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Zum Lehren in die Wüste geschickt

Die Koffer sind gepackt, die Expeditionskisten vorausgeschickt. Die Professoren Willi Xylander und Hermann Ansorge sowie ihre Mitarbeiter sind gestern in die Mongolei aufgebrochen. Die Wissenschaftler...

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Von Christian Düker

Die Koffer sind gepackt, die Expeditionskisten vorausgeschickt. Die Professoren Willi Xylander und Hermann Ansorge sowie ihre Mitarbeiter sind gestern in die Mongolei aufgebrochen. Die Wissenschaftler des Senckenberg-Museums für Naturkunde Görlitz unterrichten in der Wüste Gobi in einer Forschungsstation mongolische Studierende und Doktoranden. Dort lernen die Nachwuchsbiologen, wie man Säugetiere, Vögel und wirbellose Tiere erfasst und bestimmt, wie man Objekte für eine Museumssammlung präpariert und wie man die Größe der Tierbestände abschätzt. Praktische Feldarbeit steht hierbei im Vordergrund.

Dieses Wissen nutzen die Mongolen später, um sich für die Erforschung ihrer Naturschätze und den Erhalt der Tiere und Pflanzen ihres Heimatlandes einzusetzen. Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt der Expedition liegt, neben der Lehre, in der Erforschung der letzten Asiatischen Wildesel in der Mongolei.

Hier hat das Görlitzer Naturkundemuseum seit Jahren einen Forschungsschwerpunkt und besitzt mittlerweile eine umfangreiche Sammlung an Eselschädeln aus Zentralasien. Die Studenten lernen die Grundlagen der Populationsökologie und -genetik an dieser vom Aussterben bedrohten Tierart.

Einige der Studenten werden ihre Forschungen später in Deutschland am Görlitzer Museum fortsetzen und ihre Doktorarbeit anfertigen. Die Teilnehmer der „Gobi-Universität“ werden auch ein aktuelles Forschungsprojekt der Veterinärmedizinischen Universität Wien unterstützen und mit den österreichischen Kollegen versuchen, die Eselbestände vor Ort zu zählen.

Die Museumsleute engagieren sich bereits seit den 1980er Jahren in der Mongolei und erweitern kontinuierlich ihre Kenntnisse über die Tierwelt des Landes. Mittlerweile gibt es ein Kooperationsabkommen zwischen dem Görlitzer Museum und der Universität in Ulanbaatar. Standort der vierwöchigen Veranstaltung ist die Takhiin-Station in der Dschungarischen Gobi Wüste.

Feuerquallen in der Nordsee

Vor seiner Reise in die Mongolei war Museumsdirektor Xylander mit einigen Biologiestudenten an der Nordsee, um die extreme Massenvermehrung von Feuerquallen zu analysieren. Zurzeit leiden speziell die Küsten Norwegens unter diesem Phänomen. Xylander schätzt die Zahl der Feuerquallen im Oslofjord auf das Hundertfache des langjährigen Durchschnitts.

Die Gelbe Nesselqualle (wissenschaftlich Cyanea capillata) wird außergewöhnlich groß und erreicht einen Schirmdurchmesser von über einem Meter. Ihre dünnen, im Wasser kaum sichtbaren Nesselfäden erreichen dabei eine Länge von deutlich über fünf Metern. Welche Ursachen so in den Lebenszyklus eingegriffen haben, dass es zu der beobachteten Massenvermehrung kommen konnte, ist unklar. Xylander vermutet, dass der lange, kalte Winter eine Rolle gespielt hat: „Wahrscheinlich hat auch das bessere Nahrungsangebot für die Polypen, die sich von Plankton ernähren, das Wachstum befördert.“ Einige Spezialisten machen auch die Reduzierung der Thunfische, die sich von den erwachsenen Quallen ernähren, für die extreme Zunahme verantwortlich.

Inzwischen sind auch kommerzielle Konsequenzen bekannt geworden. So haben die Krabbenfischer im Oslo-Fjord ihre Arbeit eingestellt, berichtet Xylander: „Sie hatten so viele Quallen in ihren Netzen, dass eine Vermarktung der Krabben nicht möglich war.“ Auch die langfristigen Auswirkungen beispielsweise auf den Tourismus sind noch nicht absehbar. „Wo die Massen der Quallen ankommen, ist Baden und Schwimmen nicht mehr möglich. Selbst Tauchanzüge schützen nicht vollständig gegen die Armada der Quallen.“