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Zum Geburtstag heben viele Gäste ab

Zum 80. Geburtstagdrehen internationale Flugzeuge über Görlitz und der Umgebung ihre Runden.

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Von Frank Fischer

Als Margitta Grundke wieder Boden unter den Füßen hat, schwärmt sie von den aufregendsten Momenten in ihrem Leben. Die 45-jährige Agrartechnikerin hat gerade ihren Rundflug beendet und für 15 Minuten die Görlitzer Region aus der Vogelperspektive betrachtet. Die Flugtage am Wochenende auf dem Görlitzer Flugplatz machen es möglich. „Ich habe sogar vor dem Piloten gesessen und fühlte mich wie in einem offenen Cabrio“, erzählt Margitta Grundke. Pilot Carl Grimminger erklärt seinem aufgeregten Passagier, dass dieses Flugzeug ein „Tiger Moth“ ist. Es wurde als einmotoriger offener Doppeldecker 1941 gebaut und erreicht bei diesen Rundflügen eine Flughöhe von fast 600 Metern. Den Klang der Motoren, die unmittelbare Nähe des Piloten und die tolle Aussicht nach allen Seiten wird Margitta Grundke so schnell nicht vergessen. Natürlich sind die Blicke von einigen hundert Besuchern vor allem auf die Flugvorführungen gerichtet. Bis 15.30 Uhr ziehen am Sonnabend vor allem nostalgische Flugzeuge bei Rund- und Kunstflügen ihre Kreise. Dann wird eine Sturmwarnung angekündigt, und das Surren der Motoren verstummt.

Doppeldecker hebt ab

Auch Dietrich Willner will für 15 Minuten den Boden unter den Füßen verlieren. Er gehört zur Besatzung, die in die russische Antonow II steigt, in der zwölf Personen auf gegenüberliegenden Sitzbänken mitfliegen können. „Ein irres Gefühl, wenn man im größten einmotorigen Doppeldecker der Welt abhebt“, beschreibt er seinen Rundflug. In diesem Flugzeug könne man bequem aufstehen und doch etwas Angst bekommen. Die spartanische Ausstattung sieht sehr altmodisch aus. „Es kommt nicht immer auf blinkende Armaturen und viele Schalter an, sondern auf eine robuste Technik, die nicht so verschleißanfällig ist“, erklärt der Pilot und versichert: „In diesem Flugzeug sind sie absolut sicher aufgehoben.“ Beim unverwechselbaren Klang des Motors fahren die hydraulischen Klappen zu. Die Fahrgäste erfahren, dass die Antonow 1951 gebaut wurde, bei NVA-Einsätzen in der DDR unzählige Kilometer geflogen ist und in den vergangenen zehn Jahren nicht ein Mal repariert werden musste. Es sei zwar kein schönes, aber ein sehr zuverlässiges Flugzeug.

Zwei Favoriten bei den Oldies

Wilhelm Swarofsky ist 84 Jahre alt und kennt den hiesigen Flugplatz bereits aus seinen Kindertagen. Keine Flugveranstaltung hat er bisher verpasst. Am Sonnabend haben es ihm zwei Flugzeuge besonders angetan. Das eine ist die Klemm 35, ein einmotoriger Tiefdecker, der im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz kam. „Endlich mal ein Flugzeug besteigen, wo sich die Tragflächen unter dem Rumpf befinden“, fiebert er dem Rundflug entgegen. Von diesem Luftvogel gibt es weltweit nur noch acht Exemplare. Mit glänzenden Augen nimmt er später auch die amerikanische Piper-PA 18 unter die Lupe. In diesem Hochdecker, bei dem sich die Tragflächen über dem Kopf befinden, darf aber kein Besucher mitfliegen, weil es die Sächsische Luftfahrtbehörde vor Ort verboten hat. Vom Piloten erfährt der Rentner, dass die Piper vor 50 Jahren gebaut wurde und schon über einhunderttausend Flugstunden hinter sich hat.

Dicht umlagert ist die graue JAG 54, ein Flugzeug, dass in diesem Zustand Kampfeinsätze über Afghanistan geflogen ist.

Natürlich gibt es auch moderne Hubschrauber vom Bundesgrenzschutz zu sehen, eine Ausstellung berichtet über 80 Jahre Geschichte vom Görlitzer Flugplatz und selbst die Fans für Modellflugzeuge kommen auf ihre Kosten.