werden in Sachsen. Aus Überzeugung.“ reiche definitiv nicht, heißt es. Auch das Sachsenstipendium sei zwar ein guter Schritt, könne dem Bedarf jedoch nicht kurzfristig gerecht werden. Die Schülervertretung fordert eine „deutliche Anpassung“ der in den westlichen Bundesländern gezahlten Gehälter, spricht sich aber gegen Lehrer-Verbeamtung aus.

Die Bildungspolitikerin der Linken, Cornelia Falken, sieht eine „verfehlte Personalpolitik des Kultusministeriums“. Zudem sei das Einstellungsverfahren selbst unattraktiv, weil den Bewerbern jeweils nur ein Angebot unterbreitet würde. Nähmen sie das nicht an, fielen sie aus dem Verfahren heraus, kritisiert sie.

Jetzt brauche es echter und nachhaltiger Reize im Wettbewerb mit den anderen Bundesländern und gezielter Ausbildungsoffensiven an Universitäten, reagiert der Landeselternrat auf das Eingeständnis eines eklatanten Lehrermangels. Aus Sicht der Eltern seien zudem die Zeiten vorbei, da Gehaltsunterschiede zwischen den einzelnen Schularten gerechtfertigt sind. „Der Aufwand und die Arbeitsleistung sind heute in allen Schularten gleich anspruchsvoll“, heißt es in einer Pressemitteilung des Gremiums. Höherstufungen sollten nicht starr nach Jahren, sondern nach Bedarf und leistungsorientiert erfolgen, lautet ein Vorschlag. In Bezug auf das Einstellungsverfahren müssten die Bildungsagenturen neue Wege beschreiten. „Mögliche Bewerber sollten umsichtiger behandelt werden und längere Bedenkzeiten bekommen, um sich mit ihren künftigen Einsatzorten vertraut zu machen.“

Allerdings könnten auch Eltern Unterstützung geben, so ein Appell der obersten Elternvertretung, indem sie Kooperationen förderten, den Pädagogen mehr Wertschätzung und Akzeptanz in der Gesellschaft verschafften und selbst mit für ein gutes Schulklima sorgen. (SZ/cl)