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Zur Spurensuche nach Moskau

Obergurig. Die Ergebnisse dreijähriger Forschungen von Diethard Mardek zur Geschichte der alten Papierfabrik sind jetzt im Museum zu besichtigen.

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Von Carmen Schumann

Diethard Mardek hat eine besondere Fähigkeit: Er kann die altdeutsche Schrift lesen. Das kam ihm jetzt zugute, als es darum ging, die Geschichte der Papiermühle Obergurig zu erforschen. Diese Fähigkeit macht ihn im Heimatverein Obergurig zu einem gefragten Mann, denn der so genannte „historische Stammtisch“ des Vereins verfolgt viele Spuren der Ortsgeschichte. Diethard Mardek, der sich als Jung-Rentner 1999 in Kleindöbschütz ein Eigenheim baute, schloss sich im Januar 2001 dem Heimatverein an und wurde bereits im Oktober des gleichen Jahres in dessen Vorstand als Schatzmeister berufen. „Obergurig hat ja so viel Geschichtsträchtiges zu bieten“, ist ihm in den zurückliegenden sieben Jahren klar geworden. So hat er inzwischen mit seinen Mitstreitern vom Verein die Ehrung bedeutender Persönlichkeiten der Gemeinde vorangetrieben, wie des Heimatdichters Herrmann Klippel und des Malers Karl-Franz Adolf Fischer-Gurig. Letzterer war übrigens der Sohn des letzten Besitzers der Papierfabrik. Deshalb spielt er auch eine Rolle im Museum, das heute in Anwesenheit seines Enkels Adolf Fischer-Gurig eingeweiht wird.

Diethard Mardek hat sich in den letzten drei Jahren durch sämtliche Archive der Oberlausitz gewühlt und so die wesentlichen Eckdaten der Geschichte der Papiermühle zu Tage gefördert. Diese ging 1945 zu Ende, weil die gesamte Ausrüstung als Reparationsleistung in die Sowjetunion abtransportiert worden war. An diesem Punkt entzündet sich Diethard Mardeks Forscherdrang.

Der gebürtige Schlesier hatte von 1962 bis 1967 in Moskau Geodäsie und Astronomie studiert, beherrscht daher die russische Sprache noch ziemlich gut. Er möchte herausfinden, wo die Maschinen abgeblieben sind und ob sie womöglich sogar noch in Betrieb sind. „Wir würden eine Reise dorthin nicht scheuen, wenn wir wüssten, ob und wo die Maschinen aufgebaut wurden“, erklärt er.

Der Vermessungsingenieur, der 1999 sein privates Vermessungsbüro in Schöneiche bei Berlin verkauft hatte und in die Oberlausitz gezogen war, weil seine Tochter im Bautzener Ärztehaus als Augenärztin praktiziert, hat aber auch sonst noch viel vor.

So müsste zum Beispiel seine Briefmarkensammlung aufgearbeitet werden. Der 70-Jährige hatte sich auf die Marken der Sowjetunion spezialisiert, ein jetzt abgeschlossenes Sammelgebiet. Schwerpunkt war dabei die Raumfahrt, über die er zu DDR-Zeiten bei der „Urania“ Vorträge hielt. Denn während seiner Moskauer Zeit durfte er etliche Kosmonauten persönlich kennen lernen, darunter auch Siegmund Jähn.