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Fehlen E-Bike-Ladesäulen im Altkreis Riesa?

Elektrofahrräder erleben einen Boom. Doch Ladestationen sind in der Gegend rar. Andere Regionen im Land scheinen da weiter.

Peter Ephan und Horst Prochnau aus Hannover sind in Riesa auf dem Elberadweg unterwegs. Eine E-Bike-Ladesäule vermissen zumindest sie nicht.
Peter Ephan und Horst Prochnau aus Hannover sind in Riesa auf dem Elberadweg unterwegs. Eine E-Bike-Ladesäule vermissen zumindest sie nicht. © Sebastian Schultz

Region. Radtouristen vom Elberadweg gehören auch im Sommer dieses Jahres in Riesa zum Stadtbild. Viele sind inzwischen nicht mehr mit reiner Muskelkraft unterwegs, sondern lassen sich beim Treten von einem Elektroantrieb unterstützen. Pedelec nennt sich das, aber inzwischen haben sich der Begriff E-Bike oder auch Elektrofahrrad eingebürgert. Laut Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbands ist der Markt für diese Art von Rädern allein im vorigen Jahr um knapp 40 Prozent gewachsen; 2019 wurden demnach 1,36 Millionen E-Bikes abgesetzt.

Nicht zuletzt als Reaktion auf den E-Bike-Boom sind in Teilen Sachsens in jüngster Zeit E-Bike-Ladestationen im öffentlichen Raum entstanden. Beispielsweise rund um Bautzen. Dort hat der Energieversorger Enso unter anderem in Radeberg, Neukirch/Lausitz und Elstra in Zusammenarbeit mit den Gemeinden Ladesäulen errichtet. Auch am Spreeradweg in Sohland steht seit dem Frühjahr so eine Anlage (weitere Infos siehe unten).

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Doch wie sieht es am hiesigen Elberadweg aus – einem der meist befahrenen Fernradwege Deutschlands, auf dem sich mittlerweile auch reichlich E-Bikes tummeln? Hier sind öffentliche E-Bike-Ladesäulen bislang eher selten. Das sagt auch Heike Grunow, Koordinatorin für den südlichen Teil des Wegs zwischen Schöna und Dessau. Anders sei es in der Sächsischen Schweiz, etwa in Rathen oder Bad Schandau. Zwischen Dresden und Torgau hingegen seien ihr keine weiteren Ladestationen bekannt.

Tatsächlich gibt es auch in Riesa bisher keine öffentliche E-Bike-Tankstelle, bestätigen die Stadt und die Tourismus-Information. Allerdings böten Gastgeber wie Hotels und Pensionen den Gästen an, die Akkus über die normale Steckdose zu laden, so die Chefin der Riesa-Information, Heike Kandel. „Wir haben auch dieses Angebot und mehrere gastronomische Einrichtungen, zum Beispiel die Eisdiele am Mannheimer Platz.“ Doch zumindest was die Touri-Info angeht, sei die Nachfrage nach dem Aufladen von E-Bike-Akkus nicht besonders gestiegen. „Da die Räder ja auch größere Reichweiten haben und ein Aufladen beim Übernachten meist ausreicht“, so Kandel.

Telefonakku wichtiger als Fahrradbatterie

Das deckt sich mit dem, was E-Bike-Radler wie Peter Ephan und Horst Prochnau erzählen: „Wir nehmen die Akkus mit ins Hotelzimmer und laden die über Nacht, wenn wir schlafen. Die Ladung langt dann mindestens einen Tag.“ Gesonderte Ladesstationen für ihre Elektroräder brauchen die beiden Hannoveraner nicht, sagen sie beim Stopp auf Riesas Boulevard. „Auch wenn das Schnellladestationen wären, müssten wir ja dann eine Stunde dasitzen und warten.“

Genau das führen Befürworter solcher Stationen allerdings als Vorteil ins Feld: Anhalten, rasten, sich die Stadt ansehen, während gleichzeitig der Akku lädt – dazu sollen E-Bike-Ladestationen einen Anreiz setzen und so den Tourismus vor Ort ankurbeln. Aber braucht es dafür wirklich gesonderte Säulen im öffentlichen Raum?

Für den Sprecher von Sachsen-Ableger des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs Konrad Krause eher nicht. Er halte den Aufbau solcher Stationen „im großen und ganzen für Aktionismus.“ In Torgau sei der ADFC in Planungen für so eine Station am Schloss Hartenfels einbezogen gewesen. Bei der Diskussion um das Projekt habe sich gezeigt, dass Lademöglichkeiten für Handys für viele Radfahrer deutlich wichtiger seien. Viele würden ihr Smartphone zum Navigieren nutzen, was wiederum viel Strom verbrauche. Ein leerer Telefonakku sei viel wahrscheinlicher – und auch misslicher – als ein leerer E-Bike-Akku am Elberadweg mit seinem ohnehin eher flachen Höhenprofil.

Insofern sei es wichtig, dass Radler an der Strecke ihr Handy aufladen könnten. Und das möglichst, ohne extra dafür bezahlen zu müssen. Den Fahrradakku könne man dann beim Übernachten kostenfrei laden, sagt auch Konrad Krause. In sogenannten Bett-and-Bike-Unterkünften gehöre das zum Standard, genauso wie eine sichere Parkmöglichkeit für die mitunter mehrere Tausend Euro teuren Elektrofahrräder. Zu diesen zertifizierten Gastgebern zählen in der Region zum Beispiel der Landgasthof Zum Roß in Diesbar, das Mercure Hotel in Riesa, die Pension Fischer in Zschepa und allein vier Unterkünfte in Strehla.

Was laut Konrad Krause am Elberadweg aber noch wichtiger sei: der Ausbau des Wegenetzes. Da sei an manchen Stellen noch Luft nach oben.

>> Wie funktionieren die Ladesäulen für Elektroräder in der Bautzener Gegend?

Äußerlich erinnern die E-Bike-Ladestationen der Enso an Gepäckschließfächer wie auf Bahnhöfen. In den Boxen können laut dem Energieversorger neben dem Akku auch das Ladegerät, Fahrradhelm und Rucksack verstaut werden. Gesichert ist das jeweilige Fach über ein Münzpfandschloss. Den Strom stellen die jeweiligen Kommunen den Radfahrern laut Enso kostenfrei zur Verfügung. Die Errichtung der Säule in Sohland hat 5.000 Euro gekostet.

>> Kann man Stromtankstellenfür Autos fürs E-Bikes aufrüsten?

Riesas Stadtwerke haben im Stadtgebiet inzwischen elf Stromtankstellen für Autos mit 24 Ladepunkten eingerichtet. Die Stationen befinden sich unter anderem am Rathausplatz und am Parkplatz vorm Riesenhügel – und damit auch in der Nähe der Streckenführung Elberadwegs. Sie als E-Bike-Ladesäulen zu erweitern sei aber nicht möglich, teilt das städtische Tochterunternehmen auf Nachfrage mit.

>> Gibt es ein Verzeichnis mit E-Bike-Ladestationen in der Region?

Unter anderem findet sich auf der Seite www.fahrrad.de, einem Onlinehandel für Fahrräder, eine Karte mit E-Bike-Ladestationen in Deutschland ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Der Überblick zeigt, dass die Dichte der eingetragenen Stationen im äußersten Westen und im Süden am höchsten ist, im Nordosten ist sie am geringsten. Neue Ladestationen können per E-Mail an den Seitenbetreiber gemeldet werden. Die Koordinatoren des Elberadwegs wollen bis Jahresende eine eigene Karte mit Lademöglichkeiten entlang der Fernradroute schaffen. Einbezogen werden sollen öffentliche Ladesäulen aber auch Unterkünfte entlang der Route, die das Aufladen ermöglichen. Die Übersicht soll über die Internetauftritte des Elberadwegs abrufbar werden. (SZ)

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