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Zuflucht für eine Nacht

Die Nachtcafés im Dresdner Süden sind trotz des milden Winters stark gefragt.

Von Sophie Arlet

Zwischen 15 und 20 Obdachlose kommen Abend für Abend in eines der Dresdner Nachtcafés in die Südvorstadt, Strehlen oder Reick. Seit November bieten die Kirchgemeinden bereits im 20. Jahr wieder einen provisorischen Schlafplatz, Wasch- und Rasiermöglichkeiten, warme Getränke sowie etwas zu essen an.

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Für jeden Wochentag ist eine andere Gemeinde zuständig. Am Freitag ist die Zionskirche in der Bayreuther Straße 28 an der Reihe. Gerd Grabowski leitet das Nachtcafé ehrenamtlich. „Es wird völlig unabhängig von den Temperaturen angenommen“, sagt der 67-Jährige. Er ist der Sprecher des Koordinierungskreises der Dresdner Nachtcafés und kann das für alle Standorte bestätigen. „Dieses Angebot ist sehr niederschwellig, niemand muss seinen Namen nennen oder begründen, warum er da ist“, so Grabowski.

Es kämen fast nur Männer, darunter etwa 20 Prozent aus Polen, der Slowakei, Tschechien, Bulgarien oder Rumänien. „Manchmal kommt es zwischen den deutschen und osteuropäischen Besuchern zu Rangeleien“, sagt Grabowski. „Aber wir haben das gut im Griff. Wir achten auf Disziplin, und unsere Hausordnung gibt es in sieben Sprachen.“

Ähnliches berichtet auch Gert Scharf. Er ist der Leiter der Dresdner Heilsarmee, die am Sonnabend ihre Türen in der Reicker Straße 89 öffnet. Er mahnt an, dass eigentlich die Stadt ein Übernachtungshaus bieten müsse, wo Obdachlose unbürokratisch für eine Nacht unterkommen könnten. „Dresden setzt nur auf Resozialisierung, das reicht aber nicht. Es gibt viele, die zu kaputt sind, um schnell integriert zu werden und mit einer eigenen Wohnung überfordert wären.“ Für sie müsse es Möglichkeiten jenseits der Übergangswohnheime geben.

Sonntags bietet die St.-Petrus-Kirchgemeinde Übernachtungsmöglichkeiten in der Dohnaer Straße 53 an. „Bei uns geht es sehr ruhig zu, die Leute wollen vor allem schlafen“, berichtet Wolfgang Beyer. Der 66-Jährige wünscht sich, dass in Dresden mehr Wohnraum angeboten wird. „Das ist eine städtische Aufgabe, wir machen nur ein Zusatzangebot.“

Die Nachtcafés werden von ehrenamtlichen Helfern aus den Gemeinden sowie Mitarbeitern der Kirchen betrieben. Die Lebensmittelspenden kommen vor allem von Supermärkten, der Tafel, der Mensa in der Reichenbachstraße sowie Bäckereien, die sich in der Nähe der Kirchen befinden. Die Besucher zahlen einen symbolischen Obolus von einem Euro. Die aktuelle Nachtcafésaison läuft noch bis zum 31. März.

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