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Zu viel Glühwein in den Adern

Viereinhalb Jahre nach einer alkoholbeschwingten Eselei auf einem Weihnachtsmarkt endet der Prozess gegen zwei gestandene Männer.

Nach viereinhalb Jahren wurden zwei mutmaßliche Käsediebe in ihrem Berufungsprozess am Landgericht Dresden freigesprochen. Angeblich sollen sie die Plane eines Weihnachtsmarkt-Standes in der Hauptstraße aufgeschnitten haben.
Nach viereinhalb Jahren wurden zwei mutmaßliche Käsediebe in ihrem Berufungsprozess am Landgericht Dresden freigesprochen. Angeblich sollen sie die Plane eines Weihnachtsmarkt-Standes in der Hauptstraße aufgeschnitten haben. © Symbolbild: Rene Meinig

Dresden. Was um Gottes willen treiben zwei Männer um die 30 morgens gegen halb vier auf dem Weihnachtsmarkt in der Neustadt? Die Stände hatten an jenem 22. Dezember 2015 schon seit Stunden geschlossen, doch den beiden Kerlen soll angeblich ein Schalk im Nacken gesessen haben, wofür nicht zuletzt auch ein übermäßiger Glühwein-Genuss eine gewisse Mitverantwortung trug. Und so versteckten sich die Männer zwischen Pfefferkuchen-Buden und Räuchermännel-Ständen, liefen kreuz und quer und hatten allerhand zu feixen.

Am Montag endete am Landgericht der Prozess in der zweiten Instanz gegen die inzwischen 33 und 35 Jahre alten Deutschen. Sie hatten sich wegen versuchten Diebstahls mit Waffen verantworten müssen. Laut Anklage sollen sie versucht haben, aus einem Stand, dessen Plane sie aufgeschnitten hätten, ein Stück Käse zu entwenden. Zu allem Überdruss hatte einer der Männer auch noch ein Reizgas-Sprühgerät bei sich.

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Spaß mit den Wachmännern?

Zwei Jahre nach dieser Eselei standen die mutmaßlichen Käsediebe erstmals vor dem Amtsgericht Dresden. Dort behaupteten sie, sie hätten ihren Schabernack mit den Wachmännern getrieben, hätten sie ärgern wollen. So seien sie in der Hauptstraße um die Buden geschlichen und hätten "haschen gespielt".

Ihr Pech war nicht allein, dass sie tatsächlich gefasst wurden – es war auch noch ein offensichtlich frischer Schnitt in einem Käsestand entdeckt worden. Damals waren die Wachleute sicher, dass ihnen bei ihrem letzten Kontrollgang gerade eine halbe Stunde zuvor dieser Schnitt nicht aufgefallen sei.

Nicht nur wegen des nicht gestohlenen Käses hatte der Fall ein gewisses Geschmäckle. Und so hatten damals sowohl Verteidiger Peter Konzuch als auch die Staatsanwaltschaft Freisprüche für die Angeklagten gefordert. Zwar sei ihre Version, sich mit den Wachmännern zu necken, ungewöhnlich, doch andererseits hatten sich auch keine klaren Spuren mit Belastungspotenzial finden lassen. Der Richter sah das jedoch überraschend anders. Einer der Angeklagten erhielt eine Geldstrafe von 200 Euro, der andere eine Verwarnung.

Auch ein Wachmann könnte genascht haben

Wieder zweieinhalb Jahre später fand nun die Berufungsverhandlung am Landgericht Dresden statt. Auch dort blieben die Angeklagten bei ihrer Geschichte – doch die Wachmänner, besser: ehemaligen Wachmänner, klangen nun ganz anders. Im ersten Prozess hatte einer gesagt, 2015 habe es 20 bis 30 Einbrüche in Weihnachtsmarkt-Stände gegeben, jetzt sagte er, solche Taten kämen nicht so häufig vor.

Es war in dieser zweiten Instanz weiter ebenfalls unklar, wann in jener Nacht überhaupt der letzte Kontrollgang stattgefunden hatte, bevor die beiden Spaßvögel gefasst wurden, und ob da die Plane des Käsestands tatsächlich noch unversehrt gewesen war. Einer der beiden früheren Wachmänner sagte im Zeugenstand, er könne nicht einmal ausschließen, ob nicht auch sein damaliger Kollege am Käse genascht habe.  

Wieder forderten Verteidiger Konzuch und Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt Freisprüche – doch nun folgte ihnen auch die Berufungskammer.

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