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Zukunft des Meißner Klosters ist umstritten

Das Hahnemannzentrum wünscht sich von der Stadt jährlich einenBau-Zuschuss. Für das Rathaus haben andere Vorhaben Priorität.

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Von Peter Anderson

Eine sechstellige Summe wäre nötig, um die Klosterruine Heilig Kreuz an der B 6 von Meißen nach Riesa langfristig zu sichern. Das schätzt Helge Landmann, der Vorsitzende des Meißner Hahnemannzentrums.

Bereits vor Jahren hatte der Verein das Gelände oberhalb in Erbaupacht übernommen. Die Ruine selbst blieb davon ausgenommen. Jetzt würden sich die Mitglieder gern auch für dieses Areal engagieren, der Stadt damit eine weitere Last von den Schultern nehmen. Das Zentrum sieht sich allerdings außerstande, die Kosten für den langfristigen Erhalt der bröckelnden Feldsteinmauern zu tragen.

Dreimal 15000 Euro sind nötig

Deshalb wünscht sich Landmann, dass die Stadt mit regelmäßigen finanziellen Zuschüssen bei Bau- und Restaurierungsarbeiten unterstützt. 15000 Euro, aufgeteilt über drei Jahre, wären nach ersten Schätzungen nötig. Mit Hilfe dieser Eigenmittel könnten weitere Fördergelder eingeworben werden. Landmann, der selbst Restaurator ist, sieht gute Chancen, den Zuschuss der Stadt auf diese Weise um ein Vielfaches zu vermehren.

Ein so genannter Rahmenvertrag sollte im vergangenen Jahr die Grundlage für diese neue Perspektive legen. Pflichten und Rechte auf dem eigentlichen Kloster-Areal sollten für Stadt, Hahnemannzentrum und das Aufbauwerk der Region festgeschrieben werden. „Wir wollten Fragen der Haftung, des Arbeits-, Denkmalschutz - und Eigentumsrechts klären“, sagt Landmann. Der Vereinschef denkt dabei nicht zuletzt an rund ein Dutzend Jugendliche, die derzeit im Hahnemannzentrum eine modulare Ausbildung machen. Sie eignen sich restauratorische und handwerkliche Fertigkeiten an. Dieses Modul soll über längere Zeit – verbunden mit weiteren Stationen – in eine komplette Ausbildung mit Abschluss münden. Oft haben die Jugendlichen die Schule vorzeitig abgebrochen oder weisen anderweitig schwierige Biografien auf. Das Hahnemannzentrum arbeitet bei der modularen Ausbildungs-Initiative mit dem Aufbauwerk der Region Meißen, Riesa und Großenhain zusammen.

Trotz gemeinsamer Arbeit an Klauseln und Paragraphen kam der Rahmenvertrag 2007 schlussendlich nicht zustande. Landmann versteht bis heute nicht, woran das Vertragswerk scheiterte. „Wir hatten noch nicht einmal eine genaue Summe für die jährlichen Zuschüsse eingeplant, um keinen Druck auf den Finanzbürgermeister auszuüben“, sagt er.

Erst in Schulen investieren

Meißens Bau-Dezernent Steffen Wackwitz verweist dagegen auf pragmatische Zwänge, die den Rahmenvertrag platzen ließen. Der Entwurf sei zur Diskussion gekommen, als der Haushalt für 2008 bereits feststand. Deshalb habe das Rathaus keine neue finanzielle Verpflichtung eingehen können.

Die Stadträte hätten zudem anderen Bau-Vorhaben den Vorzug gegeben. Nach langen Jahren des Wartens soll so dieses Jahr die Johannesschule komplett saniert werden. Wie groß der Arbeitsbedarf in anderen Meißner Schulen ist, zeigte am vergangenen Mittwoch der Protest von Meißner Eltern über unhaltbare Zustände in der Questenbergschule.

Schulen, Straßen und Abwasserbau oder das alte Kloster – vor diesen beiden Alternativen hätten die Stadträte gestanden und sich für 2008 gegen weitere Investitionen in Heilig Kreuz entschieden. Das heiße allerdings nicht, dass darüber das letzte Wort gesprochen ist, so Wackwitz. Wenn der nächste Haushalt diskutiert werden, müssten die Prioritäten neu gewichtet werden. Eine Dringlichkeit bestehe nicht. Die Standfestigkeit sei gesichert. 2007 wären knapp 6000 Euro ausgegeben worden, um Mauerkronen zu sichern