merken
PLUS

Pirna

Zukunft mit dicken Fragezeichen

Freizeit- und Urlaubseinrichtungen in Tschechien bangen wegen Corona um Tausende Jobs und um ihre Existenz.

Für Deutsche derzeit unerreichbar: IQLandia in Liberec (Reichenberg, o.l.), das Schloss Decin (Tetschen, u.l.), das Besucherbergwerk Starý Martin in Krupka (Graupen, o.r.) sowie Kristín Hrádek. Wie bei Jiri Rippl in Kristín Hrádek fehlen überall vor allem
Für Deutsche derzeit unerreichbar: IQLandia in Liberec (Reichenberg, o.l.), das Schloss Decin (Tetschen, u.l.), das Besucherbergwerk Starý Martin in Krupka (Graupen, o.r.) sowie Kristín Hrádek. Wie bei Jiri Rippl in Kristín Hrádek fehlen überall vor allem © BildJan Škvára, Petr Špánek, Steffen Neumann (2),

Von Steffen Neumann und Petra Laurinová

Gibt es das IQLandia in Liberec (Reichenberg) auch 2021 noch? Pavel Coufal, der Direktor des auch bei Oberlausitzern beliebten Wissenzentrums und Planetariums, will nur sehr vorsichtig drauf wetten. „Wir beschäftigen rund 100 Personen. Das kostet uns täglich etwa 100.000 Kronen (umgerechnet knapp 4.000 Euro). IQLandia lebt nur von Eintrittsgeldern.

Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.

njumii ist der Ausgangsort für individuelle Karrieren. Im Handwerk. Im Betrieb. Im Mittelstand. In der Selbstständigkeit.

Andere Erlöse haben wir nicht“, sagt Coufal. Die Reserven reichenmaximal drei bis vier Wochen, um ohne Besucher zu überleben. „Länger halten wir nicht durch“, so der Direktor. Und er rechnet vor: Im März 2019 nahm das Zentrum IQLandia insgesamt 5,8 Millionen Kronen ein, die Monatsausgaben lagen bei 5,4 Millionen Kronen.

Der Hintergrund der Besorgnis: Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, hat Tschechien eine 30-tägige Ausgangssperre verhängt. Alle Freizeiteinrichtungen sind zu. Touristen dürfen nicht mehr ins Land. Und im Unterschied zu Deutschland, wo bereits ein umfassendes Hilfspaket für die Wirtschaft vorbereitet wird, können die Tschechen nur mit zinsfreien Krediten namens „Covid“ rechnen. Unternehmen können 500.000 bis 15 Millionen Kronen beantragen.

Das sehen viele wegen der ungewissen Zukunft als schwierig an. Auch das IQLandia sucht darum lieber nach Alternativen. „Seit voriger Woche geben wir täglich auf unserer Webseite und Facebook eine Anleitung für einen wissenschaftlichen Versuch. Die Experimente, die die Kinder zu Hause leicht ausprobieren können, sollen sie während der Corona-Ferien unterhalten“, sagte Jana Pivoňková, Mitarbeiterin bei IQLandia. Ende der Woche startet im Internet auch eine Aktion zum Vorverkauf von Eintritts- und Dauerkarten.

„Das könnte uns für eine gewisse Zeit helfen, den Einnahmeausfall zu überbrücken“, meint Coufal. Angedacht sei zudem eine Spendenaktion.

Die derzeit gesetzlich angeordnete Schließung bereitet auch den Zoos in Děčín (Tetschen) und Ústí nad Labem (Aussig) Sorgen, die jährlich Hunderttausende Gäste zählen. Auch Theater, Museen, Schlösser sind zu oder starten nicht in die Saison. Der Sportbetrieb ruht. Konzerte und Festivals wurden abgesagt oder verschoben.

Leer sind alle Hotels in den tschechischen Bergen. Die letzten deutschen Gäste verließen die Grenzregion am 14. und 15. März. Die Stimmung ist gedrückt. „Unsere Besucher können die Unterkunft kostenlos stornieren, den meisten ist aber eine Umbuchung lieber“, sagt Jitka Beránková aus der Rezeption des Wellness-Hotels Pytloun in Harrachov (Harrachsdorf). „Wir haben hauptsächlich Stammgäste, die gerne immer wiederkommen“, sagt sie. Deutsche machen dort rund zwei Drittel der Buchungen aus.

Ähnlich ist die Gäste-Struktur im Wellness-Hotel Lužan in Rumburk (Rumburg) im Schluckenauer Zipfel. „Wir versuchen, mit den Gästen eine Verschiebung der Buchung zu verhandeln, aber angesichts unklarer Aussichten ist das sehr schwierig. Bei Stornierung gibt es das ganze Geld zurück“, sagt Hotel-Chef Lukáš Bernas. Kleines Trostpflaster ist die Pizzeria, die einen Pizza-Service eingerichtet hat. „Aber 95 Prozent der Umsätze brechen gerade weg“, sagt Bernas. Seine Mitarbeiter einschließlich ihm mussten sich deshalb arbeitslos melden, mit dem Risiko, „dass nicht alle zurückkehren, wenn es mal wieder normal läuft.“

Warten auf Kurzarbeit

Unter der Schließung der Hotels und Gaststätten leidet auch Jan Srb. Seine Brauerei Falkenštejn in Krásná Lípa (Schönlinde) in der Böhmischen Schweiz produziert zwar noch. Aber die gastronomischen Einrichtungen fallen als Abnehmer weg. „Auch unser eigenes Restaurant ist natürlich zu“, sagt er. Immerhin gibt es sein Flaschenbier noch im Einzelhandel zu kaufen. Und im Verkauf über die Straße. Der ist erlaubt. „Aber das macht alles in allem nur 20 Prozent unserer eigentlichen Einkünfte“, schätzt Srb. Ein bisschen Umsatzerhöhung erhofft er sich noch von dem Online-Verkauf, den er bald starten will.

Entscheidend ist aber, ob auch in Tschechien Kurzarbeit eingeführt wird. „Das soll diese Woche beschlossen werden. Dann kann ich mein Personal halten“, hofft Srb. Der Staat würde dann 80 Prozent des Gehalts übernehmen, die Firma nur noch 20 Prozent. Schon beschlossen ist ein Betreuungsgeld für Beschäftigte, die wegen ihrer Kinder zu Hause bleiben müssen.

Die staatliche Tourismuszentrale Czech Tourism schätzt, dass die Folgen der Corona-Epidemie für den tschechischen Fremdenverkehr verheerend werden. „So eine radikale Reisebeschränkung hatten wir seit dem Zweiten Weltkrieg nie“, sagte Agentur-Direktor Jan Herget der tschechischen Presseagentur ČTK.

Wegen des Coronavirus und den damit verbundenen Problemen gewähren einige Banken eine Zahlungspause. Die Steuererklärungen werden in diesem Jahr erst später fällig. Bei einer Befragung von 600 Unternehmen der Branche durch die Tourismuszentrale gaben die meisten einen deutlichen Rückgang bei Anreisen ausländischer Gäste an, zwischen 80 und 100 Prozent. Im nächsten Quartal erwarten drei Viertel von ihnen ein weiteres Minus bei dieser Gästegruppe um 50 bis 100 Prozent. Die Betroffenen erhalten zinslose Kredite, Steuererleichterungen, eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes oder Subventionen zum Ausgleich von Verlusten.

Im Tourismus arbeiten in Tschechien rund 250.000 Menschen. Laut Czech Tourism trage das Segment drei Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Es werde ein Schaden von 1,2 Milliarden Euro erwartet.

Wie der Tourismus die Krise überlebt, hängt vor allem davon ab, wie lange sie noch anhält. „Ein paar Monate stehen wir das durch“, sagt Jan Srb. Er hofft, dass Hotels und Gaststätten im Mai wieder öffnen können. „Dann hätten wir zwar Ostern verloren, aber wenigstens noch die Sommersaison, in der wir für das Restjahr verdienen.“ Bleibt nur noch eine Frage: Wann die Grenze wieder aufmacht und die deutschen Gäste wiederkommen, die teils die Hälfte aller Touristen ausmachen.

Noch mehr Nachrichten aus Pirna, Freital, Dippoldiswalde und Sebnitz.