merken
PLUS

Bautzen

Zurück in Bautzen: Mit Kickern Marke Eigenbau

Nach Jahren im Ausland will André Mirtschink seine Geschäftsidee in Bautzen umsetzen – und Vorreiter für andere sein.

Solche Tischkicker baut André Mirtschink – und in Bautzen an der Tuchmacherstraße gerade seine Kicker-Manufaktur auf. Nach Stationen im Ausland ist der promovierte Chemiker in die Oberlausitz zurückgekehrt. Um hier seine Geschäftsidee weiterzuentwickeln,
Solche Tischkicker baut André Mirtschink – und in Bautzen an der Tuchmacherstraße gerade seine Kicker-Manufaktur auf. Nach Stationen im Ausland ist der promovierte Chemiker in die Oberlausitz zurückgekehrt. Um hier seine Geschäftsidee weiterzuentwickeln, © SZ/Uwe Soeder

Bautzen . Ein Zeitvertreib aus Studententagen wird zur Geschäftsidee: André Mirtschink baut Tischkicker – und damit gerade seine Kicker-Manufaktur auf. Nach dem Abitur in Bautzen hatte er einen ganz anderen Weg eingeschlagen, denn ihn fasziniert die Chemie. Sie sei „intellektuell anspruchsvoll, aber immer noch lebendig“, sagt der 33-Jährige, der in der Nähe von Crostwitz aufgewachsen ist, zunächst das Sorbische und später das Schiller-Gymnasium in Bautzen besuchte. „Es gibt immer praktische Anwendungsbeispiele, überall finden sich chemische Prozesse.“

Also studierte Mirtschink in Dresden Chemie, schloss mit dem Diplom ab und nahm auf der akademischen Karriereleiter gleich die nächste Stufe in Angriff. Nach einem halben Jahr Praktikum im französischen Toulouse ging er für vier Jahre nach Amsterdam, um dort zu promovieren. Weiter ging’s nach Spanien. Dank eines Stipendiums der Deutschen Forschungsgesellschaft konnte er in San Sebastian erste eigenständige Schritte in der Forschung gehen. Immerhin strebte er als Nächstes eine Professur an. Doch etwa nach der Hälfte seines zweijährigen Aufenthaltes im Baskenland kam die Wende: André Mirtschink stellte fest, dass er sich im Universitätsalltag doch nicht so geborgen fühlt, dass eine Tätigkeit in der Forschung auch sehr viel mit Verwalten und dem Beschaffen von Geldern zu tun hat und dass eine akademische Laufbahn wohl noch einige Wanderjahre mit sich bringen würde. Dabei gefiel ihm die Stadt am Atlantik, wo er auch seinem Hobby, dem Surfen, nachgehen konnte. Diesen Sport hatte er bereits während eines früheren Forschungsaufenthaltes in Brasilien kennen und lieben gelernt. So suchte er nach einem Weg, länger in Spanien bleiben zu können. Aber dort eine Anstellung zu finden, sei nicht leicht. So kam die Idee, sich selbstständig zu machen. Eine eigene Werkstatt sollte es sein. Denn neben der Leidenschaft für die Naturwissenschaften liegt Mirtschink auch das Handwerkliche. „Ich bin auf dem Bauernhof groß geworden“, erklärt er, dass es ihm nicht fremd ist anzupacken. Zudem habe er sich sein Studium auf dem Bau verdient.

Anzeige
Lust auf neue Kunden?

Wie Sie mit der sz-Auktion gleich doppelt gewinnen und was Sie dafür tun müssen.

In Spanien als Gründer gestartet

Nun packte er also auch in Spanien an, baute zusammen mit einheimischen jungen Leuten eine Werkstatt aus – und erinnerte sich an den Zeitvertreib aus Studententagen. „Wir haben damals in Bars gern gekickert“, erzählt er. Um im Match gegen andere Kneipengäste besser zu werden, wollte er mit seinen Kommilitonen trainieren – und baute einfach selbst einen Tischkicker. Das wollte er nun in Spanien professionalisieren, um damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Doch auch das gestaltete sich schwieriger als gedacht.

Schließlich fiel die Entscheidung, doch Abschied vom Meer zu nehmen und in die Heimat zurückzukehren. Aus Spanien mitgebrachte Maschinen und Material fanden zunächst Platz in einer Werkstatt in Rosenthal. „Aber dort sieht eben niemand, was ich mache“, sagt Mirtschink. Und nur aufs Internet zu setzen, reiche nicht. Seit April ist er nun in Bautzen. Hier steht die Tür zum Laden in der Tuchmacherstraße, der zuletzt als Kulturshop genutzt wurde, fast immer offen, Passanten können gern mal reinschauen. Im hinteren Teil, der früher Lager war, sägt und schleift Mirtschink jetzt an neuen Kickern, die er nach Kundenwunsch auch individuell gestaltet.

Gefunden hat er sein neues Domizil dank Reno Rössel vom Fachkräftenetzwerk Oberlausitz. Er kümmert sich unter anderem darum, hier gute Bedingungen für junge Leute zu schaffen, die einst zum Studium fortzogen und nun zurückkehren wollen. Dabei stellte er fest, dass hier etwas fehlt, was viele Rückkehrer aus ihrem bisherigen Umfeld kennen: Räume, in die sie sich kurzfristig zu günstigen Konditionen einmieten und in denen sie mit anderen kreativen Köpfen zusammenarbeiten können. Sogenannte Coworking spaces bieten dabei in erster Linie ausgestattete Büroarbeitsplätze, Makerspaces hingegen Platz für handwerkliches Arbeiten und Möglichkeiten, sich an neuen Technologien wie 3-D-Druck auszuprobieren. „Um Bautzen attraktiver zu machen, wollten wir so etwas gern anschieben“, sagt Reno Rössel.

Noch Größeres im Blick

Die Räume in der Tuchmacherstraße sind nun der Anfang, ein Testfeld sozusagen. Zusammen mit dem Citymanagement und der Wirtschaftsförderung der Stadt Bautzen wolle man noch etwas Größeres auf den Weg bringen. Immerhin, so hatte es die neue Citymanagerin Yvonne Tatzel jüngst verkündet, gebe es dafür schon gut zehn Interessenten – von der Tortenbäckerin bis zum Designer. Aus der Idee, dafür den ehemaligen Fahrradladen an der Krone zu nutzen, der etwa 700 Quadratmeter Fläche bietet und schon seit Jahren leer steht, wird allerdings nichts. „Wir können diese Idee dort leider nicht umsetzen, zum einen wegen der hohen Kosten, die nur mithilfe von Fördermitteln tragbar wären, zum anderen auch wegen der unsicheren Zukunft des Krone-Gebäudes“, teilt Kirsten Schönherr, Geschäftsführerin der Bautzener Wohnungsbaugesellschaft (BWB), mit. Der BWB gehört seit diesem Jahr das Krone-Areal. Wie es dort weitergeht, ist allerdings umstritten, so ist auch ein Abriss des Krone-Gebäudes im Gespräch. Deshalb wolle man derzeit dort keine längerfristigen Nutzungen eingehen, so Schönherr. Für ein Coworking-Projekt habe man nun aber eine andere Fläche im Auge.

Auch Platz für andere Kreative

Auch André Mirtschink gefällt dieses Konzept. Denn keinesfalls will er nur als Einzelkämpfer an seinen Kickern bauen. Aus seinem eigenen Erleben bei den ersten Schritten in die Selbstständigkeit weiß er, wie hilfreich es ist, auf Kontakte und Kompetenzen anderer zurückgreifen zu können. So sind auch jetzt schon an der Tuchmacherstraße andere Kreative eingeladen, die Räume mit zu nutzen. Bis Jahresende stehen diese noch zur Verfügung. Die Zeit will Mirtschink nutzen, um seine Kicker-Manufaktur „Rabatz“ voranzubringen. Noch habe er keinen Kicker verkauft, aber es gebe erste Anfragen. Zudem vermiete er die Kicker auch. Und er macht sich bei Events bekannt – ob bei der Messe Konventa in Löbau oder der Langen Nacht der Kultur in Bautzen. Und an diesem Sonnabend ist er beim Miktival am Jugendtreff Tik dabei.