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Meißen

Zu wenig Zinsen gezahlt?

Die Verbraucherschützer im Kreis helfen bei der Musterklage gegen die Sparkasse Leipzig. Das könnte Meißner Prämiensparern helfen.

Die Sparkasse Meißen steht zusammen mit weiteren sächsischen Sparkassen am Pranger. Sie soll nach Ansicht der Verbraucherzentrale Sachsen (VZS) den Prämiensparern zu wenig Zinsen gezahlt haben.
Die Sparkasse Meißen steht zusammen mit weiteren sächsischen Sparkassen am Pranger. Sie soll nach Ansicht der Verbraucherzentrale Sachsen (VZS) den Prämiensparern zu wenig Zinsen gezahlt haben. © Claudia Hübschmann

Meißen. Einen solchen Andrang hat Albrecht Reichardt vom Meißner Büro der Verbraucherschutzzentrale Sachsen (VZS) noch nicht erlebt. Bei den Leipziger Kollegen musste er jetzt aushelfen, um Prämiensparer der dortigen Sparkasse zu beraten.

Die VZS hilft ihnen, sich gegen eine pauschale Gebühr von 40 Euro schnell, sicher und unkompliziert in das Klageregister auf der Internetseite des Bundesamtes für Justiz einzutragen. Auf diese Weise können die Verbraucher an einer sogenannten Musterfeststellungsklage gegen die Sparkasse Leipzig teilnehmen. Der Ausgang dieses Verfahrens dürfte auch für die Prämiensparer der Sparkasse Meißen mit Sitz in Riesa bedeutend sein.

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Das Ausgangsproblem ist schnell erklärt: Vor rund zwei Jahren begannen mehrere sächsische Sparkassen, Prämiensparverträge zu kündigen, zum Beispiel den von Helga Mehnert aus einem Dorf im Landkreis Meißen. Für die alte Dame, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, war es bis dahin jedes Jahr eine Freude, wenn der Brief mit den Informationen zum Prämiensparen von der Sparkasse kam. 

75 Euro hatte sie zuvor monatlich bei dieser speziellen Geldanlage eingezahlt. Die Zinsen fielen in letzter Zeit eher bescheiden aus. Aber die Prämie, die konnte sich mehr als sehen lassen: Am Ende jedes Jahres gab es auf die in den vorangegangenen zwölf Monaten angesammelte Summe einen Bonus von 50 Prozent, macht 450 Euro. Mit diesem Geld konnte Helga Mehnert Weihnachtsgeschenke kaufen oder sich einen Wunsch erfüllen.

Dann jedoch war damit plötzlich Schluss. Die Sparkasse Meißen beendete im Juli vor zwei Jahren ihren Sparvertrag. Und dies nach rund 23 Jahren.

So wie Helga Mehnert geht es Tausenden, vermutlich Zehntausenden Sparkassenkunden in ganz Sachsen. „Deshalb haben wir die erste Musterfeststellungsklage im Freistaat Sachsen auf den Weg gebracht“, sagt Karolin Reiber, die Leiterin des Meißner VZS-Büros. 

Bundesweit handelt es sich um den zweiten Fall in diesem speziellen Rechtsverfahren. Die Musterfeststellungsklage war anlässlich des VW-Abgasskandals im November 2018 ins deutsche Recht eingeführt worden, um geschädigten Verbrauchern die Durchsetzung ihrer Ansprüche ohne großen finanziellen Aufwand zu ermöglichen.

In dem aktuellen Streit mit der Leipziger Sparkasse geht es um nicht ordnungsgemäße Zinsanpassungen in den Langzeitsparverträgen. Laut Verbraucherzentrale haben sich die Sparkassen nicht an die vom Bundesgerichtshof definierten Kriterien gehalten. „Wir haben landesweit rund 3 000 Verträge geprüft und festgestellt, dass im Schnitt 2 500 Euro zu wenig ausgezahlt wurden“, sagt eine Sprecherin. Bei der Sparkasse Leipzig seien es 3 400 Euro.

Für die Kunden der Meißner Sparkasse ist das Verfahren als Präzedenzfall interessant. Vermutlich dürfte sich das hiesige Geldinstitut an das Urteil halten. Die Musterfeststellungsklage endet laut Verbraucherzentrale Sachsen entweder mit einem Vergleich oder einem Urteil. Falle ein positives Urteil, könnten Verbraucher ihre Ansprüche eigenständig vor Gericht einklagen. Das Musterurteil vereinfache dieses Vorgehen. Gebe es einen Vergleich, könnten die Sparkassenkunden ebenfalls mit einem finanziellen Ausgleich rechnen.

Ein offener Punkt ist unterdessen die drohende Verjährung. Für die Verträge von Meißner Sparkassenkunden könnte diese mit Jahresende 2020 anstehen. „Im Interesse unserer Kunden setzen wir uns hier für einen Verjährungsverzicht durch die Sparkasse ein“, sagt Rechtsberaterin Katrin Thinius. Dies wäre aus ihrer Sicht nur fair und würde weiteren Ärger ersparen.

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