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Zum ersten Mal Videobeweise bei Dynamo

Die Dynamo-Spieler müssen sich auf eine Vielzahl von Änderungen einstellen. Eine kostet sogar richtig Geld.

So sieht es aus im Kölner Keller, in dem ab sofort auch Spiele von Dynamo Dresden auf den Bildschirmen zu sehen sind.
So sieht es aus im Kölner Keller, in dem ab sofort auch Spiele von Dynamo Dresden auf den Bildschirmen zu sehen sind. © dpa/Rolf Vennenbernd (Archivbild)

Von Daniel Klein, Tino Meyer und Luan Grassmel

Über die Sache ist längst Gras gewachsen, und das im Wortsinn. Anfang Juli klaffte allerdings noch ein 72 Meter langer und 60 Zentimeter tiefer Graben quer über das Spielfeld des Rudolf-Harbig-Stadions. Es war der sichtbare Beleg für eine Neuerung, die Dynamo beim Spiel gegen Paris Saint-Germain am Dienstagabend offiziell testen wird: den Video-Assistenten.

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Die technische Generalprobe vor dem Punktspielauftakt gegen den 1. FC Nürnberg elf Tage später ist von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) vorgeschrieben – genau wie alles andere auch. Nachdem im März die Zweitligisten mehrheitlich die Einführung der Videotechnik beschlossen hatten, mussten die Vereine in der Sommerpause dafür nun die technischen Voraussetzungen schaffen – genau nach Vorschrift.

Nachgerüstet wurde fast überall, so auch in Dresden. „Bei uns wurden zwei Kilometer Glasfaserkabel und 200 Meter Kupferdatenkabel verlegt. Außerdem mussten mehrere Antennen und einige Netzwerkweichen installiert werden“, erklärt Marcus Böhm von der Stadion-Projektgesellschaft, die für die Arbeiten zuständig war und für die neue Technik, so Böhm, einen „hohen fünfstelligen Betrag“ investiert.

Für die Zuschauer sichtbar sein wird jedoch nur der Monitor, auf den der Unparteiische bei strittigen Szenen schauen kann und der künftig vor der Westtribüne in Höhe der Mittellinie steht. Dafür musste eine 15 Zentimeter breite Kabeltrasse quer übers Spielfeld ausgehoben werden. Um die Rasenheizung nicht zu beschädigen, wurde die oberste Bodenschicht per Hand abgetragen. „Teilweise waren damit bis zu zehn Arbeiter beschäftigt“, erklärt Böhm. 

Mit den neuen Kabeln sollen die Bilder ohne große Verzögerung zwischen Dresden und dem Video-Assist-Center, wie die Kellerräume in Köln offiziell heißen, übertragen werden. Und auch die Kommunikation über die Headsets muss störungsfrei funktionieren. 70 weitere Video-Assistenten hat der Verband zudem für die Ausweitung der Technologie auf den Bundesliga-Unterbau ausgebildet.

Ralf Minge ist ein bekennender Fan der neuen Technik, moniert wie viele andere aber auch die Umsetzung in der vergangenen Bundesliga-Saison. „Das muss man kritisch sehen“, erklärt Dynamos Sportgeschäftsführer.

Dynamo zahlt dafür 150.000 Euro

Doch er sagt: „Auf der anderen Seite sollte man die Schiedsrichter in Schutz nehmen, für sie wird der Druck immer größer. Es wird auch mit dem Videobeweis nicht nur Schwarz-Weiß-Entscheidungen geben, sondern weiterhin graue.“

Alle 18 Zweitligisten müssen pro Spielzeit jeweils 150.000 Euro an die DFL überweisen. Angesichts der Summen, die an Auf- und Abstiegen hängen, ist dies sicher eine angemessene Investition. Jannik Müller jedenfalls, einer von Dynamos Abwehrchefs, sieht für seine Position durchaus Vorteile. „Ich bin froh, dass der Videobeweis eingeführt wird, weil ansonsten auch viele versteckte Sachen nicht geahndet werden. Ich glaube, im Endeffekt macht diese Regel die Saison fairer. Doch die Frage der Emotionalität bleibt natürlich“, sagt Müller und meint die Freude nach erzielten Toren, die dann aber doch nicht zählen.

Einfluss auf die Entscheidungen des Video-Schiris können die Spieler nicht nehmen, für sie sind die seit dem 1. Juni geltenden und vom International Football Association Board verabschiedeten 17 neuen Regeln relevanter.

So darf der Ball nun nach einem Abstoß auch schon innerhalb des Strafraumes von einem Mitspieler berührt werden, während die gegnerische Mannschaft bis zum ersten Ballkontakt außerhalb bleiben muss. Für eine Mannschaft wie Dynamo, die unter Cheftrainer Cristian Fiel mehr denn je auf die spielerische Lösung verbunden mit viel Ballbesitz setzt, ergeben sich damit ganz neue taktische Möglichkeiten. Im Trainingslager in der vergangenen Woche ist das dann auch ein Schwerpunkt in der täglichen Arbeit gewesen. „Es ist schon sinnvoll, das alles in der Vorbereitung mal durchtrainiert, durchgesprochen und auch mal durchdacht zu haben“, betont Müller.

Die Torwartregel ist „lächerlich“

Freistöße können beispielsweise ab sofort auch dann schnell ausgeführt werden, wenn der Schiri jemanden verwarnen will – die Gelbe oder Rote Karte wird dann einfach später gezeigt. Wird nach einem Pfiff in Strafraumnähe eine mindestens drei Mann starke Mauer gestellt, so dürfen sich dort keine Gegenspieler mehr einreihen. Ausgewechselte Spieler müssen den Rasen sofort und an der Stelle verlassen, wo sie gerade sind – also auch an der Eckfahne. „Natürlich müssen die Jungs die neuen Regeln kennen. Wir versuchen, gut vorbereitet zu sein“, sagt Fiel. Nicht zuletzt wird es vorm Ligastart deshalb auch noch mal eine konkrete Regelschulung geben.

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Nicht alle Regeländerungen stoßen jedoch auf Gegenliebe. Dynamos neuer Torhüter Kevin Broll findet die neue Vorschrift beim Elfmeter sogar „lächerlich“. Die besagt, dass die Keeper so lange zumindest mit einem Fuß auf der Linie stehen bleiben müssen, bis der Schütze den Ball berührt. Das galt bisher – allerdings beidbeinig – zwar auch, doch nun wird es durch den Video-Assistenten kontrolliert und bei Nichteinhaltung mit Gelb bestraft. „Ich kann damit nichts anfangen, weil wir so eigentlich keine Möglichkeit mehr haben, einen Ball zu halten“, meint Broll. „Klar dürfen wir nicht drei Meter rausrennen, aber den einen Schritt nach vorn machen wir immer.“

Seine eigene Erfolgsserie gerät dadurch auch massiv in Gefahr. In den vergangenen beiden Spielzeiten hatte er als Torhüter von Sonnenhof Großaspach sechs von sieben Strafstößen pariert.

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