merken
PLUS Bautzen

Zum Heiraten ins Schloss

In der Gemeinde Hochkirch gibt es jetzt einen neuen Platz für Trauungen. Auch andere Orte bieten Besonderes an.

Sebastian Flämig ist Schlossherr in Kuppritz bei Hochkirch. In den vergangenen Jahren hat er das Gebäude saniert. Nun können hier im Blauen Saal Trauungen und Namensweihen stattfinden. Aber es finden auch Konzerte und andere Veranstaltungen statt.
Sebastian Flämig ist Schlossherr in Kuppritz bei Hochkirch. In den vergangenen Jahren hat er das Gebäude saniert. Nun können hier im Blauen Saal Trauungen und Namensweihen stattfinden. Aber es finden auch Konzerte und andere Veranstaltungen statt. © SZ/Uwe Soeder

Hochkirch. Heiraten in einem Schloss – der Traum vieler Hochzeitspaare kann im Kreis Bautzen wahr werden. Denn viele Städte und Gemeinden haben die Möglichkeit geschaffen, Trauungen auch außerhalb des Standesamtes anzubieten. Ein neuer Ort ist jetzt in der Gemeinde Hochkirch dazugekommen: Schlossherr Sebastian Flämig bietet Paaren die Möglichkeit, im Blauen Saal von Schloss Kuppritz zu heiraten. Der Gemeinderat Hochkirch hat der Außenstelle zugestimmt.

Stück für Stück baut Flämig das Schloss aus. Der Musiker und Musikpädagoge, der aus Potsdam stammt und als Mitglied des Kreuzchores lange in Dresden gelebt hat, kaufte das Anwesen 2011. Den größten Raum im Schloss, den sogenannten Blauen Saal nutzt er bereits für Veranstaltungen wie Konzerte. Nun können auch Trauungen und Namensweihen stattfinden. Der Raum beeindruckt besonders durch die Deckenmalerei. Seinen Namen hat er wohl von einer blau-karierten Biedermeier-Tapete, die bis 1945 existierte. „Als ich hier ankam, war diese Malerei nicht zu sehen, weil eine Unterhangdecke, die 1816 eingezogen wurde, sie verdeckte. Zum Glück“, sagt Sebastian Flämig. Bei den Bauarbeiten kamen auch an anderen Stellen Überraschungen zum Vorschein. Die Restaurierung im Blauen Saal kostete in etwa so viel wie ein Mittelklassewagen, sagt Flämig schmunzelnd. Seine Recherchen ergaben, dass hier auch der erste August-Förster-Flügel gestanden haben könnte. Bis 1945, danach verschwand er. Auch der jetzige Flügel ist ein August Förster – allerdings eher aus den 70er-Jahren. Und noch etwas Besonderes steht in diesem Raum, der sogenannte Kuppritzer Sekretär. Allerdings „nur“ als Nachbau. Der echte, der 1930 als Erbausgleich weggegeben wurde, kam unter den Hammer. Zunächst in einem Münchener Auktionshaus. „Ich habe ihn dann schon in den Auktionshäusern von Christie’s und Sotheby’s gesehen. Das Original wäre mit über einer Million Euro unbezahlbar für mich“, sagt Sebastian Flämig. Ein Möbelbauer aus dem Berliner Raum hatte sich seit 2014 mit dem Neubau beschäftigt. Wo sich der originale barocke Schreibschrank, den der spätere königlich-sächsische Hoflieferant Johann Christoph Hesse 1740/42 als sein Meisterstück fertigte, jetzt befindet, weiß Flämig nicht.

Anzeige
Die besten Arbeiten aus 2021
Die besten Arbeiten aus 2021

Maler, Tischler und Raumausstatter zeigen in njumii - das Bildungszentrum des Handwerks ihr ganzes Können: kreativ, innovativ und meisterhaft.

Umfassend saniert

Neben dem Blauen Saal gibt es dann das Grüne Zimmer mit Blick in den Park. Hier können die Vorbereitungen für die Trauungen und auch für Namensweihen, die ab diesem Jahr in Hochkirch angeboten werden, getroffen werden. Ein weiterer Raum gegenüber vom Blauen Saal, das Gelbe Zimmer, kann dann fürs Feiern genutzt werden. Auch hier fanden sich bei der Restaurierung Unterhangdecken. Die Balken in der Decke mussten teilweise ausgewechselt werden. Hintergrund ist vor allem, dass ein früherer Besitzer, an den die Gemeinde das Haus nach der Wende verkauft hatte, überall Nasszellen eingebaut hat, die nicht dicht waren. Der Ausbau all dieser Einbauten hat Sebastian Flämig sehr viel Zeit gekostet. Doch nun ist dieser Raum, der lichtdurchflutet ist, ein wahrer Festsaal.

Im vergangenen Jahr hat Sebastian Flämig auf drei Etagen auch die Toiletten saniert – nicht ganz einfach bei den verwinkelten Platzverhältnissen. Jetzt sind sie sehr modern eingerichtet. Auch das ist eine Voraussetzung, um im Schloss zu feiern. Dazu kommt eine komplett eingerichtete moderne Küche, in der man selber kochen kann, sich aber auch einen Mietkoch oder Caterer nimmt.

Aber Flämig macht noch weitere Angebote. Was in anderen Schlössern, in denen Trauungen stattfinden, wie Milkel, Gröditz, Neschwitz oder Rammenau nicht möglich ist, soll noch in diesem Jahr umgesetzt werden. Flämig richtet Gästezimmer zum Übernachten ein. „Wenn die Zimmer hier nicht reichen, dann können die Gäste auch in Pommritz übernachten“, sagt der Schlossherr. Seit das Hotel zur Post in Hochkirch geschlossen ist, hat er einen guten Draht zum Lebensgut Pommritz, wo man auch übernachten kann. „Zu Fuß sind das nur 20 Minuten“, schmunzelt Flämig.

Die Kosten für die Nutzung der Räume im Schloss richten sich ganz danach, welche Angebote genutzt werden. Die Miete nur für den Blauen Saal, in dem 20 bis 100 Stühle Platz finden, liegt bei 100 Euro.

www.schloss-kuppritz.de

Hier kann auch geheiratet werden

Und auch im Freien kann geheiratet werden. Zum Beispiel in der Scheune am See in Sohland. Bei der Trauung im Saal können bis zu 100 Personen dabei sein. Je nachdem, ob das Paar dann auch dort feiert, kostet die Miete 240 bis 300 Euro.
Und auch im Freien kann geheiratet werden. Zum Beispiel in der Scheune am See in Sohland. Bei der Trauung im Saal können bis zu 100 Personen dabei sein. Je nachdem, ob das Paar dann auch dort feiert, kostet die Miete 240 bis 300 Euro. © Franziska Springer
Auf Schloss Klippenstein in Radeberg werden Trauungen angeboten. Zu den normalen Standesamtskosten, die danach gehen, ob die Trauung in der Woche oder dem Wochenende ist, kommen noch 130 Euro dazu. Es gibt festgelegte Termine, einige sind für dieses Jahr noch frei.
Auf Schloss Klippenstein in Radeberg werden Trauungen angeboten. Zu den normalen Standesamtskosten, die danach gehen, ob die Trauung in der Woche oder dem Wochenende ist, kommen noch 130 Euro dazu. Es gibt festgelegte Termine, einige sind für dieses Jahr noch frei. © Thorsten Eckert
Die Betreiber der Kulturmühle Bischheim bieten auch Trauungen an. Im 140-jährigen Gemäuer dürfen 50 bis 60 Gäste der Trauungszeremonie lauschen. Für die historische Kulisse zahlen heiratswillige Paare eine Grundmiete von 95 Euro.
Die Betreiber der Kulturmühle Bischheim bieten auch Trauungen an. Im 140-jährigen Gemäuer dürfen 50 bis 60 Gäste der Trauungszeremonie lauschen. Für die historische Kulisse zahlen heiratswillige Paare eine Grundmiete von 95 Euro. © Matthias Schumann
Dieses Hochzeitspaar ließ sich vor einem Jahr im Schloss Rammenau trauen. Pro Jahr gibt es von April bis Oktober meist zehn Termine an Sonnabenden. Die Saalmiete pro Trauung – acht pro Sonnabend sind möglich – kostet 240 Euro. Es gibt jetzt Termine für 2020. 
Dieses Hochzeitspaar ließ sich vor einem Jahr im Schloss Rammenau trauen. Pro Jahr gibt es von April bis Oktober meist zehn Termine an Sonnabenden. Die Saalmiete pro Trauung – acht pro Sonnabend sind möglich – kostet 240 Euro. Es gibt jetzt Termine für 2020.  © Oliver Killig

Mehr zum Thema Bautzen