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Zu wenig Wasser im Hydranten

Die Feuerwehr hat ein Problem. Helfen könnte eine geniale Erfindung. Die ist preiswert, aber nicht überall einsetzbar.

Von Holger Gutte

Tanklöschfahrzeuge werden vor allem in Dörfern immer wichtiger. Nicht weil es mehr Brände gibt, sondern in immer mehr Bereichen zu wenig Löschwasser. Um herauszufinden, wie es mit dem Löschwasser in ihrer Gemeinde aussieht, hatte Olbersdorf jetzt die Firma für Brandschutz- und Sicherheitstechnik (BAD) aus Zittau beauftragt. Das Ergebnis ist für die Kameraden der Feuerwehr im Ort nicht überraschend, allerdings für die Gemeinderäte. In deren jüngster Sitzung ist das Untersuchungsergebnis vorgestellt worden. An den Hydranten im Ort liegt zwar ausreichend Trinkwasser, an vielen aber viel zu wenig Löschwasser an, schildert BAD-Mitarbeiter Holger Wiedemann.

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Das liegt daran, dass das Löschwasser an den Hydranten aus der Trinkwasserleitung entnommen wird. Die Sowag ist verpflichtet den Bedarf an Trinkwasser abzudecken, nicht aber den für Löschwasser. Und der ist im Ernstfall um ein Vielfaches höher. Je nach der Bebauung, muss an den Hydranten in Olbersdorf für die Dauer von zwei Stunden zwischen 48 und 96 Kubikmeter Wasser zum Löschen anliegen. Tatsächlich sind es nach Angaben der Sowag aber nur 24 Kubikmeter.

Ändern wird sich die Situation an den Hydranten nicht. Die Leitungen mit mehr Wasser füllen, bringt nichts. „Wir müssen frisches und kein abgestandenes Wasser liefern“, sagt Sowag-Geschäftsführerin Heike Neumann. Mehr Wasser wird aus den Hydranten also nicht mehr rauszuholen sein. Den Bedarf an Löschwasser dennoch abzudecken, ist Sache der Kommunen.

In Olbersdorf sind vor allem Randbereiche davon betroffen. Viel zu wenig Löschwasser geben die Hydranten im Bereich des Uhrenmuseums am Kaltenstein, am Niederviebig und zwischen dem Wendeplatz bis Niederoybin her, ebenso auf einigen Lagen der Hagelsburg, am Schafstall und am Jungrinderstall.

Warum weniger Wasser anliegt, begründet der BAD-Mitarbeiter mit sinkenden Einwohnerzahlen und dem Wegfall von Firmen in den letzten Jahren. Dadurch ist entsprechend der Wasserbedarf gesunken, meint er. Noch vor 15 Jahren sei in Olbersdorf noch genügend Löschwasser vorhanden gewesen, schildert Bürgermeister Andreas Förster (FDP).

Ein generelles Problem in Dörfern

Zumindest für Olbersdorf trifft das aber nicht so richtig zu. Der Wasserverbrauch ist dort in den letzten 15 Jahren nicht so dramatisch gesunken. „Trotz rückläufiger Einwohner haben wir in Olbersdorf einen vergleichsweise stabilen Verbrauch“, berichtet die Sowag-Geschäftsführerin. Wurden 1998 noch 246 000 Kubikmeter verkauft, sind es 2013 immerhin noch 221 000 gewesen. Der Rückgang beträgt also nur reichlich zehn Prozent. Im gesamten Altkreis Löbau-Zittau sieht das jedoch anders aus. „In unserem Versorgungsgebiet – ohne die Städte Löbau und Zittau – beträgt der Rückgang etwa 17 Prozent. Derzeit verkauft die Sowag pro Jahr etwa drei Millionen Kubikmeter Trinkwasser. Auch die teilweise Verjüngung von Leitungen macht sich nicht so bemerkbar, schildert sie, da es sich nur um einen kleinen Prozentsatz des Netzes handelt.

Die Löschwassersituation ist kein reines Olbersdorfer Problem. „Davon betroffen sind vor allem Dörfer“, berichtet der stellvertretende Kreisbrandmeister , Rolf Faltin. Und hier sind es oft Randgebiete beziehungsweise abgelegene Grundstücke, wie etwa in einigen Ortsteilen von Großhennersdorf. Einige Kommunen haben sich bereits vor Jahren auf die Situation eingestellt. So sind beispielsweise in Hirschfelde, in Oppach und in Bertsdorf-Hörnitz unterhalb der Koitsche Löschwasserteiche angelegt worden. An der Schule in Oderwitz und in Hirschfelde wird zusätzlich Wasser in Zisternen vorgehalten. Diese Möglichkeit hat der Landkreis auch in Olbersdorf für die neue Förderschule genutzt. In Lückendorf ist erst in diesem Jahr eine Zisterne fertiggestellt worden.

Auch in Olbersdorf wird überlegt, wie das Löschwasserproblem im Ort gelöst werden kann. Möglichkeiten gibt es mehrere. Helfen könnten Staustellen entlang des Goldbaches, Teiche, Brunnen und Tanklöschfahrzeuge. „Der Bürger braucht keine Angst haben, dass wir kein Löschwasser haben, wenn es bei ihm brennt“, sagt Wehrleiter Matthias Tschirner. Mit ihrem Tanklöschfahrzeug und ihrem Löschfahrzeug kann die Wehr immer mit insgesamt 3 000 Liter Wasser an Bord ausrücken. Und wenn abzusehen ist, dass das nicht reicht, kommen die Nachbarfeuerwehren mit ihren Löschfahrzeugen zu Hilfe. Parallel werden zudem immer auch Schlauchleitungen zum nächsten Hydranten gelegt. „Es ist ja nicht so, dass nichts rauskommt“, sagt er.

Nur auf Löschfahrzeuge verlassen, will sich die Gemeinde Olbersdorf aber auch nicht. Für dieses Jahr wird es sicherlich nicht mehr möglich sein. Aber zumindest im Planansatz für den Haushalt für 2015 soll der Kauf einer Zisterne vermerkt sein, schildert Michael Noack. Er ist in Olbersdorf für das Sachgebiet Brandschutz zuständig. Allerdings kostet so ein Tiefbehälter 80 000 Euro. Bis zu 60 Prozent der Summe stehen an Fördermitteln in Aussicht.

Alte Staustellen sind weg

Kurzfristig bedienen sich die Olbersdorfer jetzt einer genialen Erfindung. Die Gemeinde will sich mobile Staustellen zulegen. Damit wäre zumindest das Wasserproblem entlang des Goldbaches gelöst. „Früher ist der Bach in regelmäßigen Abständen künstlich angestaut gewesen“, erzählt Wehrleiter Tschirner. Das Prinzip war einfach: rechts und links am Ufer waren beispielsweise U-Eisen eingelassen, und dann mit Brettern verbunden worden. Spätestens aber seit der Hochwasserkatastrophe 2010 sind viele verschwunden oder unbrauchbar. Solche Staustufen bergen zudem das Risiko von Ansandungen im Bach.

Dieses Problem gibt es bei einer mobilen Staustelle nicht. Den Tipp hierfür haben die Olbersdorfer bei der MDR-Sendung „Einfach genial“ bekommen“. Da ist sie als neue patentierte Erfindung einer Firma aus dem Erzgebirge vorgestellt worden. Es sind zwei miteinander verbundene Wände, die man im 45-Grad-Winkel aufklappt. Unten sind sie mit Folie verbunden, sodass das Wasser auch wirklich gestaut werden kann. „Wir haben es an einem Sonnabend an zwei Stellen am Goldbach ausprobiert. Es hat super funktioniert“, sagt Michael Noack. So eine mobile Staustelle gibt es als Satz in drei verschiedenen Größen für 2 500 Euro. Olbersdorf will jetzt zwei kaufen. „Damit haben wir dann auf beiden Feuerwehrfahrzeugen immer einen Satz an Bord“, berichtet der Wehrleiter. Für Bertsdorf-Hörnitz ist ebenfalls ein Satz bestellt worden, fügt Michael Noack hinzu.