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Zungenakrobat unterden Mundartsprechern

Jonsdorf. Volkskünstler Werner „Knox“ Knobloch verstarb an den Folgen eines tragischen Unfalles.

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Von Bernd Dreßler

Sein Terminkalender war gut gefüllt. Auftritte bei Hochzeiten, Vereinsfesten, Weihnachtsfeiern waren wie jedes Jahr lange geplant. Doch Darbietungen von Werner Knobloch aus Jonsdorf wird es nie mehr geben. Am 22. Oktober starb der langjährige Leiter der Jonsdorfer Volksspielkunst „Thalia“, der bekannte Mundartsprecher und Alleinunterhalter Werner Knobloch, an den Folgen eines tragischen Unfalls, den er bei Herbstarbeiten auf seinem Grundstück erlitt.

Kurt Piehler war Vorbild

Werner Knobloch, von seinen Anhängern und Freunden einfach Knox genannt, war einer, der sich der Oberlausitzer Mundart, ob gesungen, rezitiert oder in einer heiteren Spielszene vorgetragen, von Kind an verbunden fühlte. Schon als er Zehn war, ließ er keinen „Thalia“-Auftritt im heimischen Kretscham aus. Und bald stellte sich heraus, dass er die Gabe hatte, den heimischen Dialekt als Mundartsprecher hervorragend rüberzubringen.

Kurt Piehler, der Schöpfer des Oberlausitzliedes, war dabei sein großes Vorbild. Seine Werke hatten es ihm besonders angetan. Knox hat Piehlers Texten mit seiner Vortragskunst eine Art Kultstatus verliehen. Das Sprechtempo wurde dabei zu seinem besonderen Markenzeichen.

Wenn Werner Knobloch zum Beispiel in die Rolle eines Eisenbahners schlüpfte und die Bimmelbahn anfahren ließ, sie auf Geschwindigkeit brachte, um sie schließlich wieder im Bahnhof halten zu lassen, dann brillierte ein unnachahmlicher Zungenakrobat. Versprochen hat sich der im September 76 gewordene Jonsdorfer dabei wohl nie. Wenngleich er in einem anderen Zungenbrecher, der schier endlos scheinenden Aufzählung des Warenangebotes in einem Kramladen, feststellte, dass ihm „de Gusche“ weh tue. Abgenommen hat ihm das aber niemand.

„Doaas woar oalls durte a dann Loadn zu hoan“, beendete er immer den Tante-Emma-Laden-Schnellsprecher. Um im Bilde zu bleiben: Im „Laden“ der Oberlausitzer Mundartvortragskunst ist das Angebot seit dem 22. Oktober bedeutend ärmer geworden. Das von Werner Knobloch besetzte Fach ist leer. Für immer geschlossen bleibt auch sein bescheidenes Requisitenköfferchen mit Bahnermütze, Abfahrtskelle oder Tabakspfeife.

Lachen als beste Medizin

Nicht verschließbar ist allerdings die Erinnerung an einen Volkskünstler, der seinem Publikum auf Oberlausitzer Art die beste Medizin verordnete, die es gibt: Schmunzeln und Lachen. Meist war die von Knox verabreichte Dosis so stark, dass seinen Zuhörern aus nah und fern die Tränen in den Augen standen oder sie sich vor Lachen auf die Schenkel klopften.