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Zur Messe nach Tel Aviv ging es per Auto

Günther Kunath übte schon zu DDR-Zeiten den Sprung ins kalte Wasser der Selbstständigkeit. Heute beschäftigt die Messtechnikfirma elf Mitarbeiter.

© Wolfgang Schmidt

Von Ramona Nagel

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Ihr Leben ändern wollen viele Menschen. Neue Wege gehen, große Träume leben. Günther Kunath hat das gemacht. „Man muss wagen, um die Chance auf einen Gewinn zu bekommen“, sagt der gebürtige Chemnitzer. Er schaut dabei von seinem Computer, mit dem er mit Firmen in der ganzen Welt kommuniziert und handelt, aus dem Fenster in die ländliche Idylle mit in kleinen Krümeln fallendem Schnee. Und ist sehr zufrieden.

Dass sein Leben einmal von Druck- und Temperaturmesstechnik bestimmt und er ein erfolgreicher Unternehmer sein würde, das war Mitte der 1980er-Jahre undenkbar. Aber für ihn und seine Frau stand fest: „Wir wollen raus aus der Stadt und weg aus der sozialistischen Produktion.“ Damals war das eine sehr mutige Entscheidung. Selbstständige gab es wenig, es waren zumeist Handwerker. Zudem verlief der Wohntrend schon lange andersherum: Raus aus der Enge des Dorfes, rein in die Stadt und dort leben, wo man arbeitet. In Lichtenau fanden der gebürtige Chemnitzer und seine Frau einen Bauernhof, der viel Platz bot für Wohnen und Arbeiten. Es dauerte einige verworfene Geschäftsideen, bis der zündende Gedanke realisiert wurde – 1988 eröffnete die Vertragswerkstatt für das Manometerwerk in Beierfeld.

Die Wende machte einen klaren Strich unter das Leben, in dem sich die Kunaths eingerichtet hatten. Günther Kunath nimmt aber nicht hin, er sucht Lösungen. Er gründete eine GmbH und handelte mit Mess- und Regelungstechnik. Doch auch die Handelspartner aus dem Westen wollten profitieren. Das ging nicht gut. „Deshalb haben wir selbst mit der Fertigung begonnen“, so Kunath.

Zunächst mit einem Partner, später allein geht es mit der Suku Druck- und Temperaturmesstechnik voran. Es sind zumeist kleine Schritte, doch sie zeigen große Wirkung. So nutzte die Firma die Förderung des Freistaates, präsentierte sich bei internationalen Messen und steigerte damit Kundenanzahl und Bekanntheitsgrad. Ein Vortrag des ehemaligen Ministerpräsidenten von Thüringen, Lothar Späth (CDU), gestaltete sich zum Schlüsselerlebnis. Danach war klar: Wir steigen ein in den internationalen Handel! Und dabei gab es so manch denkwürdiges Erlebnis. Zum Beispiel die Fahrt mit dem Auto zu einer Messe in der israelischen Hauptstadt Tel Aviv. Mit dem Auto? „Ja, wir konnten uns damals den Transport unserer Ausrüstung mit dem Flugzeug nicht leisten“, sagte Kunath. In Tel Aviv angekommen, war die Messe noch unendlich weit. „Wir fanden keinen Menschen, der englisch spricht und so haben wir auf sehr abenteuerliche Weise und mit Gottes Hilfe unser Ziel gefunden.“

Das Lehrgeld aus der Anfangszeit war aber gut investiert. Die Firma beschäftigt heute elf Mitarbeiter, setzt zwei Millionen Euro im Jahr um und hat einen Exportanteil von 30 Prozent. „ In Osteuropa, Asien und Amerika sind wir sehr erfolgreich“, meinte der Firmenchef. Ein Teil der Produkte wird in Lohnarbeit weltweit gefertigt und im Stammwerk geprüft. Wurden die engen technischen Vorgaben nicht eingehalten, gehen die Messgeräte zurück.

Von der kontinuierlichen Entwicklung profitieren auch die Mitarbeiter. Sie erhalten ein 13. Monatsgehalt und werden an den Gewinnen beteiligt. Ein Großteil der Erlöse wird reinvestiert. So wurde ein Haus des einstigen Hofes zu einem schmucken Verwaltungsgebäude umgebaut. Und seit letztem Jahr gibt es eine neue Halle mit Versand und Prüflabor. Im Labor werden Manometer elektrisch oder mittels mechanischem Druck geprüft, seit Kurzem ist auch die Temperaturprüfung möglich.

Günther Kunath scheint auch als Vater vieles richtig gemacht zu haben. Seine drei Kinder arbeiten mit im Unternehmen. Sohn Julian wird einmal die Unternehmensnachfolge antreten und ist bereits Geschäftsführer. Im Gegensatz zu seinen Eltern ist er ein Stadtmensch. Nach fünf Jahren Köln lebt jetzt in Chemnitz. Aus erster Ehe stammt sein Sohn Friedrich Kunath. Der vielseitige und international erfolgreiche Künstler lebt in Los Angeles. Derzeit bereitet er unter anderem eine Ausstellung in Tel Aviv vor. „Die schaue ich mir an“, sagte der Vater. Wenn er seinen Sohn in den USA besucht, dann mietet er sich einen Ford Mustang. „Ich fahre von LA nach San Francisco die Küstenstraße und zurück – herrlich.“ Er ist stolz auf seine Kinder.

Seine Entscheidung gegen die Stadt und für das Land hat Kunath nicht bereut. „Die Straßen sind auf dem Dorf schlechter“, mosert er. Aber im Gegensatz zu der Genauigkeit von Messgeräten liegt der Straßenzustand eher im Ermessen des Betrachters.

Außerdem wurden vorgeschlagen: Christian Jakschik von der Firma ULT AG Absaug- und Filtertechnologie für Luftschadstoffe aus Löbauund Jörn und Daniel Meyer von der Meyer Drehtechnik GmbH aus Marienberg im Erzgebirgskreis.