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Züchter will mit Gemeinde auskommen

Es ist nicht gerade das, was Otto Normalverbraucher unter Ordnung versteht, wenn er bei Matthias Franke-Booch den Stall betritt. Aber dass seine Tiere mal ein Fall für den Tierschutz werden, das ist kaum vorstellbar.

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Von Kerstin Fiedler

Es ist nicht gerade das, was Otto Normalverbraucher unter Ordnung versteht, wenn er bei Matthias Franke-Booch den Stall betritt. Aber dass seine Tiere mal ein Fall für den Tierschutz werden, das ist kaum vorstellbar. Die Tiere sind gesund, bestätigten der zuständige Tierarzt aus Malschwitz genauso wie das Veterinäramt des Landkreises. Die SZ verabredete sich mit dem Schweinezüchter, um zu sehen, was an den Behauptungen der Kleinbautzener dran ist. In einem Gespräch mit der SZ äußerte sich auch der Malschwitzer Bürgermeister nicht gerade positiv über den noch relativ neuen Mitbürger.Ein (allerdings anonymer) Anrufer vermittelte die SZ zu Franke-Booch. Zum Vor-Ort-Termin kam auch Christfried Wiedemuth. Er arbeitet im Amt für Landwirtschaft Löbau. Dienstlich kann er dem Tierzüchter jedoch nicht helfen. „Er ist kein richtiger Landwirt. Dazu fehlen ihm nämlich die Flächen zur Futtererzeugung“, sagt Wiedemuth. Deshalb kann er auch keine Förderung dieses Amtes nutzen. Wiedemuth kam als Privatperson und als Kreisrat im benachbarten Kreis Löbau-Zittau. „Als Kommunalpolitiker ist es mir unklar, warum die Gemeinde dem Mann nicht hilft, sondern ihm nur Steine in den Weg legt. Hier wäre doch angebracht, dass der Bürgermeister auf ihn zugeht, ihm Hilfe anbietet“, sagt er.In den Ställen stehen zehn Kühe mit ihren Kälbchen, dazu kommen 40 Sauen und ihre Ferkel. „Bevor ich selber was esse, bekommen meine Tiere was“, sagt Matthias Franke-Booch. Er kennt seine Unordnung, weiß, dass er da was ändern muss. Der Wille dazu ist auch da. Allerdings braucht er viel Zeit des Tages, um das Futter für seine Tiere zusammenzuholen. „Seitdem diese Behauptungen in der Zeitung standen und vor allem das Fernsehen da war, sind nicht mehr alle bereit, mir etwas zu geben“, sagt er.Der jetzt 43-Jährige lebte 19 Jahre mit seiner Mutter zusammen. Durch ihre Rente gab es wenigstens noch ein geringes Einkommen. Sie starb im Januar. Matthias Franke-Booch wohnt in einem Wohnwagen, der im Hof des Stallgeländes steht. An eine Wohnung denkt er nicht. „Wenn es kalt ist, ziehe ich eben noch etwas mehr an“, sagt er blauäugig.Franke-Booch hat Befürworter,Helfer und Gönner im Dorf gefunden. Doch die meisten trauen sich nicht, dies offen zuzugeben. „Ich weiß nicht, vor wem sie sich fürchten“, sagt Franke-Booch. „Ich belästige doch auch niemand, warum ist das so schlimm, wenn mir jemand hilft“, fragt er. Die Steine, die er, auch durch die falschen Informationen, in den Weg gelegt bekommt, grenzen oft schon an Felsbrocken. Ein Beispiel: Wenn er den Mist abfahren will, kann er den Weg neben seinen Gebäuden nicht nutzen. Dies wurde ihm untersagt. „Warum dürfen die Gartenbesitzer dort lang fahren“, fragt er sich.Vor-Ort-Termin mit Bügermeister vereinbartMittlerweile hat offensichtlich ein Umdenken in der Gemeinde eingesetzt. Bürgermeister Günter Sodan besuchte den Züchter in dieser Woche. Heute wollen sich beide vor Ort über Maßnahmen verständigen, die Matthias Franke-Booch allein oder mit Hilfe der Gemeinde Schritt für Schritt verwirklichen muss. Das jedoch soll ohne Öffentlichkeit passieren, forderte Sodan.