merken
PLUS

Meißen

Zu wenige Apotheken im Landkreis?

Was die Apothekenversorgung in Sachsen angeht, landet Meißen auf dem vorletzten Platz. Was das für Patienten heißt.

In Apotheken gehen nicht nur fertig abgepackte Arzneimittel über die Theke, es werden auch individuelle Rezepturen angefertigt und Patienten beraten. Die Sächsische Landesapothekerkammer sieht diese Leistungen in Gefahr durch eine aktuelle Entwicklung.
In Apotheken gehen nicht nur fertig abgepackte Arzneimittel über die Theke, es werden auch individuelle Rezepturen angefertigt und Patienten beraten. Die Sächsische Landesapothekerkammer sieht diese Leistungen in Gefahr durch eine aktuelle Entwicklung. © Jens Wolf/lsn

Landkreis. Auf 100 000 Menschen kommen im Erzgebirgskreis genau 27 Apotheken. Damit ist der Landkreis Spitzenreiter, was die Apothekendichte im Freistaat betrifft. Das hat eine aktuelle Erhebung des Statistischen Landesamtes Sachsen für das vergangene Jahr gezeigt. Am geringsten ist demnach die Dichte im Kreis Bautzen (20,2 Apotheken je 100 000 Einwohner), gefolgt vom Landkreis Meißen auf dem vorletzten Platz mit nur 21 Apotheken je 100 000 Menschen.

Aber was bedeuten diese Zahlen genau? Ist es für die Menschen im Kreis Meißen möglicherweise schwieriger, zeitnah ihre Medikamente zu bekommen? Die Sächsische Zeitung erhielt dazu Auskunft von Solveig Wolf von der Sächsischen Landesapothekerkammer in Dresden.

Erfüllen Sie sich Ihren Wohntraum
Erfüllen Sie sich Ihren Wohntraum

Eine Veränderung wäre doch gut, oder etwa nicht? Tipps zum Thema Einrichtung und Wohnen gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de. Ein Blick hinein lohnt sich!

Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Wie gut ist der Landkreis Meißen mit Apotheken versorgt?

Im Kreis Meißen gab es zum Stichtag 31. Dezember 2018 genau 51 Apotheken und 98 Apotheker. Bei der Apothekendichte liegt der Landkreis – wie übrigens schon im Jahr zuvor – vor Bautzen auf dem vorletzten Platz. Auf 100 000 Menschen kommen genau 21 Apotheken. Positiv entwickelt im Vergleich zu 2017 hat sich die Zahl der Apotheker: Diese ist um vier gestiegen.

© sz.grafik

Warum ist die Verteilung der Apotheken so unterschiedlich?

In Sachsen kämen im Durchschnitt 24 öffentliche Apotheken auf 100 000 Einwohner, erklärt Solveig Wolf. Und auch wenn die Verteilung der Apotheken unterschiedlich ist, gebe es „nach unserer Kenntnis gegenwärtig an keiner Stelle dramatische Defizite“. Ein Apotheker könne selbst entscheiden, wo er eine öffentliche Apotheke betreibe. Es gebe für Apotheken keine Bedarfsplanungen.

Die Ausstattung mit Apotheken sei immer auch abhängig von der ärztlichen Versorgung im jeweiligen Gebiet. „Wenn beispielsweise Fachärzte, die sich meist in größeren Städten angesiedelt haben, aufgesucht werden, werden häufig die Rezepte auch im Umfeld des Arztes eingelöst“, erklärt Wolf.

Wie kommen Menschen in entlegenen Regionen schnell an ihre Medizin?

Laut Landesapothekerkammer gilt ein Ort als abgelegen, wenn die Entfernung von dessen Mittelpunkt bis zur nächsten Apotheke mindestens sechs Kilometer beträgt. Außerdem darf es nicht möglich sein, die Arzneimittel in der nächstgelegenen Apotheke montags bis freitags vor- und nachmittags sowie samstagsvormittags nicht mindestens jeweils einmal in annähernd einer Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu beschaffen.

Sind diese Voraussetzungen gegeben, erlaubt die Landesapothekerkammer die Unterhaltung von Rezeptsammelstellen. Dort werden Verschreibungen in einem verschlossenen Behälter gesammelt und regelmäßig von einem Boten geleert und anschließend die Arzneimittel an den Empfänger ausgeliefert.

Im Landkreis Meißen gibt es zwölf Sammelstellen, zum Beispiel in Schönfeld, Stauchitz und Zabeltitz. Das sind etwa 26 Prozent aller genehmigten Rezeptsammelstellen im Direktionsbezirk Dresden. „Dadurch ist auch die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln im ländlichen Raum gesichert“, so Wolf. Liege die nächste Apotheke weniger als vier Kilometer entfernt, sei eine Rezeptsammelstelle grundsätzlich nicht erforderlich.

Lässt die Konkurrenz aus dem Internet Apotheken verschwinden?

Weiterführende Artikel

Warum dieser Mann keine Medikamente braucht

Warum dieser Mann keine Medikamente braucht

Viele beschweren sich über Liefer-Engpässe in Apotheken. Doch der Görlitzer Armin Müller sagt: Lebt gesünder, dann benötigt ihr keine Pillen. So wie ich.

Online-Apotheken betrachtet Solveig Wolf mit weniger Sorge als eine andere Entwicklung: „Wenn es ausländischen Versandapotheken gestattet wird, auf die Preise von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln Boni und Rabatte zu geben, sehen wir die Gefahr, dass ein nicht geringer Anteil der Patienten zu diesen abwandert.“ Das würde dann wirklich die wirtschaftliche Perspektive der traditionellen Vor-Ort-Apotheken verschlechtern. Leistungen wie Nacht- und Notdienst, die Anfertigung von individuellen Rezepturen oder die Abgabe von Betäubungsmitteln könnten dann nicht mehr kostendeckend erbracht werden. „Dies würde tatsächlich die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung rund um die Uhr, vor allem in ländlichen Bereichen, infrage stellen.“ Längere Wege zur nächsten Apotheke wären dann nicht zu vermeiden – vor allem auf dem Land.

Mehr zum Thema Meißen