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Zu viele Pferdeäpfel am Rotstein?

Pferde machen Dreck. In Sohland ist das zum Ärgernis für einige Bürger geworden.

Von Steffen Gerhardt

Dass Sohland mehr Pferde als Einwohner hat, hält sich hartnäckig als Gerücht. Zumindest bei den Bürgern, die die Hinterlassenschaften der Vierbeiner mit boshafter Beständigkeit vor ihrem Grundstück haben. Dass Pferdeäpfel auf den Straßen und Wegen ihr ständiger Wegbegleiter sind, das nervt eine Sohländerin besonders. Auch wenn sie aus Gründen der eigenen Sicherheit ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ist sie doch zumindest in dem Rotsteinort bekannt dafür, dass sie auf Ordung und Sauberkeit achtet. Sie ist nicht allein, aber auch ihre Mitstreiter halten sich gegenüber der Presse bedeckt. Ist es nun wirklich an dem, dass Sohland von den Pferden „zugeschissen“ wird?

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Bei unserer Recherche am Dienstag ist festzustellen, dass Sohland Reitern viele Möglichkeiten bietet, hoch zu Ross durch Wiesen und Wälder um den Rotstein zu streifen. Ausgeschilderte Reitwege erleichtern die Orientierung und die sechs offiziellen Reiterhöfe geben Pferdeliebhabern die Möglichkeiten, ihr Pferd in Sohland in Pension zu lassen. Einer der Inhaber ist Jan Kowallik, der mit seiner Lebenspartnerin Liane Tschüter den Gasthof „Linde“ vor drei Jahren zum Pferdehof umgebaut hat. Für die Pferde wurde eigens ein Stall angebaut und darin stehen auch Pensionspferde. Auf das leidliche Problem der Pferdeäpfel angesprochen, sagt Jan Kowallik, dass jeder Pferdehalter in der Verantwortung steht, die Hinterlassenschaften seiner Tiere zu beseitigen. „Wenn wir ausreiten und auf der Straße bleibt etwas liegen, sammeln wir es später mit dem Auto ein. Daran sind auch unsere Gäste gehalten, die bei uns ihre Pferde stehen haben“, sagt der junge Mann und verweist auf seine im Pferdestall angeheftete Verordnung.

Was dem Paar aufgefallen ist, sind die Kutschen. Meist mit zwei Pferden bespannt, machen sie nicht nur den doppelten Dreck wie ein Pferd, auch die Kutscher gehen sorgloser mit den Hinterlassenschaften ihrer Pferdestärken um. Das ist besonders an den Wochenenden festzustellen. Denn beim Besuch der SZ in Sohland am Dienstag war von Pferdeäpfeln auf den Straßen und Wegen nicht viel zu sehen. Ein paar ausgewaschene Häuflein als Reste vom Wochenend-Ritt gab es hier und da, aber auch nicht mehr als in anderen Orten.

Schließlich, und darauf verweist Ortsvorsteher Wilfried Zinke, „leben wir auf dem Dorf, und da gehören Pferde wie auch andere Tiere einfach dazu“. An seinem Grundstück kommen oft Reiter vorbei. „Lassen die Pferde etwas fallen, dann hole ich es mir als Dunk für den Garten“, sagt Zinke. Ein Brauch, der in Sohland wohl nicht mehr sehr verbreitet ist. Ursula und Wilfried Seifert haben die Erfahrung gemacht, dass der einst für die Beete begehrte Dünger kaum noch gefragt ist. „Eher regen sich die Leute auf, wenn etwas liegenbleibt, als sich die Pferdeäpfel für ihren Garten zu holen“, sagt die Pferdehalterin.

Im Ordnungsamt der Stadt Reichenbach kennt man die Probleme mit den Tierhaltern nicht nur in Sohland. Aber dass es schon Anzeigen wegen der Pferdeäpfel gegeben hat, bestätigt das Amt nicht. Es ist auch schwer so ein Vergehen anzuzeigen, denn zu jedem Haufen müssten Ross und Reiter benannt werden. Für die Sohländerin ist das auch schwierig, denn nicht immer erwischt sie einen Reiter, der sich nicht um die Hinterlassenschaften seines Pferdes kümmert. „Nicht, dass ich etwas gegen Pferde habe“, sagt sie und zeigt auf ihr eigenes Pony im Garten. Auch ein Hund aus dem Tierheim gehört ihr. Sie liebt Tiere und kann es deshalb nicht verstehen, wenn verantwortungslos mit ihnen umgegangen wird und andere Menschen davon betroffen sind. Daher wird sie weiter ein wachsames Auge in ihrem Ort haben.