SZ +
Merken

Zum Denkmalstag entsteht Schloss Linz neu

Der diesjährige Tag des offenen Denkmals findet bundesweit am 14. September statt. Die Linzer feiern an dem Wochenende zugleich ihr Schlossplatzfest und warten mit einer Ausstellung und Schloss-Präsentation auf, die viele Heimatfreunde anlocken dürften.

Teilen
Folgen

Von Luise Zschörnig

„Schloss Linz entsteht neu“, behauptet Frank Schneider augenzwinkernd. Und in gewisser Weise hat der Linzer Ortschronist sogar Recht. Im Computer entstand das ehemalige Wasserschloss nämlich tatsächlich neu. Detailgetreu und maßstabgerecht als jenes Bauwerk, das 1948 bis auf die Grundmauern abgebrochen wurde. Zum Schlossplatzfest können die Besucher rekonstruierte fotorealistische Baupläne von allen Seiten des Gebäudes studieren. Sie können einen visuellen Rundgang um das Schloss unternehmen – die räumliche Darstellung per Computeranimation wird auf eine Leinwand projiziert und vorgeführt. Und sie können mit den „Machern“ fachsimpeln.

Das Projekt wird vom Architekturbüro Lueginger aus Linz an der Donau präsentiert. Wie es dazu kam, ist eine Geschichte für sich, die im Dezember 2000 begann. Damals weilte eine Gruppe Linzer Bürger in der österreichischen Partnerstadt zur Eröffnung der Fotoausstellung „Kennen Sie Linz in Sachsen“. „Rund 150 Leute kamen. Das Interesse war erstaunlich“, erinnert sich Initiator Frank Schneider, der bei dieser Gelegenheit Stefan Lueginger kennen lernte. Im März 2001 traf man sich erneut, als die Linzer ihr Ausstellungsmaterial wieder abholten. Und bei Frank Schneider klingelten die Ohren, als er hörte, dass der Architekt Schüler unterrichtet, die während ihrer Praktika maßstabgerechte Modelle berühmter Gebäude anfertigen. „Könnte man nicht....?

Sohn des Besitzers

stets mit dabei

Ein halbes Jahr später besuchte der Österreicher mit einer Schulklasse den Ort. Und vor Weihnachten kam die Nachricht: Die Stadt Linz unterstützt finanziell und personell die Computer-Rekonstruktion des Linzer Schlosses. „Im April 2002 waren Dr. Lueginger und der Chef vom Linzer Vermessungsamt Dr. Haslinger zwei Tage hier und haben das gesamte Areal vermessen. Im Juli war Dr. Lueginger erneut mit zwei Schülern vor Ort“, erzählt Frank Schneider. Der 42-Jährige beschäftigt sich seit über 20 Jahren intensiv mit der Schlossgeschichte. Sein umfangreiches Material bildete den Grundstock für die Detailarbeit. „Und wir haben von Anfang an Georg Graf zu Münster, den Sohn des letzten Schlossbesitzers, als Zeitzeugen mit einbezogen“, sagt Frank Schneider. „Er hat die Entwürfe korrigiert, Anmerkungen gemacht. Wir wollten so detailgetreu wie möglich an das Original herankommen.“ Das Resultat wird beim Schlossplatzfest erstmals öffentlich gezeigt. „Auch ein kleines Modell vom Schloss wird zu sehen sein“, verrät Frank Schneider. Ein dauerhaftes wetterfestes soll später noch entstehen.

Der Linzer Ortschronist wartet zudem mit einer neuen Ausstellung an beiden Festtagen auf. Ihr Titel: „Schloss Linz und sein Schicksal“. Sie spannt den Bogen von der Entstehung der Wasserburg um 1200 bis zum Abriss des mehrfach umgebauten Gebäudes im Frühjahr 1948. Frank Schneider hat in jüngster Zeit vor allem die Nachkriegsgeschichte des Bauwerkes recherchiert und ist in Dresdner Archiven auch fündig geworden. Er zitiert aus Dokumenten, die den Abriss begründen, und aus Briefen, mit denen sich engagierte Bürger dagegen wehrten. Und er zeigt Fotos vom Abriss selbst. „Ich war sehr erschüttert, als ich diese Aufnahmen sah“, gesteht Frank Schneider. Vernichtet wurde damals zugleich der Schlosspark mit seinem wertvollen alten Baumbestand. Auch daran erinnern Fotos.

Der Rundwanderweg

wird eingeweiht

Zwölf Tafeln umfasst die Ausstellung. Darüber hinaus hat der Linzer Ortschronist einen Bilderrundweg um den Wallgraben mit Schlossansichten gestaltet.

Eröffnet wird das Schlossplatzfest am 13. September um 13 Uhr mit der Einweihung des Linzer Rundwanderweges „Graf zu Münster-Steig“. Die Ausstellung und Schlosspräsentation sind am Sonnabend ab 16 Uhr und am Sonntag ab 10 Uhr zu besichtigen .