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Dresden: Anklage gegen Menschenhändler

Zwei Frauen und zwei Männer sollen Bulgarinnen in Dresden zur Prostitution gezwungen haben. Mit Tricks lockten sie die Frauen nach Deutschland.

Zwei Frauen und einen Mann hat die Staatsanwaltschaft angeklagt.
Zwei Frauen und einen Mann hat die Staatsanwaltschaft angeklagt. ©  Archiv/René Meinig

Dresden. Die Dresdner Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen einen 31-jährigen Bulgaren und zwei 25 und 41 Jahre alte Bulgarinnen erhoben. Die Anklagebehörde legt dem Trio unter anderem Zuhälterei, besonders schwere Zwangsprostitution und Menschenhandel zur Last. Nicht nur in einem Fall, sondern mehrfach.

Das Trio soll seit 2016 in Bulgarien Mädchen und junge Frauen angeworben haben mit dem Ziel, sie in Deutschland als Prostituierte arbeiten zu lassen. Dabei spielte laut der Staatsanwaltschaft die sogenannte Loverboy-Methode eine Rolle, bei der Männer den Opfern Liebe vorgaukeln, sie so für sich gewinnen, von sich abhängig machen und dann zur Prostitution zwingen. 

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Außerdem gelang es den Beschuldigten, Mädchen und Frauen nach Deutschland zu locken, indem ihnen versprochen wurde, lediglich als Begleitdame arbeiten zu sollen. Letztlich spielte auch Zwang bei den Anwerbungen eine Rolle, so die Staatsanwaltschaft

In Deutschland sollen die mutmaßlichen Täter dann ausgenutzt haben, dass die Mädchen und Frauen keine Sozialkontakte und kein Einkommen hatten. Mit Drohungen und Gewalt seien sie zur Prostitution gezwungen worden. Für die Anbahnungen der Taten nutzten die Angeklagten drei Massagestudios im Dresdner Süden, die am 16. Oktober 2019 von der Polizei durchsucht wurden. An diesem Tag haben die Beamten auch die Verdächtigen aus Bulgarien festgenommen.

Die Staatsanwaltschaft hat ermittelt, dass die Beschuldigten bestimmt haben, wo und zu welchen Bedingungen sie sich prostituieren mussten und welchen Preis sie dafür von den Freiern zu verlangen hatten. Außerdem legten sie fest, wie viel Geld sie selbst davon bekommen und wo die Prostituierten zu wohnen hatten.

Der 31-jährige Bulgare sitzt seit dem 17. Oktober 2019 in Untersuchungshaft. Die zwei Frauen sind unter Auflagen auf freiem Fuß. Ein vierter Mann, der im Oktober 2019 ebenfalls festgenommen wurde, ist im Dezember 2019 im Gefängnis lebensbedrohlich erkrankt und im Januar gestorben. Dieser Mann war 43 Jahre alt. 

Das Landgericht Dresden wird nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens und die Zulassung der Anklage entscheiden. Auch ein Termin zur Hauptverhandlung wird vom Landgericht Dresden bestimmt. (SZ/csp)

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