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Zuhören und vermitteln

In Rothenburg gibt es jetzt eine Freiwilligenagentur. Sie soll ehrenamtliches Engagement koordinieren.

© André Schulze

Von Frank-Uwe Michel

Julia Funke hat sich viel vorgenommen. Erst kürzlich war sie beim alljährlich stattfindenden Vereinstreff in Rothenburg zu Gast und hat den Ehrenamtlichen die jetzt beim Mehrgenerationenhaus eingerichtete Freiwilligenagentur vorgestellt – für die junge Frau ein ganz wichtiges Instrument, um Angebot und Nachfrage in diesem Bereich zusammenzubringen. „Bürgerschaftliches Engagement gibt es ganz viel. Bisher war es aber nicht immer leicht, es in die richtigen Kanäle zu leiten.“ Deshalb soll die 33-Jährige mit ihrer Freiwilligenagentur jetzt als Schnittstelle zwischen Vereinen oder vereinslos ehrenamtlich Engagierten auf der einen Seite und solchen Personen fungieren, die gern auf Unterstützung zurückgreifen würden, bisher aber nicht wussten, an wen sie sich wenden sollen. „Ich verstehe mich mit meiner Arbeit als eine Art Knotenpunkt. Allerdings geht es jetzt darum, dieses Angebot bekannt zu machen.“ Deshalb ist Julia Funke in diesen Tagen ständig unterwegs. Im gesamten Planungsraum, der bis Hähnichen, Hohendubrau, Markersdorf und Reichenbach reicht und von Rothenburg aus betreut wird, stellt sie sich bei Vereinen, Institutionen, Verbänden, bei Stadt- und Gemeinderäten, auf Versammlungen und Zusammenkünften vor. Natürlich sucht sie auch den Kontakt zu den jeweiligen Bürgermeistern.

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Für sie selbst ist der Job wie auf den Leib geschneidert. Seit August ist sie aus der Elternzeit zurück, hatte zuvor am Mehrgenerationenhaus mit der Betreuung asylsuchender Familien zu tun. „Seit Anfang September bin ich nun mit der Freiwilligenagentur am Ball. Bei meinen bisherigen Kontakten habe ich schnell gemerkt, wie groß der Bedarf tatsächlich ist.“ Immer wieder wurde sie mit Problemen konfrontiert, deren Lösung sie nun zu vermitteln versucht. „Dabei geht es zum Beispiel um die Frage, ob und wann man im Ehrenamt versichert ist. Oder um Hilfe bei der Beantragung von Aufwandsentschädigungen.“ Wie die Verantwortlichen im Landkreis ist auch Julia Funke davon überzeugt: Ehrenamt braucht Hauptamt, um funktionieren zu können. Deshalb möchte sie Coachings und Supervisionsstunden für ehrenamtlich Engagierte organisieren, einen regelmäßigen Stammtisch ins Leben rufen und Ideen aufgreifen, die sich weiter entwickeln lassen. Perspektivisch geht es um den Aufbau einer Plattform, damit Suchende und Anbieter besser zueinanderfinden. Die Freiwilligenagentur sieht sie auch dann nicht als Auslaufmodell. Denn: „Zum Beispiel in der Gesetzgebung wird es immer wieder zu Änderungen kommen. Es ist deshalb gut, wenn sich jemand an zentraler Stelle darum kümmert und Hinweise geben kann.“ Ehrenamtsengagement werde nie zum Selbstläufer, ist sie überzeugt.

Matthias Reuter hat das gesamte Kreisgebiet im Blick. Der beim Landkreis Görlitz angestellte Sozialplaner betreut den Aufbau aller Freiwilligenagenturen in den fünf Planungsräumen, die wiederum über je ein Mehrgenerationenhaus verfügen. Das sind neben Rothenburg noch Görlitz und Zittau sowie Weißwasser und Ebersbach-Neugersdorf, wo diese Einrichtungen erst im Aufbau begriffen sind. Reuter sieht bei der Betreuung durch die Agenturen vor allem drei Punkte, die künftig stärker zu berücksichtigen sind. „Das Ehrenamt verändert sich. Viele Interessierte wollen sich nicht mehr in Vereinen binden, sondern spontan an bestimmten Projekten mitarbeiten. Das braucht Träger, über die das laufen kann, und Wege zu Fördermitteln, die geebnet werden müssen.“ Aber auch der Generationswechsel werde in nächster Zeit eine zunehmend wichtige Rolle spielen. „Viele Vereinsvorstände sind schon lange dabei, wollen die Verantwortung in jüngere Hände legen. Oder es ist kein geeigneter Nachfolger vorhanden und es geht darum, einen Verein zu Grabe zu tragen. Auch hierbei können die Agenturen wichtige Hinweise geben.“ Aus alldem erhofft sich der Sozialplaner wichtige Erkenntnisse, wie der Landkreis perspektivisch mit dem Ehrenamt umgehen kann. „Dieser Bereich ist ständig in Bewegung. Es gibt so viel Gemeinsames, aber auch Unterschiedliches. Mithilfe der Freiwilligenagenturen wollen wir eine neue Transparenz herstellen.“

So läuft die Finanzierung

Die 100 000 Euro vom Freistaat für das Ehrenamt helfen in diesem Jahr wirtschaften. 2019 kommt Geld in doppelter Höhe vom Land.

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Frank-Uwe Michel über die Freiwilligenagentur in Rothenburg

Die Finanzierung der Mehrgenerationenhäuser im Landkreis basiert auf mehreren Säulen. Der Bund unterstützt die Arbeit der Einrichtungen mit jeweils 30 000 Euro im Jahr, dazu kommen im Fall Rothenburg jeweils 5 000 Euro von Stadt und Landkreis. Mitte des Jahres hat der Freistaat an alle Kreise 100 000 Euro zur Förderung des Ehrenamtes überwiesen. Davon bleiben im Landkreis Görlitz 15 000 Euro für den Engagementpreis reserviert, 85 000 Euro werden auf die fünf Mehrgenerationenhäuser aufgeteilt, macht jeweils 17 000 Euro. Mit dieser Summe und den 40 000 Euro von Bund, Stadt und Landkreis können die jeweiligen Freiwilligenagenturen finanziert werden. Denn die Organisation des Ehrenamts haben die Mehrgenerationenhäuser schon seit jeher auf dem Schirm. Wenn der Freistaat wie angekündigt im nächsten Jahr 200 000 Euro zur Förderung des Ehrenamtes an die Landkreise überweist, ist die Finanzausstattung der Agenturen für 2018 und 2019 gesichert.