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Öffentlicher Dienst: Zu viel sparen ist schädlich

Wer dazu beiträgt, dass unsere Gemeinschaft funktioniert, muss außer Lob auch ein Lohnplus bekommen - auch in Corona-Zeiten. Ein Kommentar.

Georg Moeritz ist Redakteur im Wirtschaftsressort der Sächsischen Zeitung.
Georg Moeritz ist Redakteur im Wirtschaftsressort der Sächsischen Zeitung. © dpa/SZ

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Deutsche Beamtenbund fordern 4,8 Prozent mehr Geld für Erzieher, Müllwerker und andere Beschäftigte der Städte und Gemeinden. So viel wird es nicht geben, das wissen auch die Forderer. Denn in den Rathäusern wird das Geld weniger, weil wegen Corona zum Beispiel die Gewerbesteuern nachlassen.

Vor zwei Jahren haben die Gewerkschaften 7,5 Prozent Gehaltserhöhung durchgesetzt. Damals war Wirtschaftswachstum, jetzt ist Krise. Die Inflation ist auch zum Stillstand gekommen, also müssen die Bürgermeister derzeit keine stark steigenden Lebenshaltungskosten ihrer Mitarbeiter ausgleichen.

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Starke Argumente

Dennoch haben Verdi und Beamtenbund starke Argumente dafür, dass es Gehaltserhöhungen auch in der Corona-Krise geben muss. Das Zauberwort „Systemrelevanz“ hat manchen Angestellten die Betreuung ihrer Kinder gesichert, außerdem Anerkennung mit Worten. Wer dazu beiträgt, dass unsere Gemeinschaft funktioniert, muss außer Lob auch ein Lohnplus bekommen. Dass im Osten noch immer 40 Stunden Wochenarbeitszeit statt 39 wie im Westen geleistet werden, lässt sich nicht mehr rechtfertigen.

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