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Zum Beweis ein Farbklecks rechts oben

2001 beschlossen, wurde die umfängliche Sanierung des Ratssaales in Weixdorf nach rund zwei Jahren Arbeit abgeschlossen. Am Montagabend hatte der Ortsvorsteher zu einem Empfang geladen und zeigte seinen etwa 30 Gästen stolz die neuen Räume in der ersten Etage. Die Sanierung kostete insgesamt 111 000 Euro, und sie hat sich wirklich gelohnt.

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Von Iris Schmidt

Viele „Ahs“ und „Ohs“ würdigten am Montagabend den Weixdorfer Ratssaal, die Arbeit, die hier geleistet wurde. Dabei war das Violett für die Wände und ein schmaler Goldfries unter der Decke nicht ganz unumstritten. Aber Andreas Pirr vom gleichnamigen Architekturbüro konnte die Räte überzeugen, sich doch an die historische Vorgabe zu halten. „Der Beweis für die Wandfarbe, den finden Sie über dem Türrahmen. Das Fleckchen ist nicht vergessen worden“, sagt launig und stolz Ortsvorsteher Gottfried Ecke.

Endlich ist das scheußliche Grau, Weiß und Gelb, das die bemerkenswerte Art-déco-Decke im Ratssaal von Weixdorf bisher verschandelte, verschwunden. Alles zeigt sich in gediegenem Braun, die Stühle sind grün gepolstert. „Die für die Besucher trafen übrigens erst unmittelbar vor der Einweihung ein“, plaudert Ecke aus dem Nähkästchen. Insgesamt belief sich der Preis für die Sanierung auf rund 111 000 Euro, die vollständig aus dem Ortschaftsfonds stammen. Die Besucher nicken anerkennend, nein, das sei nicht zu teuer. Der Saal ist bekanntlich denkmalgeschützt, einer der wenigen im Art-déco-Stil im Raum Dresden erhaltenen. In den 20er Jahren besonders beliebt, gibt es ihn im Kunstgewerbe und auch in der Architektur. Der Wortstamm deutet auf das lateinische Dekoration hin, das eigentlich nur Ausschmückung heißt.

Der Grundstein für das Weixdorfer Rathaus wurde 1927 gelegt. Nach einem halben Jahr Bauzeit, im April 1928, war es fertig. Alle Vereine und Honoratioren des Ortes beteiligten sich an der Ausgestaltung des Baus. Der eine spendierte ein Bild, der andere eine Säule samt Palme oder eine Schreibgarnitur.

Nach der Jahrtausendwende betreute die Dresdner Bauleiterin Dagmar Ganz vom Hochbauamt in der Bauphase vor allem Firmen aus der Region. Aber auch der Gala Leuchtenbau aus Görlitz, der Chef ist Dieter Posselt, war beteiligt. Der Vier-Mann-Betrieb ist so ziemlich der einzige, der noch historische Leuchten zu einem vernünftigen Preis liefern kann. Und die Frau, bei der alle Fäden zusammenliefen, kann ein Lied davon singen, wie aus einer Renovierung doch eine gründliche Sanierung wird. Als die Wände aufgestemmt waren, fanden sich „ein Steigleitung hier, und eine alte Gasleitung dort“, erzählt sie. Es war das erklärte Ziel, dem Denkmalschutz Genüge zu tun. Nun kann man einen Rundgang durch den Galerieraum, die Garderobe, den Ratssaal, dem Bürgermeisterzimmer und dem Abgeordneten-Beratungsraum genießen. Der Ratstisch wurde aufgearbeitet, neue Fenster sind nach rund 80 Jahren eingesetzt und die Leitungen für die modernen Medien im Fußboden verlegt. Die gesamte erste Etage hat eine Generalüberholung erhalten. Sollten sich Baufachleute nun Sorgen machen wegen der Statik, denn immerhin ist ein großer Raum entstanden, kann man gerne mal im Erdgeschoss nachsehen. Ein Stützpfeiler, natürlich verkleidet, sorgt für die Sicherheit von unten.

Nun sind sicher viele Weixdorfer neugierig geworden und möchten das Kleinod besichtigen. Die Gelegenheit gibt es erst im Oktober. Lutz Biastoch, Verwaltungsstellenleiter, versichert: „Dann können sich hier alle umschauen. Dafür werden wir Zeit einräumen.“

Am Montag, dem 20. Oktober, findet die nächste öffentliche Ortschaftsratssitzung in Weixdorf statt.