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Zum Stammtisch in die Partnerstadt

Eine kleine Delegation aus Waldheim besucht ihre bayerische Schwesterstadt. Vor 25 Jahren begründete eine Freundschaft die Verbindung.

Von Marcus Herrmann

Schnell noch ein paar Zeitungen aus Sachsen eingepackt, schon kann die Reise losgehen. Zielort der Waldheimer Delegation ist die bayerische Partnerstadt Landsberg. Zum Trupp gehören der ehemalige Bürgermeister Karl-Heinz Teichert, Gerald Lässig vom Waldheimer Büro der Allianz-Versicherung Landsberg, FDP-Stadtrat und Konditormeister Steffen Ernst, der einst in Landsberg eine praktische Ausbildung erhielt, sowie die ehemalige Baudezernentin Christine Lohse.

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„Die in Landsberg lebenden Sachsen wollen natürlich wissen, was in der Heimat los ist. Deshalb haben wir noch ein Bündel von Ausgaben des DA aus dieser Woche mitgenommen“, sagt Albrecht Hänel, Vorsitzender des Heimatvereins Waldheim. Auch er machte sich mit auf die fünfstündige Reise an den Lech. Zum 25-jährigen Bestehen der Partnerschaft lud der Mitbegründer und Grünen-Abgeordnete Jost Handrack die Waldheimer in die Welfen-Kaserne samt Bunkeranlage ein. Hier wurden einst Teile für Hitlers Kriegsflugzeuge in einer 300 Meter langen Halle produziert. „Viele Gedenktafeln erinnern noch an die Zeit. Heute dient der Bunker als Lager für Flugzeugersatzteile und als Gedenkstätte“, sagt Jost Handrack

Ende der 1950er Jahre ist er aus seiner Heimatstadt Waldheim nach Landsberg ausgewandert. Doch der Kontakt zu seinem Schulfreund Dietmar Hack blieb bestehen. „Hack ist seit Anfang der 1960er Jahre Geschäftsführer der Heizungstechnik in Waldheim. Die beiden Geschäftsmänner sind sozusagen die Initiatoren der Städtepartnerschaft, weil sie sich nie aus den Augen verloren hatten“, erzählt Albrecht Hänel. Durch ihre Vermittlung traten kurz nach der Wende auch die beiden Bürgermeister der Städte Waldheim und Landsberg auf den Plan, um die Partnerschaft zu ratifizieren. „Am 10. November 1990 haben mein Amtskollege Franz Xaver Roessle und ich die Urkunde in Waldheim unterzeichnet, im Sommer darauf dann auch in Landsberg“, erinnert sich Karl-Heinz Teichert. Seitdem stehen nicht nur die beiden Heimat- und Tischtennisvereine der beiden Städte in regem Kontakt. „Erst Anfang dieses Jahres waren wieder 50 Gäste des historischen Vereins aus der Partnerstadt bei uns im Hotel Goldener Löwe zu Gast“, sagt Teichert.

Mit seinem Waldheimer Anhang bekam er während des Ausflugs von Dietmar Hack und dem Landsberger Oberstleutnant Gerhard Polatschek eine dreistündige Führung durch die Welfen-Kaserne. „Am Abend ging es dann in Kolbes Wirtsstube. Hier wurden nach der Wende viele Gastronomen aus Waldheim ausgebildet“, sagt Albrecht Hänel. Gleiches galt für einen Teil des Personals der heutigen Waldheimer Stadtverwaltung, die ebenfalls in Bayern ausgebildet wurden.

Zum Stammtisch in Kolbes Wirtsstube sind neben Landsberger Stadträten und der Vorsitzenden des Historischen Vereins in Landsberg Sigrid Knollmüller auch acht Leute aus Sachsen zugegen. „Unter anderem sind Gäste aus Dresden, Meißen und Radebeul gekommen. Besonders schön war, dass auch eine Familie aus Waldheim dabei gewesen ist, die ihre Zelte seit Jahren in Landsberg aufgeschlagen hat“, erzählt Albrecht Hänel.

Zusammen habe man die Zeit nach der Wende, als westdeutsche Unternehmen, wie der Baustoffproduzent Renner, in Waldheim investierten, Revue passieren lassen. „Ohne diese Hilfe aus der Partnerstadt wäre Waldheim heute wirtschaftlich längst nicht so gut aufgestellt“, erklärt Albrecht Hänel. Als Vorsitzender des Heimatvereins sei er damals einer der Ersten gewesen, die sich auf den Weg in die Partnerstadt gemacht hatten. „Bei der Satzung für unseren Verein haben wir auch viel Hilfe in Landsberg erfahren. Genauso war es bei unserem Waldheimer Museumsneubau“, sagt er.

Eine Nacht habe die Waldheimer Delegation in Landsberg verbracht. „Danach ging es wieder zurück in die Heimat. Im Stadtbus, wie Hänel berichtet. Der wurde von der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt. „Dafür sind wir sehr dankbar. Der Ausflug hat uns allen gut gefallen und wird sicher nicht der Letzte gewesen sein“, ist sich Hänel sicher. Zum Stadtfest in Waldheim will er aber erst einmal eine Delegation aus Landsberger Stadträten an der Zschopau begrüßen. „Es ist eben ein Geben und Nehmen. Und das soll auch in Zukunft so bleiben“, sagt der Vorsitzende des Heimatvereins abschließend.