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Mangel an Löschwasser und jungen Rettern

Für Roßwein liegt jetzt ein neuer Brandschutzbedarfsplan vor. Doch es dauert, das zu kaufen, was fehlt – auch deshalb, weil das Fördergeld zu knapp ist.

Der Löschteich in Wettersdorf gehört zu den Wasservorräten, auf die die Stadt Roßwein bei der Löschwassrversorgung nicht verzichten kann.
Der Löschteich in Wettersdorf gehört zu den Wasservorräten, auf die die Stadt Roßwein bei der Löschwassrversorgung nicht verzichten kann. © Dietmar Thomas

Roßwein. Ohne Brandschutzbedarfsplan kein Fördergeld. Doch das Papier ist keine Garantie dafür, dass das für Neuanschaffungen benötigte Geld auch wirklich zur Verfügung steht. Das merken die Roßweiner jetzt.

Vor der Sommerpause haben die Räte den Brandschutzbedarfsplan beschlossen. Der sagt als einen wesentlichen Punkt aus, „dass das vorhandene Hydrantensystem, die Zisternen und Löschteiche nicht so viel Löschwasser hergeben, wie benötigt wird“. Das ist Roßweins Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) zufolge eine Kernaussage dessen, was ein Fachbüro ermittelt hat.

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Die nächste Kommune klagt: Förderung reicht nicht aus

Neu ist der Kommune dieses Ergebnis nicht. Daher haben sich die Stadträte schon im vergangenen Jahr entschieden, mit anderen Kommunen Fahrzeuge mit Wassertank über eine Sammelbestellung anzuschaffen. Auf diesem Weg sollen alle ein wenig Geld sparen.

Doch insgesamt reicht das noch nicht. „Wir hoffen, dass Fördergeld nicht in Anspruch genommen wird und wir davon profitieren können“, erklärte der Rathauschef. 

Leisnig zum Beispiel kann es sich wegen zu geringer Unterstützung nicht leisten, den alten Rüstwagen – bereits ein Oldtimer – durch ein neues Fahrzeug zu ersetzen und musste beantragtes Fördergeld zurückgeben (Sächsische.de berichtete).

 Roßweins Bürgermeister hofft, dass er im September/Oktober einen Bescheid über eine höhere Förderquote bekommt. Dann könnte die Technik ausgeschrieben werden. 

Fahrzeug rollt frühestens 2022 vor

„Aber wann steht das Fahrzeug dann zur Verfügung?“, wollte der Gleisberger Ortsvorsteher und Stadtrat Bernd Handschack (CDU) von Lindner wissen. 

Der weiß darauf keine Antwort. „Ich denke, der Auftrag kann im Sommer 2021 vergeben werden. Damit wäre eine Lieferung 2022 realistisch“, so Lindner.

Im Anschluss steht Roßwein schon mit der nächsten Bedarfsmeldung in der Tür: „Die Stadtwehr braucht einen neuen Tanker“, sagt der Bürgermeister.

Auch Zisternen und Teiche werden gebraucht

Allein mit Fahrzeugen mit einem Löschwasservorrat ist der Bedarf aber nicht zu decken. Der Bau von Zisternen kann eine Lösung sein. „Wo, das müssen wie erst einmal sehen“, so Lindner. 

Festhalten wolle die Kommune auch an ihren Löschteichen. Da gibt es vor allem in den Ortsteilen einige – und nicht überall ist die Vorhaltung problemlos. Ab und an trocknen Teiche aus oder laufen durch Defekte leer. Manchmal kippen die Gewässer, weil das Ökosystem nicht stimmt oder die Pflege nicht zu bewältigen ist.

Solange es ein Defizit an Löschwasser gibt, ist der Alarmierungsplan so „gestrickt“, dass bei Bränden auch umliegende Wehren mit Löschwasservorräten alarmiert werden und es dann gelingen muss, Wasser über längere Strecken zum Unglücksort zu befördern

Das erklärte Udo Hoffmann, der stellvertretende Roßweiner Gemeindewehrleiter, den Gleisbergern in einer Ortschaftsratssitzung. In dieser Runde waren Befürchtungen laut geworden, dass die Ortswehr im Ernstfall ohne Löschwasser dastehen könnte.

Ortswehren könnten aussterben

Für die Feuerwehr Gleisberg ist das rund 400.000 Euro teure Fahrzeug bestimmt, das jetzt auf der Sammelbestellliste steht. Gleisberg und Roßwein sind die einsatzstärksten Wehren. „Alle anderen sind tagsüber zumeist abgemeldet und stehen vor allem wochentags erst nach 17 Uhr zur Verfügung“, so Lindner.

Damit spricht der Bürgermeister den zweiten Schwerpunkt des Brandschutzbedarfsplanes an: fehlender Nachwuchs. „Wenn der dauerhaft ausbleibt, dann ist die Auflösung der einen oder anderen Ortswehr programmiert“, sagt er. Darauf und den wahrscheinlichen massiven Mangel an Einsatzkräften hat Gemeindewehrleiter Wolfram Schirmer die Stadträte schon vor Jahren hingewiesen.

Die Kommune selbst könne Lindner zufolge wenig tun, junge Leute für die Feuerwehr zu begeistern. Deshalb sei sie den aktiven Helfern dankbar dafür, dass sie junge Leute ansprechen und ausbilden.

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