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Zum letzten Mal hinauf auf den steilen Hang

Am Wochenende findet das vorerst finale Simson-Rennen am Geierswalder See statt. 

Steilhang-Männer der ersten Stunde: Tom Hänchen (links) und Tobias Kempe. Die beiden gehören zur Organisations-Crew des Rennens am Koschendamm, das in diesem Jahr zum letzten Mal stattfinden soll.
Steilhang-Männer der ersten Stunde: Tom Hänchen (links) und Tobias Kempe. Die beiden gehören zur Organisations-Crew des Rennens am Koschendamm, das in diesem Jahr zum letzten Mal stattfinden soll. © Foto: Anja Wallner

Geierswalde. Wenn am Wochenende wieder Dutzende Simson-Fans mit ihren Mopeds den steilen Hang am Fuß des Koschendamms erklimmen, dann wird auch etwas Wehmut mit hinaufknattern. Denn dieses 13. Simson-Steilhangrennen am Geierswalder See wird gleichzeitig das letzte sein. So ganz überraschend kommt das nicht, denn schon das 10. Jubiläumsrennen sollte ursprünglich die finale Sause sein. 

Der Koschendamm ist Bergbau-Gelände, soll sich in den nächsten Jahren noch wandeln. Ideen für das Areal gibt es reichlich. Aktuell hat der Bergbausanierer LMBV großflächig Faschinen auf dem Koschendamm anlegen lassen, jene Reisigbündel, die das Gelände vor Erosion und Böschungsbrüchen schützen soll. Die Dimension hat die Organisatoren überrascht, zwängt sich doch der steile Hang nun praktisch zwischen die Sicherungselemente. „Die LMBV hatte uns schon vor Jahren gesagt, dass die Sache endlich ist“, sagt Tobias Kempe, Mitorganisator vom Jugendclub Geierswalde. Und auch die Organisatoren werden älter, haben zum Teil Familie, Kinder. Ganz gestrichen wird die beliebte Veranstaltung, die Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet anzieht, aber hoffentlich nicht aus dem Kalender. „Wir würden uns freuen, wenn sich ein anderer Jugendclub findet, der das Rennen anderswo fortführt“, meint Tom Hänchen von der Renn-Crew. Auf die tatkräftige Unterstützung der Geierswalder könnten die potenziellen Nachfolger zählen: vom notwendigen „Papierkram“ über die Logistik bis hin zum ohnehin schon existierenden Internetauftritt. „Es wäre schön, wenn wir auch mal Gäste sein könnten“, sagt Tobias Kempe. Zwar sind die beiden jungen Männer mit ihren Simsons an den See gekommen – beim Rennen selbst werden sie nicht starten. Keine Zeit.

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Hauptgewinn: ein SR 2

Dafür werden reichlich andere Enthusiasten versuchen, den wetterbedingt knochentrockenen, harten Hang so hoch wie möglich zu fahren. Ein paar neue Schikanen haben sich die Geierswalder wieder einfallen lassen – verraten wollen sie die vorab natürlich nicht. Rund 80 Fahrer gingen im vergangenen Jahr an den Start; mit einer ähnlichen Größenordnung rechnen die Veranstalter diesmal ebenfalls. Auf der Facebook-Seite des Rennens haben zudem fast 1000 Nutzer ihr Interesse bekundet, am Wochenende zum See zu kommen.

Wer mitfahren will, meldet sich vor Ort an. Das Reglement, also die technischen Voraussetzungen, sind online nachzulesen. Nicht jede x-beliebige Maschine ist zum Rennen zugelassen. Es muss schon ein Simson-Modell der alten Bauform bis Baujahr 1990 sein, wobei Hauptrahmen, Federelemente und Schwinge aus Simson/MZ-Serienproduktion stammen müssen, wenn-gleich sie aber überarbeitet sein dürfen.

Simson-Mopeds sind anders als früher nicht mehr täglich im Straßenbild präsent. Ein Großteil der Steilhang-Fahrer und Fans dürfte zudem kurz vor oder erst nach der Wende geboren worden sein – warum sind junge Leute dann so fasziniert von dem DDR-Zweirad ? Zumal die Renn-Teilnehmer auch aus den alten Bundesländern stammen. Tobias Kempe meint, dass sicherlich in etlichen elterlichen und großelterlichen Garagen Mopeds stehen, weil früher damit gefahren wurde. In Ostdeutschland würden sich die Leute halt damit auskennen. Im Allgemeinen seien die Simson-Modelle aber faszinierend für alle Zweirad-Fans, ergänzt Tom Hänchen, weil sie es auf 60 bis 70 km/h bringen könnten, was andere kleinere Roller nicht schafften. Die Geierswalder verweisen auch darauf, dass die Mopeds nicht mehr hergestellt würden, sondern es nur noch – nicht gerade billige – Ersatzteilversorgung gebe. „Man sollte es also wertschätzen“, sagt Tobias Kempe.

Wertschätzen dürfte der diesjährige Sieger des Steilhangrennens auch seine Trophäe: ein hergerichtetes fahrbereites SR 2, das Nachfolgemodell des ersten von Simson gefertigten Kleinkraftrades SR 1. 390 000 Stück wurden zwischen 1957 und 1959 gebaut. Tobias Kempe schätzt den Wert des Gewinns auf 1 000 Euro. „Unbezahlbar ist der ideelle Wert“, meint er.

Eine große Familie geworden

Die beiden Mitorganisatoren sind von Anfang an beim Steilhangrennen dabei. Was treibt sie an? „Das positive Feedback der Teilnehmer und Gäste.“ Man sei hier am steilen Hang eine große Familie geworden, man kenne und helfe sich. Vielleicht finden die Familientreffen ja innerhalb des Seenlands an anderer Stelle weiter statt.

13. Steilhangrennen

Wo: Ostufer Geierswalder See.

Freitag, 23. August: Anreise, abends Party im Festzelt mit DJ aus Tätzsch-witz, Musik für Jung & Alt

Samstag, 24. August: ab 10 Uhr Fahrer-Check-In, ab 14 Uhr Qualifikationsläufe, ab 21 Uhr „Steil ist geil“-Party mit DJ Hendrix (Energy Brothers, Dresden) und Querbeet-Musik

Sonntag, 25. August: ab 13 Uhr Wertungsläufe, 16 Uhr Siegerehrung

www.facebook.com/events/2302162770063559/

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