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Radebeul

Zug fährt in gestürzten Baum

Bei Niederau müssen 80 Fahrgäste kompliziert evakuiert werden. Feuerwehren im Kreis rücken zu 140 Einsatzstellen aus.

Evakuierung in Dunkelheit und Gewitterböen. Auf den Gleisen bei Gröbern mussten die Passagiere von Feuerwehrleuten und Sanitätern aus dem Zug gebracht werden, weil der Triebwagen auf einen umgestürzten Baum gefahren war.
Evakuierung in Dunkelheit und Gewitterböen. Auf den Gleisen bei Gröbern mussten die Passagiere von Feuerwehrleuten und Sanitätern aus dem Zug gebracht werden, weil der Triebwagen auf einen umgestürzten Baum gefahren war. © Roland Halksch

Landkreis. Der Gewittersturm in der Nacht vom Sonntag auf den Montag hat über den gesamten Kreis Meißen Bäume gebrochen. Autos und Dächer wurden beschädigt. Starker Niederschlag mit orkanartigen Windböen beschäftigten die Feuerwehren in 17 Kommunen. Der Schwerpunkt lag in den Städten Meißen und Radeburg mit seinen Ortsteilen sowie in den Gemeinden Weinböhla, Niederau und Ebersbach, sagt Kreisbrandmeister Ingo Nestler.

Den wohl aufwendigsten Einsatz hatten die Wehren von Niederau, Ockrilla, Großdobritz und Weinböhla mit Unterstützung der Männer und Frauen vom Katastrophendienst des DRK-Kreisverbandes Meißen. Auf den Bahngleisen bei Gröbern war in Richtung Riesa und Leipzig kurz nach 22 Uhr ein IC Personenzug auf einen umgestürzten Baum gefahren.

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Einsatzleiter Mathias Schödel, Wehrleiter von Niederau: „Wir mussten 80 Passagiere, darunter einen Rollstuhlfahrer aufwendig evakuieren.“ Aufwendig deshalb, weil an diesem Abschnitt eine steile Böschung ist und sich die nächste Treppe nach oben auf die Straße erst 100 Meter entfernt befindet. Selbst Niederaus Bürgermeister Steffen Sang half mit. Er hat das Vereinshaus aufgeschlossen und die Reisenden aus der Bahn untergebracht. 

Dorthin sind die Fahrgäste samt Gepäck mit den Mannschaftstransportern der Feuerwehren sowie den Rettungswagen der Sanitäter gebracht worden. Weil es der Bahn nicht gelungen ist, Busse heranzuschaffen, wurden die Evakuierten schließlich mit 30 Taxis zurück nach Dresden gebracht. Einsatzleiter Schödel: „Die Aktion dauerte bis etwa zwei Uhr in der Nacht. Fast 50 Kameraden waren dabei.“

In der Radebeuler Goethestraße, Anne-Frank-Straße ist ein Baum auf drei Autos gestürzt.
In der Radebeuler Goethestraße, Anne-Frank-Straße ist ein Baum auf drei Autos gestürzt. © FW Radebeul

In Radebeul hat der Gewittersturm teils kräftige Bäume geknickt. Die größten darunter stürzten in der Goethestraße auf drei Autos und in den Eingangsbereich des Hotels der Villa Sorgenfrei auf dem Augustusweg, so Roland Fährmann, Wehrleiter von Radebeul. Teils bis in den Montagvormittag waren die Feuerwehrleute aus Kötzschenbroda, Lindenau und Radebeul-Ost im Räumeinsatz.

Zu 14 Einsatzstellen sind die Kameraden von Weinböhla ausgerückt, sagt Vizewehrleiter Kai Walther. Im Pflegeheim Stift Wilhelmina hatte außerdem die Brandmeldeanlage ausgelöst. Noch am Morgen wurden in Weinböhla an drei Stellen Bäume weggeräumt und gesägt.

Im Radeburger Gebiet hatten die Kameraden 25 Einsätze abzuarbeiten, wie Stadtwehrleiter Marcus Mambk sagt. Punkt 22.15 Uhr riss eine gewaltige Pappel die Niederspannungs-Freileitung an der S 100 kurz hinter dem Ortsausgang Richtung Königsbrück herunter. Zwar wurde die Überlandleitung nicht zerrissen, wie Enso-Unternehmenssprecherin Claudia Kuba betont, aber die Fachleute mussten trotzdem den Schaden beheben, auch wenn es keine Stromausfälle gab.

Geduld wurde dagegen vielen Autofahrern abverlangt. Denn der Baum blockierte die komplette Straße. „Bei einem Stammdurchmesser von mindestens 1,60 Meter hatten wir keine Chance, das Hindernis zu beseitigen“, sagt der Stadtwehrleiter. „Solche Stämme können wir weder zersägen, geschweige denn von der Straße rollen“, ergänzt Marcus Mambk.

Die Hauptverkehrsachse von Meißen nach Königsbrück musste so bis weit in den Montag hinein gesperrt werden. Die Polizei leitete den Verkehr über die Autobahnanschlussstelle Thiendorf um. Erst gegen 13 Uhr am Montag hatten Mitarbeiter der Radeburger Firma Cityforest den Baum mit seiner gewaltigen Krone zersägt und abtransportiert.

Am Augustusweg in Radebeul ist der Eingangsbereich der Villa Sorgenfrei schwer beschädigt worden.
Am Augustusweg in Radebeul ist der Eingangsbereich der Villa Sorgenfrei schwer beschädigt worden. © FW Radebeul

Für die Radeburger Feuerwehrleute war das Unwetter völlig überraschend gekommen. „Es gab lediglich eine Warnung der Stufe 2 vor markantem Wetter. Das dann eingetretene Ausmaß war nicht absehbar“, sagt der Stadtwehrleiter. Als dann aufgrund der vielen Notrufe die ortsfeste Befehlsstelle in Bärnsdorf eingerichtet wurde „schafften es die Kameraden aus Radeburg nicht bis dort hin, weil auch die Straße zwischen Radeburg und Berbisdorf von Bäumen blockiert war.

Vergleichsweise ruhig verlief die Nacht dagegen für die Kameraden der Moritzburger Wehren. Als einzige der Ortswehren der Großgemeinde musste die Moritzburger ausrücken, wie Wehrleiter Thomas Hoppe sagt.

„Direkt in der Ortslage gab es kaum Schäden. Betroffen war vor allem der Randbereich zur Radeburger Flur. Das Gebiet um den Mittel- und den Schlossteich.“ Dort wurden an der Kalkreuther Straße zahlreiche Bäume entwurzelt. Betroffen war auch die Große Fasanenstraße.

Im Raum Riesa hatte das Unwetter nur lokale Schwerpunkte. „Der einzige Unwetter-Einsatz war ein umgefallener Obstbaum, nicht der Rede wert“, sagt Dieter Böcke von der Feuerwehr Riesa. Der Baum in Seerhausen sei zudem stark von der Trockenheit vorgeschädigt gewesen. Die Gröditzer Feuerwehr und die Nünchritzer Kameraden mussten gar nicht ausrücken.

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Ganz anders sah es in Seerhausen aus. Dort wurden um 22.41 Uhr die Wehren Bloßwitz, Stauchitz und Seerhausen alarmiert. „Zuerst hieß es, dass ein Baum auf einem Auto liegen würde“, sagt Gemeindewehrleiter Heiko Findeisen. Das bestätigte sich nicht – allerdings lagen in Kalbitz, in Stauchitz und dazwischen mehrere Bäume auf der Straße.

Diese mächtige Pappel blockierte bis weit in den Montag hinein die S 100 bei Radeburg. 
Diese mächtige Pappel blockierte bis weit in den Montag hinein die S 100 bei Radeburg.  © Feuerwehr Radeburg

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