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Zukunft von Dorf-Kita steht auf der Kippe

Die Einrichtung in Ilkendorf wird wohl bald schließen. Sogar die Umwandlung in ein Asylheim wird in der Stadt debattiert.

Von Christoph Scharf

Wird die Kita in Ilkendorf geschlossen, um daraus ein Asylbewerberheim zu machen? Dieses Thema bewegt seit Wochen die Nossener. Bürgermeister Uwe Anke (parteilos) tritt den Gerüchten allerdings entgegen. „Dies ist definitiv falsch!“

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Eine Zukunft für die Einrichtung in Ilkendorf sieht er dennoch nicht. „Die Kita ist ein Auslaufmodell.“ Dafür gäbe es mehrere Gründe: So dürfe der Kindergarten nur noch mit Ausnahmegenehmigungen betrieben werden. „Werden diese nicht mehr erteilt, ist die Einrichtung zu schließen.“ Sonst müsste man Investitionen stemmen, die in keinem Verhältnis zur Kinderzahl stehen. Allein für den Arbeitsschutz und die Hygiene seien kurzfristig 35 000 Euro nötig. Weitere 125 000 Euro bräuchte man, um das Gebäude dauerhaft gebrauchsfähig vorzurichten. „Damit können allerdings immer noch nicht alle Vorschriften eingehalten werden, so dass weitere Investitionen nötig wären“, sagt der Bürgermeister.

Gleichzeitig sei die Nachfrage in Ilkendorf deutlich rückläufig. Während andere Kitas in der Region Ablehnungen verschicken müssen, werden nach derzeitigem Stand ab dem Herbst 20 Plätze in der Kita Ilkendorf frei bleiben: Statt 54 Kindern besuchen dann nur 34 die Einrichtung – und für diese 34 gebe es an anderen Nossener Kitas freie Plätze. Perspektivisch sinkt die Nachfrage in Ilkendorf laut Uwe Anke sogar noch weiter. „2015 werden weitere elf Kinder eingeschult.“ Weniger Kinder bedeuten kleinere Gruppen – aber auch höhere Kosten für die Stadt. Denn durch Früh- und Spätdienst habe der Kindergarten trotz weniger Kinder einen Personalbedarf von mehr als drei Vollzeitstellen – deutlich mehr, als nach Personalschlüssel vertretbar wären. Tatsächlich arbeiten vier Erzieherinnen in Teilzeit dort, eigentlich dürfe es nur eine weniger sein.

Dabei sind Erzieherinnen knapp. „Der Mehrbedarf in Ilkendorf geht zulasten der anderen städtischen Kindertageseinrichtungen, die mit weniger Personal auskommen müssen, als laut Personalschlüssel zur Verfügung steht.“ Warum stellt Nossen nicht einfach eine Erzieherin mehr ein? „Das würde die gesamten Kindergartengebühren nach oben treiben“, sagt der Bürgermeister. Er hält deshalb die Schließung von Ilkendorf für unvermeidbar, sobald die Kinderzahlen weiter sinken oder die Ausnahmegenehmigungen verwehrt werden. „Persönlich sehe ich einen Weiterbetrieb von ein bis zwei Schuljahren.“

Was würde dann aus dem Haus werden? Uwe Anke hält einen Verkauf ebenso möglich wie eine Vermietung – etwa an Gewerbetreibende oder als Wohnraum. In beiden Fällen wären An- oder Umbauten möglich. Theoretisch könnte neuer Wohnraum auch dem Landratsamt zur Unterbringung von Asylbewerbern angeboten werden. Das sei aber unwahrscheinlich, weil Asylbewerber die Möglichkeit haben sollten, Lebensmittelläden zu Fuß zu erreichen – in Ilkendorf unmöglich.

Bereits vor zwei Jahren gab es Gerüchte, dass die Kita-Außenstelle geschlossen werden soll. Wie es mit der Einrichtung in Ilkendorf weiter geht, liegt letztlich in der Hand des Stadtrats. Der Elternsprecher der Kita wollte sich zu diesem Thema nicht gegenüber der SZ äußern.